Austria

Lockerungen? Nein: Jetzt kommt der Mega-Lockdown!

In Deutschland bereitet Virologe Christian Drosten seit Beginn der Krise mit seiner Expertise den öffentlichen Boden für jede neue Maßnahme vor - zuletzt auch für den von Kanzlerin Angela Merkel geplanten „Mega-Lockdown“. Mit ähnlichem Ziel schickte erstmals auch Kanzler Sebastian Kurz ein Experten-Quartett ins Gefecht: Um die Österreicher auf harte Wochen vorzubereiten. Bis 7. Februar sollen die bestehenden Maßnahmen verlängert und teilweise verschärft werden.

Erst ab dem 8. Februar sollen der Handel, körpernahe Dienstleistungen und Museen öffnen dürfen, allerdings unter verschärften Bedingungen. So sollen FFP2-Masken verpflichtend vorgeschrieben werden, der berühmte Babyelefant wächst auf zwei Meter Mindestabstand.

FFP2-Masken-Pflicht kommt
Etwa in Supermärkten, aber auch überall dort, wo man bisher einen Mund-Nasen-Schutz tragen musste, wird die FFP2-Maske Pflicht werden. Sie sei „enorm wirksam“, erklärte Oswald Wagner, Vizerektor der MedUni Wien. Sie ist aber auch eine logistische und für viele Österreicher finanziell herausfordernde Verschärfung – kostet ein Stück doch rund vier Euro. Der Mediziner plädiert dafür, sie zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen. Zurzeit sind die Masken vielerorts vergriffen. Auf die von der Regierung vor Weihnachten versprochenen Gratis-Masken warten viele Senioren nach wie vor.

Verschärft wird der Appell, Mitarbeiter ins Home-Office zu schicken. Von den Experten gefordert wurde eine Pflicht – die ist wohl noch nicht geplant. Möglich wäre sie, indem Büros in die Betretungsverbote aufgenommen und Ausnahmen für Schlüsselarbeitskräfte definiert werden.

Faßmanns Plan für Schul-Öffnung vom Tisch
Auch die Schulen sollen ab dem 8. Februar wieder geöffnet werden, allerdings beginnen in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Burgenland und Kärnten zu diesem Zeitpunkt ohnehin die Semesterferien. Oberösterreich und die Steiermark hätten ab 15. Februar Semesterferien, hier wird noch überlegt, ob diese auf die zweite Februarwoche vorverlegt werden, um nicht die Schulen für eine Woche zu öffnen und dann ferienbedingt wieder zu schließen. Damit ist der Plan von Bildungsminister Heinz Faßmann, am 25. Jänner mit dem Präsenzunterricht zu beginnen, Geschichte.

Hoteliers und Gastronomen müssen sich ebenso wie Veranstalter und Kultur- und Sportbetriebe noch bis Ende Februar gedulden. Allerdings ist angedacht, die Situation für diese Bereiche Mitte Februar noch einmal neu zu bewerten.

Der Skiurlaub in den Ferien ist abgesagt
Vor allem die Hotellerie treffen die Maßnahmen hart - denn ein Öffnen während der Semesterferien gilt laut Regierungskreisen als ausgeschlossen. Dauern würden die Ferien, nach Bundesländern gestaffelt, von 30. Jänner bis 21. Februar. Folgt man den Empfehlungen der Wissenschafter, müssen wohl auch die Seilbahnen schließen: Nur wenn die Einschränkungen klar, einheitlich und ohne Ausnahmen definiert sind, würden die Österreicher sie auch wieder mittragen, hieß es dazu.

Mutation verunsichert, Zahlen weiter zu hoch
Begründet werden die Schritte mit der britischen Mutation. „Das Virus ist infektiöser, darauf müssen wir eingehen“, sagt Mikrobiologe Andreas Bergthaler. Mediziner Oswald Wagner sieht eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 als Ziel, aktuell liegt sie bei 138. Statistiker Erich Neuwirth nennt gar 25 als „schöne Zielvorstellung“. Ob zwei oder drei Wochen Lockdown notwendig sind, will Wagner sich nicht festlegen: „Man gibt beim Abnehmen ja auch nicht die Dauer als Ziel an, sondern das Gewicht.“

Kritik von allen Seiten am Zickzack-Kurs
Abseits der Wissenschafter haben Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober nur noch wenige Verbündete. Wirtschaftskammer-Chef und Kanzler-Vertrauter Harald Mahrer kann sich zwar vorstellen, noch drei Wochen Lockdown mitzutragen, aber: „Ich erwarte mir ein Datum für erste Öffnungsschritte. Der März wird es nicht sein.“ Handel und Tourismus protestierten schon zuvor gegen eine Verlängerung der Schließungen.

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Wer glaubt, da kann man nebenbei Kinderbetreuung machen, lebt am Mond.

Gewerkschafts-Chef Wolfgang Katzian über die Herausforderung Home-Office

Gewerkschaftsbund-Chef Wolfgang Katzian unterstützt die Forderung der Wirtschaft nach Klarheit und kritisierte die Aussage Wagners, Mitarbeiter im Homeoffice würden die Schulen entlasten: „Da tun ja manche so, als ob Home-Office ,Hängematte‘ heißt. Wer glaubt, da kann man nebenbei Kinderbetreuung machen, lebt am Mond.“

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