Austria

Ländervergleich: Die Tiroler kostete die Krise am meisten Geschäft

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Ost-Westgefälle, aber Erholung auf breiter Front in Sicht

von Simone Hoepke

Das Jahr 2020 war aus touristischer Sicht eine Reise zurück in die frühen 1970er Jahre. Die Nächtigungen lagen mehr als ein Drittel unter dem Rekordniveau von 2019 und das bekam vor allem der Westen des Landes zu spüren. Im Tourismusland Tirol brach die Wirtschaft mit mehr als neun Prozent so stark ein wie in keinem anderen Bundesland. Das zeigen die Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO).

Mit den Urlaubern blieben nicht nur die Einnahmen in der Hotellerie und Gastronomie aus, sondern auch jene in Branchen wie dem Handel, der nur in Wien noch stärkere Umsatzeinbußen meldete. Aus demselben Grund wie in Tirol: In der Stadt fehlten die kaufkräftigen Gäste aus dem Ausland.

Auch in der Sachgüterproduktion gibt es ein Ost-West-Gefälle. Hier war besonders der Osten des Landes betroffen – die Industrie meldete je nach Bundesland Einbrüche in der Bandbreite von fünf bis 15 Prozent. Normalerweise fließen rund drei Fünftel der österreichischen Sachgüterproduktion in den Export, doch Waren „Made in Austria“ wurden um 7,5 Prozent weniger gekauft. Das traf unter anderem die Steiermark und die Autozulieferindustrie.

Die gute Nachricht: In der zweiten Jahreshälfte entspannte sich die Lage bereits wieder, die Nachfrage zog an. Das spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider, der sich zusehends erholt. Davon ausgenommen sind laut WIFO allerdings die Bereiche Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Andere Branchen haben heuer im März bereits mehr Menschen beschäftigt als zu Ausbruch der Pandemie.

Gute Nachrichten kamen am Freitag auch von der EZB: Sie hat ihre Wachstumsprognosen für den Euroraum nach oben geschraubt. Die Volkswirte rechnen nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,7 Prozent. Im Juni ist die Wirtschaft in der Eurozone so schnell gewachsen wie seit 21 Jahren nicht mehr.

Steigende Preise

Währenddessen meldet der IHS-Markit-Einkaufmangerindex – er fasst Industrie und Dienstleister zusammen – im Juli gegenüber dem Vormonat einen Anstieg von 59,5 auf 60,6 Zähler. „Angesichts der Lockerungen der Coronarestriktionen genießt die Eurozone einen sommerlichen Wachstumsschub“, so Markit-Chefökonom Chris Williamson. Die Geschäfte im Servicesektor liefen so gut wie zuletzt vor fünfzehn Jahren.

In der Industrie schwächte sich das Wachstum zuletzt etwas ab. Auch, weil Corona die Lieferketten durcheinander gewirbelt hat. Die Folge sind Lieferverzögerungen, wie im Halbleiterbereich, die ganze Produktionen zum Stillstand bringen und – im Spiel von hoher Nachfrage gepaart mit niedrigem Angebot – die Preise in die Höhe schnellen lassen. Letztlich wird sich das wohl auch in den Konsumentenpreisen, also etwa im Supermarktregal niederschlagen. Und damit in der Inflationsrate. Laut den Notenbankern handelt es sich hierbei aber um kurzfristige Effekte.

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