Begonnen hat Michael Ludwig seine programmatische Rede zur Stadt, "Entschlossen für Wien", mit einer Flunkerei – auf Wienerisch: mit einem Schmäh, und zwar einem gewaltigen. Er halte hier "keine Wahlkampfrede", behauptete der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Spitzenkandidat – und tat dann eine Stunde lang genau das Gegenteil, freilich ohne den von ihm angepeilten genauen Wahltermin zu verraten. Auch dafür gibt es ein schönes, wienerisch-jüdisches Wort: Chuzpe. Seine Zuhörer, sorgfältig ausgewählte Repräsentanten der Stadt, zumeist ältere Semester, sahen ihm dieselbe wohl gerne nach. Denn was nach dieser Einleitung folgte, war, aus sozialdemokratischer Sicht, ein warmer roter Regen aus Milch und Honig.