Austria

Herr Bundeskanzler, wann fallen die ersten Sperren?

Sebastian Kurz im Interview – und eine entscheidende Frage: Gibt es nach Ostern erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen? "Heute.at"-Chefredakteur Clemens Oistric sprach mit dem Kanzler.

Sebastian Kurz ist auch an diesem Samstagmittag wieder in seinem Büro am Wiener Ballhausplatz. "Heute" erreicht den Kanzler telefonisch im Kreisky-Zimmer. Er blickt bei dem Gespräch von seinem Stehpult aus auf ein türkises Nitschbild, spricht über die aktuelle Corona-Lage im Land – und verrät, wann die Geschäfte wieder öffnen werden.

Das "Heute"-Wochenend-Interview mit dem Kanzler

"Heute": Herr Bundeskanzler, wie steht Österreich am Ende einer Woche da, an der etwa mit den Schutzmasken in Supermärkten neue, bisher nie dagewesene Schritte gesetzt wurden?

Sebastian Kurz: Wir sind froh, dass wir die richtigen Maßnahmen gesetzt haben, diese wirken und wir die Ausbreitung der Krankheit in Österreich unter Kontrolle gebracht haben. Wichtig ist, dass wir jetzt durchhalten, wir sind nämlich noch nicht übern Berg.

Die aktuellen Corona-Zahlen mit Zuwachsraten im einstelligen Prozentbereich machen Hoffnung. Sind Sie zufrieden?Wirklich zufrieden bin ich, wenn wir in einem Jahr zurückblicken und sagen können: Wir haben Leben gerettet, wir haben die Krankheit bekämpft und wir sind wirtschaftlich auch wieder gut aus dieser Krise herausgekommen.

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Kanzler: "Wir sind noch nicht übern Berg. Wir müssen über Ostern weiter durchhalten."

Das Stadtbild hat sich völlig verändert – die Menschen tragen nun beim Einkaufen Masken. Sie selbst auch, Herr Bundeskanzler?Ich handhabe das selbstverständlich genauso wie alle Österreicherinnen und Österreicher auch. Die Politiker stehen nicht über dem Gesetz, es gelten auch keine anderen Regeln. Auch, wenn das unangenehm ist, werden wir uns nach und nach mehr an das Abstandhalten und Tragen von Masken gewöhnen müssen. Zunächst einmal in den Supermärkten, in weiterer Folge aber auch in öffentlichen Verkehrsmitteln und überall dort, wo man mit Menschen in Kontakt kommen kann.

Verstehen Sie, dass vielen Menschen das Tragen von Masken schwerfällt?Es ist ungewohnt, es ist fremd – aber es ist leider notwendig, um diese Krankheit zu besiegen. Und die Masken sind wichtig, wenn wir die gesetzten Maßnahmen schrittweise auch wieder lockern und Richtung Normalität zurückkehren wollen.

Das Wetter kommende Woche wird sehr schön, die Menschen werden nach draußen drängen. Wäre es nicht empfehlenswert, dass wir auch auf der Straße Maske tragen?Die Maske ist kein Ersatz für das Abstandhalten, das immer die Basis ist. Aber sie ist zusätzlich eine Chance, andere Menschen vor Ansteckung zu schützen. Verpflichtend ist sie derzeit in Supermärkten und wir werden es schrittweise auf andere Bereiche ausdehnen.

Welche könnten das sein?Wir werden am Sonntagabend in der Regierung die Lage beurteilen, Entscheidungen treffen und diese am Montag der Öffentlichkeit mitteilen.

Was halten Sie von dem Vorstoß, etwa die Wiener Ringstraße zum Flanieren zu öffnen?Das sind Entscheidungen, die in Wien getroffen werden müssen. Mir ist wichtig, dass Abstand gehalten wird, soziale Kontakte reduziert und die Maßnahmen mitgetragen werden. Ich bin den Österreicherinnen und Österreichern da wirklich sehr dankbar. Gerade zu Ostern wird das ganz besonders schwerfallen, aber es ist absolut notwendig, wenn wir unsere Freiheit wieder zurückerlangen wollen und jene Menschen schützen möchten, die uns am Herzen liegen. Das heißt für uns alle, dass wir in der Karwoche und über die Osterfeiertage weiter durchhalten müssen.

Kurz: "Es ist nicht meine Aufgabe, den Menschen das zu sagen, was sie gerne hören möchten."

Ein Satz von Ihnen ist diese Woche sehr vielen Menschen unter die Haut gegangen, nämlich: "Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist." Befürchten Sie das wirklich oder war das eine Warnung mit sehr drastischen Worten?Es sterben täglich Menschen an dieser Krankheit in Österreich. Und wie viele sterben, wird sehr stark davon abhängen, wie wir uns verhalten. Wir werden als Bundesregierung jedenfalls alles dafür tun, dass Menschen wegen Corona nicht ihr Leben verlieren. Wir müssen gemeinsam zusammenhalten, um zu verhindern, dass es in Österreich eine Situation wie in Spanien, Italien oder Frankreich gibt.

"Auch ich kenne jemanden, der wegen der Krankheit sein Leben verloren hat."

Ihre Aussage hat sehr viele traurig und nachdenklich gestimmt. Fällt es Ihnen als Bundeskanzler schwer, den Menschen solche Botschaften überbringen zu müssen?Es ist schwierig, natürlich. Aber es ist nicht meine Aufgabe, den Menschen das zu sagen, was sie gerne hören möchten, sondern das zu sagen, was die Wahrheit ist. Und in meinem Fall trifft es auch zu: Ich kenne schon Menschen, die an Corona erkrankt sind und auch schon jemanden, der wegen der Krankheit sein Leben verloren hat.

"Wenn wir zu schnell wieder öffnen, droht eine zweite Welle."

Die Maßnahmen scheinen zu greifen, sind aber eine nie dagewesene Einschränkung der Freiheit der Menschen. Wie geht es jetzt weiter – sind Lockerungen in Sicht, fallen erste Sperren?Die Regierung wird am Sonntag eine Entscheidung treffen, wie wir schrittweise Maßnahmen zurücknehmen können – mit Betonung auf schrittweise. Wenn wir zu schnell wieder öffnen, dann droht eine zweite Ausbreitungswelle und die kann noch gefährlicher sein als die erste. In Singapur ist genau das gerade der Fall.

Was wird zuerst wieder geöffnet werden?Der Handel. Aber auch das wird nur möglich sein, wenn wir weiter extrem diszipliniert sind und uns insbesondere auch in der Osterwoche alle ganz streng an die Maßnahmen halten. Das bedeutet: Familie und Freunde nicht treffen, um sie nicht in Gefahr zu bringen und sicherstellen, dass die Ausbreitung der Krankheit nicht voranschreitet.

Das heißt, wir verbringen Ostern in Isolation, um danach wieder einkaufen gehen zu dürfen?Nicht sofort, aber schrittweise wird das möglich sein, ja.

Öffnen die Schulen vor dem Sommer noch einmal?Ich möchte darüber noch nicht mutmaßen. Alles hängt sehr stark davon ab, wie sehr sich die Österreicherinnen und Österreicher an die Maßnahmen halten. Wir werden am Montag einen ersten Überblick über das schrittweise Hochfahren unseres Landes geben.

Besonders den Maturanten setzt die Unsicherheit sehr zu.Ich verstehe das. Wir werden uns bemühen, dass die Maturanten auch in dieser schwierigen Zeit ihre Matura erfolgreich machen können. Es ist aber für alle Österreicher eine extrem herausfordernde Zeit. Ganz gleich, ob das Jugendliche sind, die vor der Matura stehen, ob es Familien sind, die auf sehr engem Raum leben und das fast nicht mehr aushalten oder Menschen, die alleine leben und sich jetzt einfach furchtbar einsam fühlen in einer Zeit, wo es keine Chance auf soziale Kontakte gibt.

Wird es noch vor dem Sommer eine Matura geben?Das ist unser Ziel.

Sollte die Tracking-App des Roten Kreuzes verpflichtend für Menschen werden, deren häusliche Isolation gelockert wird?

Die Rot-Kreuz-App ist eine gute Basis, es wird gerade auf Hochtouren an technischen Verbesserungen gearbeitet. Ich danke allen Experten, die da mitarbeiten. Professionelles Tracking ist sicherlich eine wichtige Basis, damit wir schrittweise wieder zur Normalität zurückkehren und Menschen auch per SMS gewarnt werden können, wenn sie mit Leuten Kontakt hatten, die infiziert sind und sie potenziell gefährdet sind. Aber es gibt auch 2 Millionen Menschen, die kein Smartphone haben.

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