Austria

Hygiene-Austria-Skandal: Lenzing wirft das Handtuch

Der Mehrheitseigentümer zieht seine beiden Geschäftsführer ab, da eine Aufarbeitung nicht in der "erforderlichen Qualität" möglich war.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Tage des Maskenherstellers Hygiene Austria LP GmbH mit Sitz in Wiener Neudorf könnten gezählt sein. Denn: Nach Platzen des Skandals rund um die Umetikettierung von chinesischen FFP2-Masken auf „Made in Austria“ und dem Verdacht der Schwarzarbeit sollte eigentlich eine forensische Aufarbeitung erfolgen.

Diesen Plan hatte zumindest die Lenzing AG, der Mehrheitseigentümer (50,1 Prozent). Doch das Vorhaben ist offenbar am Minderheitseigentümer Palmers gescheitert.

„Lenzing hat vergangene Woche auf Basis der vertraglichen Vereinbarung mit Palmers versucht, die operative Kontrolle von Hygiene Austria zu übernehmen“, heißt es in einer Aussendung der Lenzing AG.

„Da wir keinen vollständigen Zugang zu wichtigen Unterlagen sowie verlässlicher Dokumentation erhalten haben, sieht sich Lenzing außer Stand, die operative Geschäftsführung im Interesse der Kunden der Hygiene Austria auszuüben und die beabsichtigte forensische Arbeit zur Aufarbeitung der Vorgänge umfassend und in der erforderlichen Qualität umzusetzen.“

Kein Zugriff

Die Geschäftsunterlagen der Hygiene Austria sollen sich in Räumen des Minderheitseigentümers Palmers AG befinden, für die Lenzing „weder Zutritt noch Zugriff bekommen hat“. Der Ball liege jetzt bei den Strafbehörden.

Palmers hat die Lenzing-Reaktion kalt erwischt. „Zu keiner Zeit hat Palmers die Aufklärung der Untersuchung behindert oder Unterlagen zurückgehalten“, ließ Palmers wissen.

Der Faserkonzern Lenzing zieht nun die Konsequenzen. Die Nominierung von Stephan Sielaff als Geschäftsführer der Hygiene Austria wird zurückgezogen und Stephan Trubrich wird als Geschäftsführer abberufen. „Ein ehest baldig zu bestimmender Wirtschaftstreuhänder wird mit der Verwaltung der Lenzing-Anteile an Hygiene Austria betraut.“

Im Vorstand der Lenzing AG wird ausschließlich Stephan Sielaff für die Beteiligung an der Hygiene Austria zuständig sein. „Er wird alle Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat abstimmen“, heißt es weiter.

Made in China

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der organisierten Schwarzarbeit sowie des schweren gewerbsmäßigen Betrugs.

Die Hygiene Austria hatte eingeräumt, dass wegen der enormen Nachfrage ein chinesischer Lohnfabrikant mit der Produktion von Masken nach dem Baumuster der Hygiene Austria beauftragt wurde.

Die Masken wurden aber als österreichische Produkte verkauft. Sie sind anscheinend in Ungarn zertifiziert worden und sollen im Einkauf angeblich deutlich teurer gewesen, als die selbstproduzierten Masken.

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