Austria

Im "Stöckl am Park" wird schon das Bier angezapft

Am 12. Dezember eröffnet – hat einigen Anlaufschwierigkeiten – das umstrittene Stöckl im Park. Während die Wiener hier Natur und Bier genießen sollen, haben die Projektgegner Hausverbot.

Nach zwei Jahren Verzögerung, 65 zusätzlichen Auflagen seitens der Behörden und Mehrkosten von mehreren Millionen hat es Walter Welledits endlich geschafft: Am 12. Dezember feiert sein "Stöckl im Park" in der Prinz Eugen-Straße 25 (Landstraße) Eröffnung. Im Garten wird derzeit noch gearbeitet, dieses soll dann im Frühjahr 2020 für Gäste zur Verfügung stehen.

Am Mittwoch gewährte Welledits ausgewählten Journalisten einen ersten Blick in sein, wie er es nennt, Denkmal. Auf mehreren Ebenen verteilt bietet das neue Stöckl Platz für 880 Gäste, davon rund 480 im Gastgarten. "Erstmals seit 300 Jahren wird der obere Schwarzenbergpark wieder für die allgemeine Bevölkerung geöffnet", betont der Gastronom.

Um den historischen Grünraum zu genießen ist freilich ein Besuch und ein Konsum im "Stöckl" nötig, schließlich handle es sich hier um einen Gastgarten, nicht um einen öffentlichen Park, unterstreicht Welledits.

zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Lokalumbau als Denkmal zu Lebzeiten

"Manchen wird nach ihrem Tod eine Statue errichtet, ich habe mir mein Denkmal schon zu Lebzeiten geschaffen", betont Welledits. Das die Umwandlung des alten Stöckl im Park zu einem modernen Bierlokal samt angeschlossener Brauerei beinahe zu einer Lebensaufgabe wurde, konnte Welledits nicht ahnen.

"Hätte mir vor Jahren jemand gesagt, das wird alles zusammen neun Millionen Euro kosten, hätte ich geantwortet: Vergiss es", erzählt der Gastronom. Doch zu Beginn des Projekts ging die Gastronomenfamilie Welledits noch von 3,5 Millionen Euro aus.

Grund für den Preisanstieg waren die massiven Proteste von Anrainern, die im Schwarzenbergpark ein "Oktoberfest" oder "Ballermann"-ähnliche Zustände befürchteten. Für Welledits bedeutete das eine zusätzliche Bauauflage nach der anderen. "Insgesamt waren es 65 oder 66, mehr als jeder andere Gastronom in Wien je bekommen hat. Die Höhe des Aktes erreichte rund 50 Zentimeter", klagt Welledits.

Anrainerbeschwerden führten zu Mehrkosten von 1,3 Mio. Euro

Um den Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ließ Welledits eine Reihe von Gutachten – von Lärm über Verkehr bis hin zur Streuung von Bodenlampen erstellen. Ingesamt kamen so Mehrkosten von rund 1,3 Millionen Euro zustande.

Nicht billig dürfte auch die hauseigene Brauanlage gewesen sein. Laut Welledits ist diese nicht nur besonders energiesparend und erzeuge bis zu Zweidrittel weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen Anlagen, sie sei durch eine besondere Lüftungsanlage auch nahezu geruchslos. Im Garten – für den schon der Pachtvertrag jede Veranstaltung oder das Spielen von Musik ausschließe – will Welledits zusätzlich eine Lärmmessanlage installieren. "Wen jemand zu laut lacht, nehmen wir das auf und bitten ihn etwa leiser zu sein", erklärt der Unternehmer.

Kleinkrieg gegen "Stöckl" hält an, Wirt verhängt Hausverbot

Doch all scheint die Gegner des Stöckl nicht zu besänftigen. "Auch jetzt geht der Kleinkrieg weiter. So wurde ich angezeigt, weil die Bauarbeiten im Park angeblich die 'Waldvögelchen', eine seltene Wildorchideenart, beinträchtigen würden. Das hat die Wiener Umweltanwaltschaft aber mittlerweile als unrichtig erkannt", erzählt Welledits.

Dem Gastronom reicht es nun endgültig. "Ich habe mehrfach meine Hand ausgestreckt, doch diese wurde immer ausgeschlagen. Daher habe ich – auch wenn ich es nur sehr ungerne mache – für die Projektgegner ein lebenslanges Hausverbot ausgesprochen".