Austria

Grillkohle aus Österreich: Peter Wieser ist einer der letzten Köhler

© Kurier/Juerg Christandl

Die Kunst, mit den Flammen zu flüstern, beherrschen nur noch 15 Männer in Österreich.

von Anita Kattinger, Jürg Christandl

Auf den ersten Blick wirkt das weiße Bauernhaus mit den Blumen auf den Fensterbänken zwischen Waldrand und Bundesstraße recht unscheinbar. Erst wenn man aus dem Auto steigt, strömen würzig-warme Holznoten in die Nase.

Und man denkt sich, wie kann das sein? Die Luft in Rohr im Gebirge inmitten der Gutensteiner Alpen in Niederösterreich ist geschwängert mit den Rauchschwaden, die aus Langmeilern aufsteigen – hier existieren vier der letzten Köhlereien Österreichs.

2011 wurde die Köhlerei als "immaterielles Kulturerbe" in Österreich von der Unesco anerkannt. Noch 15 Männer üben den aussterbenden Beruf hierzulande aus. Peter Wieser ist einer davon: Mit seiner Ehefrau Gertrud betreibt er einen 13 Meter langen und drei Meter breiten Meiler. Die Zeit reicht für das Aufbauen und Betreiben von vier Meilern im Jahr.

Kontrollierter Brand: Urlaub war schon lange nicht mehr drin

Auf Urlaub fahren die Landwirte nicht: "Man denkt Tag und Nacht an den Meiler." Zu groß ist die Angst, dass er abbrennen könnte, wenn Tochter und Sohn Warnsignale übersehen. "Im Grunde handelt es sich um einen kontrollierten Schwelenbrand."

Stundenlang könnten Gertrud und Peter Wieser, der das Handwerk von seinem Großvater und Vater erlernt hat, über die Geheimnisse des Feuers sprechen. Zwischen drei und fünf Wochen dauert es, bis 100 Raummeter Holz langsam verkohlen.

"Die Kunst liegt darin, gezielt Luft zuzuführen, um den Brand zu steuern. Jeder Meiler ist anders."

Ein Jahr lang muss das Holz trocken gelagert werden, bevor es angezündet werden darf. Frisches Holz wäre zu feucht. So komisch, es klingt, aber Wasser besteht auch aus Sauerstoff und dieser würde das Feuer zu sehr anfachen.

"Das Holz muss so eng wie möglich in einem ansteigenden, rechteckigen Haufen eingeschlichtet werden, es darf nur wenig Luft zirkulieren. Darüber kommt ein Teppich Fichtenreisig", erklärt Gertrud Wieser.

Im Gegensatz zu den Händen ihres Mannes, wirken ihre fast sauber, während sie von der Geschichte der Zunft erzählt. "Früher waren Köhler die Ärmsten der Armen, die im Wald neben den Meilern geschlafen haben und von einem Auftraggeber zum nächsten gewandert sind. Mit der Eisenbahn ist die Steinkohle gekommen und die Holzkohle verschwunden."

Holz und Waldstück gehörten anderen, sie kamen nur für die Produktion von Kohle, die man für Porzellanfabriken, Wäschereien, Bügeleisen etc. brauchte.

Nebenerwerb: Man findet Peter Wieser über Mundpropaganda

Hauptberuflich übt heute niemand den Beruf aus, das Beaufsichtigen des 500 Grad heißen Feuers lohnt sich nur im Nebenerwerb. "Weil die Menschen mehr zu Hause sind und mehr grillen, können wir den Wegfall von Feuerwehrfesten ausgleichen."

Werbung schaltet das Ehepaar keine – es genügen Mundpropaganda und Homepage. Das Besondere an der Grillkohle made in Austria: "Je langsamer verkohlt wird, desto höher die Qualität. Bei uns ist kein Staub im Sack. Wir suchen jedes Stück per Hand aus: Es sind große Stücke, die lang glühen."

Wiesers Blick beginnt zu glänzen, als er die großen Kohlestücke mit den Jahresringen und dem silbernen Schimmer präsentiert. Lust zu grillen, bekommt er keine: "Haben wir nie gemacht, auch heute nicht. Man hat genug vom Schwarzen und von der Hitze."

Holzkohle
wird durch Erhitzen von Holz unter Luftabschluss hergestellt. Sie ist ein fester Brennstoff, bestehend aus 80 bis 90% Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Asche. Weil sie leicht zu entzünden ist und ohne Rauch verbrennt, eignet sie sich zum Grillen.

500 Säcke Grillkohle
gibt ein Meiler her. Nicht jede Holzart eignet sich gleich gut zum Verkohlen.

Konkurrenz
Heutzutage wird Holzkohle industriell hergestellt – das Holz hat kein Feuer gesehen. Dieses wird nur im Ofen von außen erhitzt.

2011
wurde die Köhlerei als „immaterielles Kulturerbe“ von der Unesco anerkannt. Der Bau von Langmeilern ist ein österreichisches Spezifikum. Wahrscheinlich kommt die Bauweise aus Skandinavien. Meiler können auch rund sein bzw. lässt sich Kohle auch in Gruben herstellen.

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