Austria

Fünf Jahre Haft für Peter Seisenbacher

Der Missbrauchsprozess gegen den ehemaligen Weltklasse-Judoka, der zwei unmündige Mädchen schwer sexuell missbraucht haben soll, ist am Montag mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen.

Der zweifache Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher (59) ist am Montag in Wien wegen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses schuldig gesprochen worden. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Seisenbacher zeigte bei der Urteilsverkündung keine emotionale Reaktion. Einige seiner Anhänger aus Judo-Kreisen wirkten entsetzt. Der vorsitzende Richter Christoph Bauer meinte zu Beginn seiner Urteilsbegründung, sämtliche Belastungszeuginnen hätten einen "außerordentlich glaubwürdigen" Eindruck gemacht: "Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass die drei lügen, dass die drei sich geirrt haben, dass die drei gegen sich verschworen haben."

Zuvor wurde der Prozess am zweiten Verhandlungstag mit der Einvernahme von Zeugen fortgesetzt. Geladen war unter anderem eine Frau, die als 16-Jährige vom Angeklagten auf einem Judo-Sommerlager im August 2001 bedrängt worden sein soll. Sie konnte Seisenbacher ihren bisherigen Angaben zufolge abwehren.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen wurden bereits die beiden Hauptbelastungszeuginnen, die Seisenbacher sexuell missbraucht haben soll.

>>> Worum es im Fall Seisenbacher geht [premium]

Der 59-Jährige bekannte sich zu sämtlichen Vorwürfen nicht schuldig. Er hatte sich beim Verhandlungsauftakt vor einer Woche als Opfer einer Verschwörung bezeichnet. 

Auch am Montag blieb Seisenbacher dabei: Er vermute eine Absprache zwischen den drei Belastungszeuginnen. Außerdem gab er bezüglich des ersten mutmaßlichen Opfers an, dieses habe ihn ursprünglich um Hilfe gebeten. Es sei dabei um den Verbleib an einer bestimmten Sportuni in Japan gegangen. Weil er der damaligen Judoschülerin nicht habe helfen können, sei diese verstimmt gewesen.

Der Richter daraufhin direkt: „Weil Sie ihr nicht helfen, zeigt sie Sie wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen an?“ - Seisenbacher: „Das ist sicher ein Teilaspekt."

Auf die Richterfrage, warum er denn dann auch von einer zweiten ehemaligen Judoschülerin belastet werde, sagte der 59-Jährige: „Ich habe schon gesagt, dass ich nicht auf alles eine Antwort habe."

Anklägerin für "unbedingte Freiheitsstrafe"

"Die Beweislage reicht aus, um den Angeklagten im Sinn der Anklage schuldig zu sprechen", sagte Staatsanwältin Ursula Schrall-Kropiunig in ihrem Schlusswort. Den vom Angeklagten behaupteten "Promi-Malus" gebe es nicht: "Für ihn gelten die gleichen Regeln wie für alle anderen."

Daher wäre in diesem Fall die für schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen gesetzlich vorgesehene Höchststrafe von zehn Jahren "nicht vertretbar", hielt die Staatsanwältin fest. Seisenbacher sei bisher unbescholten und habe dem Ermittlungsstand zufolge seit über 15 Jahren auch keine strafbaren Handlungen gesetzt. Allerdings habe dieser zwei unmündige Mädchen missbraucht, eines davon über mehrere Jahre. Schrall-Kropiunig sprach sich daher für eine "naturgemäß unbedingte Freiheitsstrafe" aus, was eine Haftstrafe von mehr als drei Jahren voraussetzen würde. Nur in diesem Fall wäre eine gänzliche oder teilweise bedingte Strafnachsicht gesetzlich ausgeschlossen.

Verteidiger: „Nicht der Mephisto"

Verteidiger Bernhard Lehofer verlangte dagegen einen Freispruch. Seisenbacher sei nicht "der böse Narzisst, der Mephisto". "Ich und viele, viele andere Leute sind von seiner Unschuld überzeugt", betonte Lehofer. Er zählte "Risikofaktoren" auf, die er den Belastungszeuginnen unterstellte. Diese könnten aus Eifersucht, aufgrund schwerer Enttäuschungen oder psychischer Probleme die Unwahrheit gesagt haben, mutmaßte der Anwalt: "Ihre Angaben sind nicht derart valide, dass man einen unbescholtenen Mann verurteilten könnte." Demgegenüber ortete Lehofer "ausreichend Argumente, um den Ausführungen des Herrn Seisenbacher Glauben zu schenken."

Seisenbacher selbst verzichtete auf ein Schlusswort und verwies auf Lehofers Feststellungen. Kurz vor 15.30 Uhr zog sich der Senat zur Beratung über die Schuld- und Straffrage zurück, um etwa eine hlabe Stunde später mit dem Urteil zurückzukommen.