Austria

Herbst-Lockdown: Weniger Sex, mehr Konflikte

"Ab November ist es ganz klar zu Entsolidarisierung und Polarisierung in der Gesellschaft gekommen. Auch sexuelles Begehren und Berührungen nahmen ab", sagt Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin an der Sigmund-Freud-Privatuniversität, die die psychosozialen Auswirkungen der Coronakrise untersucht.

Als auffälligsten Unterschied zwischen den beiden Lockdown-Phasen erkannte sie die Distanzierung von Freundschaften. "Im Herbst haben fast 70 Prozent der Befragten gesagt, dass sie seltener Kontakt mit Freunden und Freundinnen hatten." Gerade bei Personen, die nicht in einer Partnerschaft sind, habe sich gezeigt, dass die sozialen Unterstützungsnetzwerke in vielen Fällen nicht mehr so tragfähig waren wie noch im Frühjahr.

Familienplanung auf Eis gelegt

Was intime Beziehungen betrifft, so hat sich im Vergleich zur ersten Befragung im April 2020 bei fast einem Drittel das sexuelle Begehren reduziert. Ein Fünftel der Befragten hat zudem pandemiebedingt die Familienplanung auf Eis gelegt, besagt die Onlinebefragung "Intimität, Sexualität und Solidarität in der Covid-19-Pandemie", für die 2569 Personen in Österreich und Deutschland befragt wurden.

Als starker Konfliktherd quer durch die Bevölkerungsgruppen, Freundeskreise und Familien entpuppten sich im zweiten Lockdown Meinungsverschiedenheiten über die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Über Stigmatisierungen berichteten dabei sowohl Menschen, die die Regeltreue ihres sozialen Umfeldes für übertrieben hielten, als auch solche, die sich von "Coronaleugnern" bedroht fühlten und diese in der Folge mieden.

Überproportional von der Pandemiesituation betroffen waren Frauen, die sich – beruflich wie familiär – in der Pandemie überfordert fühlten und häufiger sehr erschöpft waren.

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