Austria

Machtwechsel in WHO: China füllt Trumps Vakuum

Tedros (WHO) und Chinas "Überragender Führer" Xi Jinping

© REUTERS/POOL New

Während die WHO ihre Reaktion auf den Corona-Ausbruch prüft, drängt sich China nach dem US-Exit als neuer Top-Financier auf.

von Michael Hammerl

Hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu langsam auf SARS-CoV-2 reagiert? Es gibt gewisse Indizien. Da wäre der Umstand, dass die WHO Mitte Jänner nicht von einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung ausging, während in Wuhan bereits ein Container-Spital gebaut wurde und Menschen auf offener Straße kollabierten. Den Einreisestopp für Chinesen – ausgesprochen von den USA, Ende Jänner – kritisierte die WHO.

Da wäre ein Bericht Anfang März, der Chinas zügige Reaktion auf das hochansteckende Virus überschwänglich lobte, während Taiwan die WHO bereits im Dezember vor einer neuartigen Lungenkrankheit in Wuhan gewarnt hatte, was wiederum ignoriert wurde. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus meinte jüngst: "Wir können China nicht dafür kritisieren, zu spät gehandelt zu haben." Das sei nämlich nicht belegt.

Die WHO hat wegen der internationalen Kritik an ihrem Krisenmanagement nun eine "unabhängige Prüfkommission" eingesetzt, der Neuseeland und Liberia vorsitzen. Sie soll den Umgang mit und die Reaktion auf das Virus evaluieren. Damit "die Wahrheit, was geschehen ist", klar werde, wie der Äthiopier Tedros es formulierte. Das Virus habe die Welt als "Geisel genommen", man könne es nur gemeinsam besiegen.

Wer bezahlt die WHO?

Eine kurze Auffrischung, was die WHO eigentlich macht: Sie soll etwa Krankheitsarten definieren, Standards für Behandlungen setzen, Staaten beim Aufbau von Gesundheitssystemen helfen und verbindliche Vorschriften im globalen Kampf gegen Epidemien geben. Die WHO wurde 1948 gegründet, Menschen werden seitdem älter, die Müttersterblichkeit sinkt, Pocken sind ausgerottet.

Dennoch hat sich US-Präsident Donald Trump wegen Corona auf die internationale Organisation eingeschossen, Zahlungen gestoppt. Dann sind die USA endgültig ausgetreten. Der wichtigste von 194 Mitgliedsstaaten fällt weg. Die USA waren bisher der größte Geldgeber der WHO. Dem Zweijahresbudget (5,84 Mrd. Dollar) von 2018 bis 2019 steuerten sie rund 852 Millionen bei. Der zweitgrößte Financier war Großbritannien, dicht gefolgt von der Gates Foundation, die mehr als zehn Prozent des Budgets stellt.

Andere relevante Geldgeber, die in Verbindung mit Bill Gates stehen sind die Impfallianz Gavi – 2000 direkt gegründet von der Gates Foundation. Oder Rotary International, die internationale Dachorganisation der Rotarier. Sie empfingen mehrere Spenden im dreistelligen Millionenbereich von Gates für Polio-Impfprogramme. Die Gates Foundation ist im Übrigen die mit Abstand größte Privatstiftung der Welt. Diese Verbindungen sind also weder ungewöhnlich, noch verwerflich, sondern eine logische Konsequenz des intensiven humanitären Engagements des US-Milliardärs.

Wo Trump recht hat

Dennoch demonstrieren sie ein gravierendes Problem der WHO: die Finanzierung. 80 Prozent der Einnahmen sind keine Pflichtbeiträge, sondern Spenden. Die WHO ist finanziell abhängig vom Wohlwollen ihrer Mitgliedsstaaten, von Privatstiftungen und Pharma-Riesen. Nun hat US-Präsident Donald Trump der WHO nicht wegen Bill Gates gekündigt, sondern weil sie ein Naheverhältnis zu China pflegen soll – das bei der Finanzierung bisher kaum eine Rolle spielte.

Dass Trumps Aussagen eher selten als richtig eingestuft werden, mag vereinzelt auch am Wesen seiner Diktion liegen. Dass er von der massiven Coronakrise in den USA ablenken will – ausnahmsweise geschenkt. Viele Experten geben Trump in der Sache nämlich recht. Nicht nur, weil zuvor genannte Indizien eine chinafreundliche Agenda der WHO nahelegen. China unterstützte Generaldirektor Tedros auch 2017 bei seiner Wahl. Der verhinderte im Gegenzug, dass Taiwan – Status unklar, von China beansprucht – WHO-Mitglied wird, und meinte zuletzt gar, dass Taiwan gegen ihn eine Kampagne fahre.

Chinesischer Geldregen

Für solche Sager setzt es von der Volksrepublik Pluspunkte. Und während Peking die USA öffentlich auffordert, gefälligst ihren "internationalen Verpflichtungen" nachzukommen, flickt man nebenbei bereits genüsslich die US-Löcher im WHO-Budget. 50 Millionen Dollar extra sind versprochen.

Zudem hat China der WHO bereits im Mai zwei Milliarden im internationalen Kampf gegen das Coronavirus zugesichert. Dagegen sind alle US-Gelder und Gates-Spenden Peanuts. Pflegte die WHO zuvor nur ein Naheverhältnis zu China, droht nun eine reale Abhängigkeit.

Zwei Milliarden US-Dollar stellt China der WHO in den kommenden beiden Jahren für den Kampf gegen das Coronavirus zur Verfügung.

193 Mitglieder zählt die WHO, sobald die USA formal ausgetreten sind. Brasilien könnte nachziehen und austreten.

5,84 Milliarden Dollar betrug das Budget der WHO von 2018 bis 2019. Top-Geldgeber waren damals die USA, Großbritannien und die Gates Foundation.

Am 7. April 1848 wurde die WHO in New York von 61 Staaten ratifiziert. Ihren Hauptsitz hat die internationale Organisation in Genf.

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