Austria

„Historisches Alpenarchiv“ online neu aufbereitet

Das Leben in Österreichs, Südtirols und Deutschlands Bergen gestern und heute präsentiert sich im „Historischen Alpenarchiv“ in neuem Gewand. Die drei Alpenvereine ÖAV, AVS und DAV der drei Bergländer stellen ihre Sammlungen seit 2006 in digitaler Form Interessierten zur Verfügung. Nun erfolgte ein Relaunch, der die Zugänglichkeit verbessern soll. Neben alpinen Alltagsgegenständen wie Hüten, Schuhen und Karten befindet sich aber auch eine große Kunstsammlung darunter.

Über 200.000 Datensätze erzählen die Kulturgeschichte des Alpinismus in Österreich, Südtirol und Deutschland. Die drei Vereine verbindet eine lange, gemeinsame Geschichte, waren sie doch zwischen 1873 bis zum Zweiten Weltkrieg nur eine Organisation - der „Deutsche und Oesterreichische Alpenverein“. Während des Krieges wurden viele Objekte wie Bücher und Gemälde nach Tirol gebracht, weil München stark vom Kriegsgeschehen betroffen war. Erst in den 1970er-Jahren erfolgte dann eine Aufteilung zwischen den Vereinen. In Tirol verblieb die Kunstsammlung, die Bibliothek wurde beispielsweise wieder nach München übersiedelt, erzählte Veronika Raich vom ÖAV im APA-Gespräch.

Sammlung von Bergmaler Compton
Der Österreichische Alpenverein verfügt auch über eine beachtenswerte Sammlung von Werken des Bergmalers und Bergsteigers Edward Theodore Compton, der Mitte des 19. Jahrhunderts in England geboren wurde. Mit 18 Jahren verschlug es ihn aus gesundheitlichen Gründen auf den Kontinent, wobei er im Alpenraum sein Zuhause und die Inspiration für sein künstlerisches Schaffen fand. Als Vereinsmitglied fertigte er Illustrationen für das Jahrbuch an. Beispielhaft für Comptons Werk ist für Raich ein Gemälde des Großglockners, das 1918 entstand - nur drei Jahre vor seinem Tod. Compton hatte bei seinen Bergtouren stets Block, Bleistift, Pinsel und Farbe dabei. Während sich die anderen am Gipfel ausruhten, fertigte er Skizzen an, beschrieb Raich den Maler. Rund 300 Werke von Compton zählt das ÖAV-Archiv, eine Ausstellung von Gemälden sei für 2022 in der Niederösterreichischen Landesgalerie geplant, sagte Raich. Ziel des Archivs sei es natürlich, die Kulturgeschichte des Alpinismus der Bevölkerung zugänglich zu machen, daher sei der Verein „immer auf der Suche nach Räumlichkeiten“.

„Geschichte fortschreiben“
Der Verein möchte seine Sammlung auch stets erweitern, um die Geschichte fortschreiben zu können. Diese geschehe durch „viele Schenkungen“, berichtete Raich. Oftmals sind es Nachkommen von Bergbegeisterten, die in Kellern auf Wertvolles stoßen und dies dem Alpenverein überlassen. So erzählte Raich von einem Nähetui, das die Frau eines Alpinisten aus Leinen genäht hatte und den Bergsteiger einfache Reparaturen unterwegs ermöglichte. Aber auch private Tourenbücher, Fotografien, Filme oder Hüttenpläne - wie etwa jener der „Payer-Hütte“ vom Alpenvereinspionier Johann Stüdl um 1874/1875 - machen die Geschichte der länderübergreifenden Bergwelten im „Historischen Archiv“ erlebbar.

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