Austria

"Kleine brauchen faire Bedingungen"

Ulrike Rabmer-Koller gibt mit Ende 2019 nach vier Jahren die Präsidentschaft des europäischen Verbands für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU), SMEunited, ab. Im OÖN-Gespräch zieht die Unternehmerin Bilanz über nicht gezählte Arbeitsstunden, Erreichtes und nicht geerntete Früchte.

Ist das sichtbarste Ergebnis Ihrer Präsidentschaft die Umbenennung vom unaussprechlichen Namen UEAPME in SMEunited?

Rabmer-Koller: Tatsächlich ist mit der Namensänderung 2018 viel gelungen. Dem gingen zwei Jahre voraus, in denen ich die unterschiedlichen Perspektiven von Verbänden aus 30 Ländern unter einen Hut gebracht habe. Inzwischen gehören 70 Verbände zu SMEunited – und alle gehen in dieselbe Richtung. Nicht nur der neue Name ist ein Riesenerfolg, auch die Positionierung.

Die neue EU-Kommission verabschiedet im März die von Ihnen vorangetriebene KMU-Strategie. Bringen Sie sich um die Früchte Ihrer Arbeit?

Leider ja. Das ist wirklich ein bisschen schade. Für mich war es aber wichtiger, inhaltlich etwas weiterzubringen, und das ist uns auf mehreren Ebenen, etwa auch bei der Industriestrategie, gelungen.

Inwiefern?

Ich war unter den 20 Expertinnen und Experten, die die Industriestrategie entwickelt haben. Es ist gelungen, dort auch einen Fokus auf die KMU zu legen. Immerhin haben 99,4 Prozent aller 2,1 Millionen produzierender Unternehmen in Europa Betriebe bis 250 Mitarbeiter und sind damit ein KMU.

Kann man als KMU-Vertreterin zufrieden sein, wenn man sieht, welchen Gestaltungsspielraum sich Großkonzerne bei der Versteuerung nehmen, während Kleine dort versteuern, wo sie ihr Geschäft machen?

Da kann man nicht zufrieden sein. Da muss man so weit gehen, ganze Geschäftsmodelle in Frage zu stellen. Es braucht faire Besteuerungen und darüber hinausgehend faire Bedingungen.

Da ist aber noch nicht viel erreicht. Es fehlen selbst national noch Registrierungspflichten.

Stimmt. Aber endlich ist zumindest die Wahrnehmung vorhanden, dass es Handlungsbedarf gibt – auf EU-Ebene.

Haben Ihnen im letzten Jahr Ihrer Präsidentschaft nicht die Ansprechpartner gefehlt – erst war EU-Wahlkampf, dann gab es eine Leider-noch-nicht-Kommission?

Im vergangenen Jahr ist leider nicht mehr viel weitergegangen. Wir haben die Zeit genutzt, um die Anforderungen auf die neue Kommission vorzubereiten.

Auf der Bonusliste steht auch eine Erleichterung bei Bankkrediten für KMU. Kleine Firmen berichten dennoch, der Zugang zu EU-Förderungen sei für sie bürokratisch nicht zu bewältigen.

Da gibt es Handlungsbedarf. Ich war auch bei der für Innovation, Forschung und Jugend zuständigen Kommissarin Marija Gabriel. Ich habe ihr den österreichischen Innovationsscheck vorgestellt, um den Betrieben einen vereinfachten Zugang zu Förderungen und Innovationsprogrammen zu ermöglichen. Sie war sehr interessiert.

Für Start-ups gibt es eigene Fernsehformate, haben Sie das Gefühl, dass traditionelle Unternehmen noch sexy genug sind?

Es braucht beides. Aber die Wertschätzung für Familienunternehmen, die langfristig investieren und Wohlstand sichern, ist mir wichtig und war mein Antreiber.

Wie viel Zeit gewinnen Sie jetzt und was machen Sie damit?

Ich habe nie die Stunden gezählt, weil ich in der Reisezeit E-Mails für meine Firma bearbeitet habe. In meiner Umwelttechnologie-Firma stehen viele Themen an, etwa neue Märkte und Produkte. Da bin ich gefordert. Umwelttechnologie ist eine der Schlüsseltechnologien für den Klimaschutz. Dafür werde ich mich weiter einsetzen. Etwa nächste Woche: Da werde ich – auch noch in meiner Präsidentenfunktion – bei der Klimakonferenz in Madrid die Möglichkeiten vorstellen, Energie durch neue Technologien zu sparen.