Austria

Gemischte Gefühle zu Salzburger Festspielen

Stimmungsbild

Lohnt sich die Beharrlichkeit der Festspiele? Wie sehen Salzburger und Touristen die Entscheidung, heuer ein Festival durchzuziehen? Das Stimmungsbild in der Hofstallgasse ist ein buntes: Es gibt die Skeptiker, auch Befürworter und leisere Aufbauarbeiten als sonst.

Als Tanz auf sehr dünnem Eis bezeichnete Intendant Markus Hinterhäuser das Ringen um ein Jubiläums-Festival. Mit der ersten Corona-Erkrankung im Team ist wohl noch ein Stück der feinen Schicht weggebrochen. Der Fall zieht auch seine Kreis in die Stadt: Die Frau soll am Montag noch im Lokal „Burgerista“ gegessen haben.

Doch die Festspiele bleiben ruhig. Man könne in der selben Sekunde reagieren, so die Präsidentin. Das Direktorium spricht von einer besonderen Stimmung unter den Mitwirkenden. „Man erlebt es als Privileg, auch jetzt Kunst machen zu können.“ Künstler und Mitarbeiter würden ein hohes Maß an Eigenverantwortung beweisen und Symptome sofort melden.

Doch wie viel Sicherheit lässt sich in dem Kultur-Betrieb mit einer Bruttowertschöpfung von 183 Millionen Euro überhaupt garantieren? „Man hätte es absagen sollen“, meint eine Gruppe Urlauber und geht eilig am Haus für Mozart vorbei. Im Hintergrund laufen noch Bauarbeiten auf der Terrasse. Deutsche Gäste reagieren fast verwundert, dass in der Mozartstadt trotz Corona schon ein geschäftiges Treiben möglich ist. Vorsichtig schauen Neugierige in die Felsenreitschule und überzeugen sich davon, dass hier Maske bei den Arbeiten absolut Pflicht ist.

Ähnlich ist das Bild am Domplatz: An der Jedermann-Tribüne wird noch geschraubt und gehämmert. Ein leerer Domplatz wäre für die Salzburger im Sommer wohl kaum vorstellbar. Corona nimmt unter den Technikern jeder Ernst.

Geschäftsinhaber im Festspielbezirk sind froh. Und ein Salzburger, der gerade sein Rad vorbei schiebt, meint: „Eine Absage hätte noch mehr Existenzen zerstört.“

Das Festival reduzierte das Kartenkontingent wegen Corona von 242.373 auf 76.698 Tickets. Der Verkauf sorgt für Ärger. Das Kartenbüro scheint teilweise überfordert. Um mehr Menschen am Jubiläum teilhaben zu lassen, werden heuer Livestreams in Kinos übertragen. Und: Das Festival weitet das Public Viewing vom Kapitelplatz aus. Es soll auch auf der Pernerinsel in Hallein eine Leinwand geben. Fix ist zudem Public Viewing am Wiener Rathausplatz. Gespräche mit Innsbruck laufen.

Sabine Salzmann

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