Austria

Für Experten „sinnvoll“ bei einer Folgestrategie

Man müsse sich vor Augen halten, dass man sich einen neuen „Shutdown“ wie momentan „nicht mehr leisten“ könne, sagte die Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinischen Universität Wien, Ursula Wiedermann-Schmidt, vor Journalisten. Mit den nun verfügbaren „hochwertigen Tests“ gelange man in 15 bis 30 Minuten zu einem Ergebnis.

Vorausgesetzt die Bevölkerung mache in ausreichendem Ausmaß bei den Testungen mit, ließen sich damit Infektionsketten unterbrechen und die gefürchteten asymptomatischen Virusträger mit hoher Virenlast und kaum Symptomen effektiv herausfiltern. Der Zeitpunkt nach dem Lockdown sei „ideal“, eine Wiederholung vor oder nach Weihnachten wäre sinnvoll.

Situation mache Massentests „dringend notwendig“
Angesichts der „dramatischen Situation“ in Österreich sei auch das Setzen auf derartige Massentestungen „dringend notwendig“. Sind durch den Lockdown und diese Maßnahme dann die Fallzahlen geringer, dürfe man sich aber „nicht zurücklehnen“, betonten Wiedermann-Schmidt und ihre Forscherkollegen. Später sollte man auch in Betrieben, Schulen oder Alters- und Pflegeheimen und noch verstärkt in Krankenhäusern auf Antigen-Schnelltests setzen.

Für Oswald Wagner, Leiter des klinischen Instituts für Labormedizin am AKH Wien, sind die nun anstehenden Massentests sogar die einzige Chance, um einer Verlängerung des Lockdowns entgegenzuwirken. Würden diese am besten noch vor Weihnachten und vielleicht regional wiederholt, ersetze das auch die Kontaktnachverfolgung zum Teil. Sind die Fälle dann deutlich niedriger, müsse auch das Contact Tracing so aufgesetzt sein, da dies hierzulande „nie so richtig funktioniert hat“, so der Experte. Die österreichische Strategie des „Lebens mit dem Virus“ und dessen Kontrolle seien „vollkommen gescheitert“, so Wagner. Nun müsse man eben nach dem Massentest als zusätzliches Mittel zur Eindämmung greifen. 

Durch die Tests lässt sich Zeit gewinnen
Durch einen Massentest lasse sich vor allem Zeit gewinnen, betonte der Komplexitätsforscher Stefan Thurner vom Complexity Science Hub Vienna (CSH). Am besten wären solche Tests in sehr kurzen zeitlichen Abständen von wenigen Tagen - was natürlich bei der angestrebten Breite unrealistisch sei. Unter der Annahme einer Dunkelziffer in Österreich von zwei bis vier Prozent könnten rund 90.000 Menschen gefunden werden, die potenziell als Superspreader fungieren, wenn rund zwei Drittel der Bevölkerung mitmachen. Auch wenn die Antigen-Schnelltests für Thurner „nicht perfekt sind“, glauben die Experten nicht daran, dass sehr viele Leute fälschlich in zehntägige Quarantäne geschickt würden.

Wagner betonte, dass bei positiven Ergebnissen etwa mittels PCR-Verfahren nachgetestet werde. Stellt sich das erste Ergebnis als falsch positiv heraus, sollten das Betroffene innerhalb weniger Tage erfahren. Die Schnelltests selbst entpuppten sich bisher allerdings als „von erstaunlich guter Qualität, wenn man die Richtigen aussucht“. Das lasse sich auch auf Basis der Erfahrungen aus Südtirol bestätigen, wo erst kürzlich ein großer Massentest mit mehr als 360.000 Teilnehmern durchgeführt wurde.

Wagner hofft, dass man in Österreich nach Lockdown und Massentests auch mit dem Contact-Tracing wieder nachkommt. Dass es eine sinnvolle Folgestrategie geben wird, sei seine starke Hoffnung, weil nun vermutlich auch in der Politik jeder verstanden habe, dass es mit der bisherigen Vorgehensweise nicht gehe. Daran, dass in Österreich ein großer Teil der Bevölkerung auch bei wiederkehrenden Tests mitmachen wird, glaubt der Mediziner: „Das wird auch in Österreich klappen.“

Simulationsexperte: Massentests „ein Puzzlestein“
Massentests können dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken, „aber sie sind nur ein Puzzlestein“ - Niki Popper, Simulationsforscher an der TU Wien, hat im JKU-Corona-Update dafür plädiert, sich an den Tests zu beteiligen, aber „die Kirche im Dorf zu lassen“. Man müsse so realistisch sein und einsehen, dass man bis in den Frühling mit gewissen Reduktionen und Maßnahmen werde leben müssen. Man dürfe sich von den Massentests keine Wunder erwarten und schon gar nicht, dass man sich ein nachhaltiges Behandeln von Patienten und das Contact Tracing der Kontaktpersonen spart, so Popper

Um abschätzen zu können, wie der harte Lockdown gewirkt hat, müsse man diese Woche noch abwarten, so Popper, dann könne man darüber diskutieren, wie es weitergehe. Was die Frage eines möglichen dritten Lockdowns angehe, so müsse man im Vorfeld festlegen „ab wann wir bereit sind, den dritten Lockdown in Kauf zu nehmen“ und „was machen wir, damit wir nicht so weit kommen“. Wenn man 5000 bis 8000 Neuinfektionen am Tag habe, komme man binnen zwei Wochen zwangsläufig wieder an die Grenze der Intensivkapazitäten.

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