Austria

Lukaschenko fordert Nachsicht für beliebte Demonstrationsikone

Nina Baginskaja (73) demonstriert gegen Weißrusslands Diktator Lukaschenko

© REUTERS/STRINGER

Seit August gibt es Massenproteste gegen den Machthaber in Minsk, darunter ist immer auch die 73-jährige Nina Baginskaja

Die 73-jährige Nina Baginskaja gilt als Ikone der Proteste in Weißrussland (Belarus): Nun hat ausgerechnet der umstrittene Staatschef Alexander Lukaschenko um Nachsicht im Umgang mit ihr geworben. "Das ist ein überzeugter Mensch. Sie darf unter keinen Umständen von der Straße geholt werden", sagte der 66-Jährige am Dienstag in einem beim Nachrichtenkanal Telegram von Lukaschenkos Pressedienst verbreiteten Video mit Blick auf Festnahmen durch die Polizei.

Baginskaja sei eine "Dekoration". Ohne sie würde es keine Opposition in der Ex-Sowjetrepublik mehr geben, meinte Lukaschenko, gegen den die Seniorin regelmäßig demonstriert. Sie wurde bereits festgenommen. Die bekannte Dissidentin hatte sich schon zu Sowjetzeiten mit den Kommunisten angelegt. 

Angst hat Nina Baginskaja ohnehin keine. Sie werde niemand einsperren, sagte sich gegenüber Journalisten, denn die Machthaber "sind ja nicht blöd". Diese wüssten, was es für eine Aufstand geben würde, sollte sie im Gefängnis sterben, sagte die 73-Jährige trocken.

Diktator Lukaschenko hat bereits vorübergehend Tausende Demonstranten bei den Protesten gegen ihn einsperren lassen. 

Lukaschenko: Bin "Frauen-Präsident"

Woche für Woche marschieren in Minsk Zigtausende Frauen durch die Straßen von Minsk und fordern Lukaschenko Rücktritt. Das hindert diesen nicht daran, sich gegenüber neuen Rektorinnen von Staatsuniversitäten jetzt als "Frauen-Präsident" zu bezeichnen, der von den Frauen des Landes unterstützt werde. Dabei verwies er auf seine ihn alleinerziehende Mutter. "Ich bin in einem Frauenkollektiv aufgewachsen", betonte der autoritär regierende Lukaschenko.

In dem Land mit rund neun Millionen Einwohnern protestieren seit der Präsidentschaftswahl Anfang August vor allem an Sonntagen Zehntausende gegen den Machthaber. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen die in die EU geflohene Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an.

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