Austria

Harte Debatte zum Brücken-Chaos

Zu einem Match zwischen Vizebürgermeister Markus Hein (FPÖ) und Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) auf der einen Seite sowie Vizebürgermeister Bernhard Baier und Markus Hajart (beide ÖVP) geriet gestern die Debatte im Linzer Gemeinderat über die Kostensteigerung beim Bau der Eisenbahnbrücken-Ersatzbrücke.

Vizebürgermeister Hein erläuterte, was zur Kostensteigerung führte. Wie von den OÖNachrichten berichtet, gab es bei der Planung Mängel, die zu einer Verkürzung der Lebensdauer der neuen Brücke von 100 auf 50 Jahre geführt hätten.

Umplanung und zusätzlicher Materialaufwand haben die Kosten von ursprünglich 71,3 Millionen auf 82 Millionen Euro getrieben (beide Werte ohne Indexsteigerung und Mehrwertsteuer). Zudem wird die Brücke erst im Herbst 2021 fertig, ein Jahr später. Folge: Die großen Staus in Linz halten länger an.

Hein erklärte seine Sicht der Kostensteigerung: Rechnet man die Indexierung dazu, würde die Brücke heute 76,7 und nicht wie ursprünglich angegeben 71,3 Millionen kosten. Hein beziffert die Kostensteigerung mit 5,3 Millionen Euro. Anders die Vertreter der ÖVP: "Die Steigerung von 71,3 auf 82 Millionen Euro ergibt eine Erhöhung um 10,7 Millionen Euro. Denn in beiden Preisangaben sind Indexierung und Mehrwertsteuer nicht eingerechnet", sagt VP-Fraktionschef Martin Hajart.

Bürgermeister Luger zählte die Ursachen der Zeitverzögerung auf: "Landeshauptmann-Stellvertreter Hiesl war jahrelang dagegen, dass das Land mitzahlt, ehe Landeshauptmann Pühringer eine Teilfinanzierung zusagte. Die jetzige Zeitverzögerung geht auf Fehler des Statikbüros und des Architekten zurück." Auch die ÖVP habe Verzögerungen verursacht.

Mehr als fünf Jahre keine Brücke

Vizebürgermeister Baier: "Ja, die ÖVP hat eine Volksbefragung gefordert, aber ebenso Vertreter der FPÖ und der Neos. Doch Luger hat die Befragung zunächst für unzulässig erklärt." Das habe eine sechsmonatige Verzögerung verursacht. Noch im Februar 2016 seien 120 Tonnen schwere Lokomotiven über die Eisenbahnbrücke gefahren. Doch am 27. Februar 2016 wurde die Brücke gesperrt, da sie einsturzgefährdet gewesen sei. Somit dauere es fünf Jahre und drei Monate, ehe die neue Brücke befahrbar sei. "Aber schuld sind immer die anderen", kritisierte Baier vor allem die Wortmeldung von Bürgermeister Luger.

Schließlich stimmten SPÖ, FPÖ und auch ÖVP zu, dass die Stadt, wenn nötig, für die Kostenerhöhung aufkomme. Zuletzt stimmten alle sechs Gemeinderatsparteien dafür, dass das Kontrollamt die Brücken-Angelegenheit prüft.