Austria

Ida Haendel, Zeugin romantischer Geigerkultur, ist tot

Ida Haendel, Archivbild 1989.
Ida Haendel, Archivbild 1989. (c) imago images/Michel Neumeister

Carl Fleschs Meisterstudentin ist mit 92 in Miami friedlich entschlafen.

Ihre Familie erkannte die Zeichen der Zeit früh genug: 1936 verließen die Haendels ihre polnische Heimat in Richtung Paris, um später in die Neue Welt zu fliehen: Von Kanada aus eroberte Ida Haendel buchstäblich die gesamte Musikwelt. Selbst Jean Sibelius schwärmte von der Interpretation seines Violinkonzerts durch die sensible Virtuosin.

In Paris war George Enescu ihr Lehrer gewesen. Das Talent hatten die Eltern früh erkennen müssen: Ida brachte sich auf dem Instrument ihrer Schwester schon als Dreijährige das Geigenspiel selbst bei. Den letzten Schliff holte sie sich bei Carl Flesch. Als Enkelschülerin Leopold Auers reichte ihr stilistischer Horizont also zurück in die Romantik.

Doch nützte sie ihren puren, ungemein flexiblen Ton für ein breites Repertoire, nahm beispielsweise mit Vladimir Ashkenazy Werke ihres Lehrers Enescu auf und – ebenso vorbildlich – scheinbar Sprödes aus der Feder von Béla Bartók: Musikantentum edelster Sorte sicherte ihr alle Ehren noch im hohen Alter.   (sin)

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