Austria

Heimat des Kinderhelden: Bambi ist ein Wiener

© WALT DISNEY / Mary Evans / picturedesk.com

Die Geschichte des kleinen Hirsches prägte Generationen. Was viele nicht wissen: Sie wurde von dem österreichischen Autor und Journalisten Felix Salten verfasst

Bambis staksige Schritte durch den Wald, seine Freundschaft mit Klopfer und Blume – der Disney-Klassiker aus 1942 fehlt auch heute in keinem Kinderzimmer.

Doch eigentlich ist Bambi kein Weißwedelhirsch, sondern ein Rehbock und sein Freund heißt nicht Klopfer sondern „Herr Hase“. Und Bambi ist auch keine Disney-Figur, sondern das Produkt des Wiener Autors Felix Salten. Ursprünglich könnte Bambi durch die Wälder in Unterach am Attersee gestreunt sein.

Zumindest dort soll Salten in den Sommerferien die Idee zu seinem 1923 erschienenen Roman „Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde“ gekommen sein, wie Autor Dietmar Grieser recherchiert hat.

Geschrieben hat Salten das Buch dann in seinem Haus in Währing.

Doch wie konnte aus der Wiener Reh-Geschichte einer der berühmtesten Disney-Filme werden? „Wenn Sie heute jemanden nach Bambi fragen, sagen alle ‚ja, ist von Disney‘“, sagt Grieser. „Salten ist diesbezüglich ziemlich vergessen.“

Die Ohrfeige

Salten wurde 1869 im ungarischen Pest als Siegmund Salzmann geboren. Die Familie zog nach Wien und Salten schlug eine Karriere als Autor und Feuilletonist ein.

Ab 1890 gesellte er sich im Café Griensteidl zu den Vertretern von Jung Wien, schloss etwa Freundschaft mit Arthur Schnitzler. Um die Jahrhundertwende machte sich Salten mit seinen Berichten über Hofskandale einen Namen.

Nur kurz zuvor hatte sich der junge Journalist mit seinem Freund Karl Kraus überworfen. 1894 kam es zum Eklat: Weil Kraus Saltens Beziehung mit seiner späteren Frau Ottilie Metzl öffentlich machte, „ist Salten ins Café Griensteidl gegangen, hat sich Kraus gelangt und ihm zwei runtergehauen“, erzählt Marcel Atze von der Wienbibliothek.

Für eine Ausstellung, die im Oktober für Salten ausgerichtet wird (siehe rechts), hat er sich mit dem Autor beschäftigt und den 25 Archivboxen umfassenden Nachlass des Autors gesichtet, den die Wienbibliothek erwerben konnte.

Würdigung
Anlässlich des 75. Todestages Saltens widmet die Wienbibliothek in Kooperation mit dem Wien Museum  dem Journalisten, Kulturkritiker, Theatergründer und  umstrittenen Literaturfunktionär eine Ausstellung sowie ein 480 Seiten starke Biografie

Termine
Die Ausstellung „Im Schatten von Bambi“ läuft von
15. Oktober 2020 bis 25. April 2021 im Wien Museum MUSA sowie im Ausstellungskabinett der Wienbibliothek

Ab diesen Zeitpunkt waren sie Feinde, Salten und Kraus. Letzterer diskreditierte Salten regelmäßig. „In der Fackel (Kraus’ satirische Zeitschrift) ist Salten 620-mal erwähnt, kein einziges Mal positiv“, sagt Atze. Er brachte ihn auch als Autor des pornografischen Romans „Josefine Mutzenbacher“ ins Spiel.

Das konnte jedoch nie bestätigt werden. 1939 emigrierte Salten, der Jude war, in die Schweiz – nach einer 50-jährigen Karriere als Journalist. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1945.

Jäger und Tierschützer

Salten ist nicht unumstritten, politisch galt er als Opportunist. Erst Verfechter des Ersten Weltkriegs, half er dann Flüchtlingskindern. Er war Jäger mit einem Revier bei Stockerau, aber gleichzeitig Tierfreund, der sich gegen Schlachthöfe engagierte. Viele seiner Bücher sind Tiergeschichten.

Mit den Arbeiten an „Bambi“ begann Salten 1921. Am 6. November  hielt Arthur Schnitzler in seinem Tagebuch fest: „Die Novelle, an der er jetzt arbeitet: Held ein Rehbock“

Als das Buch zum Weihnachtsgeschäft 1922 im Ullstein Verlag in Berlin erschien, war es ein „brutaler Misserfolg“, wie Atze erzählt. Nachdem Salten die Rechte zurückgefordert hatte, wechselte er zum Zsolnay Verlag. „Dort wurde die Geschichte dann ein großer Erfolg“, sagt Atze. Ab 1926 avancierte das Buch zum Bestseller – bis es von den Nazis verboten wurde.

Vom Flop zum Welthit

Doch auch international hatte Bambi viele Fans. So kam es, dass Salten, die Rechte an der Geschichte an Sidney A. Franklin, Regisseur vom Hollywoodstudio MGM verkaufte – um 1.000 Dollar. Aus heutiger Sicht viel zu wenig. 1935 verkaufte MGM die Rechte an Disney, auch hier wurde Salten nur gering beteiligt. 1942 erschien schließlich Disneys „Bambi“ und wurde zum Welterfolg.

Ein Rechtsstreit blieb erfolglos. Wobei: Disney richtete am 13. November 1942 für Salten im Exil eine Aufführung aus. Über die hielt der Autor fest: „9 Rex Kino: Disneys Bambi / sehr schön! / Ich werde beim Kommen u. am Schluss applaudiert / Otti hätte das erleben sollen“.

Seine Frau war kurz zuvor verstorben, Salten selbst überlebte den Disney-Erfolg nur drei Jahre.

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