Austria

Marsalek flüchtete mit Privatjet von Bad Vöslau nach Minsk

German police advertises wanted poster of Wirecard management member Marsalek

09/30/2020

Der mutmaßliche Milliardenbetrüger Jan Marsalek hat seine Flucht genau geplant. Am Abend vor seinem Flug nach Minsk traf er offenbar einen hochrangigen österreichischen Verfassungsschützer.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber, Markus Strohmayer

Die ganze Welt sucht den mutmaßlichen Milliardenbetrüger Jan Marsalek. KURIER-Recherchen ergeben nun, dass seine Flucht offenbar anders vonstatten gegangen ist als bisher bekannt. Marsalek soll über den Flugplatz Bad Vöslau mit einem kleinen Businessjet geflüchtet sein. Brisant dabei dürfte aber auch ein Treffen einen Tag zuvor gewesen sein – angeblich mit einem ranghohen Mitarbeiter des österreichischen Verfassungsschutzes.

Die bisher bekannte Vorgeschichte lautet folgendermaßen: Der Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek wird am 18. Juni beurlaubt und wenige Tage später endgültig rausgeworfen. Danach verliert sich seine Spur. Die einen wähnen ihn auf den Philippinen und in China, am Ende sind es falsche Spuren, die offenbar ganz bewusst gelegt wurden. So etwas ist typisch für eine Aktion mit Geheimdienst-Hintergrund.

Das Investigativ-Portal Bellingcat hat Marsaleks Flugbewegungen der vergangenen Jahre aufgeschlüsselt und auch seinen möglichen Fluchtweg nachgezeichnet. Demnach soll Marsalek am 18. Juni von Klagenfurt über Tallinn nach Minsk geflogen sein. Dazu soll Marsalek ab Tallinn eine Embraer-Maschine einer Wiener Privatcharter-Firma genutzt haben, die um 19.10 Uhr Ortszeit in Minsk gelandet sein soll. Angeblich der letzte Flug, der an diesem Abend in belorussischen Hauptstadt ankam.

Abflug erst später

Doch in diesem Flugzeug war Marsalek offenbar nicht.

Denn es gab am nächsten Tag einen weiteren Businessjet-Flug, der Minsk ansteuerte. Laut KURIER-Informationen startete am 19. Juni um 20.03 Uhr Ortszeit ein viersitziger Privatjet des Modells Cessna Citation Mustang 510 vom Flugplatz Bad Vöslau Richtung Weißrussland. Mit an Bord befand sich Jan Marsalek. Ein Insider sagt zum KURIER: „Die behördlichen Grenzkontrollen wurden in Bad Vöslau durchgeführt, gegen Marsalek ist damals noch kein Haftbefehl vorgelegen“. Der Flug FFY5 landete zwei Stunden und vier Minuten später in Minsk.

Der Flugdaten-Anbieter Flightradar24 hat die genauen Daten dieses Fluges für den KURIER ausgehoben. Der Halter dieser Privatcharter-Maschine ist das Unternehmen ABC Bedarfsflug GmbH mit Sitz am Flughafen Innsbruck, Jet X Aviation Services GmbH in Kottingbrunn soll den Flug organisiert haben.

Keine Auskünfte

Die ABC Bedarfsflug GmbH gibt sich zugeknöpft. „Aus Datenschutz- bzw. Diskretionsgründen können wir Ihnen keine Auskünfte zu den Passagieren und Details zu unseren Flügen geben“, teilt Helmut Eder, Vorstandschef der ABC Bedarfsflug, dem KURIER in einer eMail mit.

Am Vorabend des Fluges soll sich Marsalek mit einem hochrangigen Mitarbeiter des heimischen Verfassungsschutzes (BVT) getroffen haben, mit dem ihn anscheinend ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Dieser BVT-Beamte ist seit 2018 karenziert und hatte im Gewerberegister eine Unternehmensberatung eintragen lassen. Das Gewerbe ist laut aktueller Auskunft aber gelöscht.

Der BVT-Mann wurde von vielen Insidern als möglicher Mit-Verfasser jenes 40 Seiten starken Konvoluts verdächtigt, das zur skandalumwitterten Razzia im BVT geführt haben dürfte. Er selber hat das im Untersuchungsausschuss heftig bestritten.

Eine Zusammenkunft mit seinem Freund Marsalek am Vorabend der Flucht wollte die Anwältin des BVT-Mannes, Caroline Toifl, weder bestätigen noch dementieren. In einer Stellungnahme teilt sie mit: „Mein Mandant hat mit den Malversationen rund um Wirecard nichts zu tun. Er hat nie für Wirecard gearbeitet. Es ist nicht auszuschließen, dass mein Mandant von der Staatsanwaltschaft München als Zeuge befragt wird (wobei es derzeit noch keine Ladung gibt). Ein Interview mit Medien vor dieser Aussage erscheint nicht opportun.“

Besuch im Ministerium

Im Innenministerium registriert man mit Besorgnis, wie stark die Verbindungen in der Ära von Herbert Kickl Wirecard gewesen sind. So war auch der ehemalige deutsche Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Klaus-Dieter Fritsche (67), zeitgleich als Berater für Wirecard und die geplante BVT-Reform im Innenministerium tätig gewesen.

Und, wie berichtet, gab es im Innenressort eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer App, über die die Grundversorgung ausbezahlt werden sollte. Marsalek dürfte sogar einmal höchstpersönlich im Haus in der Herrengasse vorgesprochen haben.

Lokalaugenschein. Am Flugplatz Bad Vöslau hat man – offiziell – nichts davon mitbekommen, dass ein mutmaßlicher Milliardenbetrüger im Süden Wiens seine Flucht nach Weißrussland angetreten haben soll. Die Mitarbeiter vor Ort wollen  nicht mit dem KURIER sprechen, auch Geschäftsführer Gerhard Erschnig möchte sich am Mittwochvormittag nicht äußern und verweist auf den zuständigen Pressesprecher des Flughafens Wien, Peter Kleemann.

Kleemann kann zwar weder bestätigen, dass an besagtem 19. Juni eine Maschine nach Minsk abgehoben hat, noch, dass Marsalek an Bord war, dass es theoretisch möglich wäre, schließt er aber ebenso wenig aus. Demnach würden Privatflüge im Grunde nach demselben Schema wie Linienflüge ablaufen. Der Flugplatz stelle dabei lediglich die Bodeninfrastruktur zur Verfügung. Der Flug werde dann von der Privatperson bei der Bedarfsfluglinie gebucht, welche Flugzeug, Pilot sowie Crew zur Verfügung stellt und außerdem behördliche Schritte wie Grenz- und Passkontrolle vorbereitet.

Behörden zuständigAn dieser Stelle wird es interessant, denn die durchführende Fluglinie in diesem Fall soll Jet X Aviation Services gewesen sein (siehe oben). Deren Geschäftsführer gab sich im KURIER-Gespräch aus Datenschutzgründen verschlossen,  betonte aber, dass ein etwaiger Transport an kolportiertem Datum völlig legal gewesen wäre, da nach Marsalek damals nicht gefahndet wurde. Zudem wäre für die Dokumentenkontrolle die Behörde zuständig. Dass man eine Cessna Citation Mustang 510 in der Flotte habe, wurde bestätigt.

Im Flughafencafé „Check In“, von dessen Terrasse man die Landepisten übersieht, treffen einander Flugzeugliebhaber. Dass ein Spitzenmanager auf der Flucht in unmittelbarer Nähe an Bord gegangen sein soll, hören sie zum ersten Mal. Es wäre aber nicht ungewöhnlich, dass Geschäftsleute hier abheben – denkbar sei es also.

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