Austria

Fisch als Chance für junge Bauern

Fischzucht gilt in der Agrarschmiede in Hohenlehen als Unterrichtsfach

© LFS Hohenlehen

Forellen, Saiblinge und Alpenlachs könnten für Landwirte willkommene Zusatzeinkommen bringen

von Wolfgang Atzenhofer

Weil in Österreich noch immer 95 Prozent des verzehrten Fisches aus dem Ausland kommt, wird in Niederösterreich jungen Landwirten die Fischzucht als Nischenproduktion schmackhaft gemacht. In der Landwirtschaftlichen Fachschule (LFS) Hohenlehen im Ybbstal wurde eine Bio-Fischzuchtanlage in Betrieb genommen. Hier sollen den Schülern die Grundkenntnisse in der Fischzucht und der Verarbeitung vermittelt werden.

Dass die Schüler derzeit gerade wegen der Corona-Maßnahmen sensationelle Geschehnisse in der modernen Zuchtanlage verpassen, ist ein großer Wermutstropfen für das Projekt. Zigtausende frisch geschlüpfte Mini-Forellen und -Saiblinge flitzen derzeit durch das glasklare Quellwasser in den Becken. Die ersten Zuchterfolge in der im Herbst eröffneten Schulanlage haben im Moment leider wenige Beobachter.

„Statt den Schülern kümmern sich jetzt eben nur die Lehrer um die Fische “, sagt Helga Blaimauer, eine der involvierten Fachlehrerinnen. Doch es herrsche viel Freude und Optimismus. Außerdem dauere es ohnehin rund zwei Jahre bis die Speisefische abgefischt und in der Schulküche zubereitet werden können. Bis dahin könnten aus so manchen Schülern emsige „Petri-Jünger“ werden.

Ressourcen

„Wir können und wollen hier keine Zuchtprofis ausbilden. Aber es geht darum, die jungen Leute auf eine Chance aufmerksam zu machen. Viele von ihnen haben auf den Gehöften daheim auch die Möglichkeit Wasservorkommen eventuell für einen Fischteich zu nutzen“, erklärt Leo Klaffner, der Direktor der Fachschule, den Hintergrund für das Projekt. In der als „Bergbauernschule“ bekannten Bildungsstätte bleiben traditionelle Agrarthemen und vor allem Forst- und Hauswirtschaft bestimmend. „Doch wir glauben, dass wir bei manchen Schülern durchaus die Lust wecken könnten, in ihrem Betrieb eine neue Nische zu bewirtschaften“, sagt Klaffner. Den Schülern soll die Scheu vor der Fischproduktion genommen und Einstiegswissen vermittelt werden.

Wertschöpfung

Der Wille die Wertschöpfung auf Höfen in benachteiligten ländlichen Regionen zu stärken, war ein Grund für das Land Niederösterreich in dieses Ausbildungsprojekt zu investieren. „Es ermöglicht der heimischen Landwirtschaft eine zusätzliche Einkommensquelle zu erschließen, denn der Selbstversorgungsgrad mit Fischen liegt nur bei fünf Prozent“, erklärte die zuständige Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, ÖVP, bei der Eröffnung.

Die Nachfrage nach heimischen Fischen nehme kontinuierlich zu, weiters steigt auch der heimische Fischverbrauch stetig. Angesichts der aktuellen Ereignisse nehme auch das Bewusstsein für heimische und regionale Produkte zu, betont Schulchef Klaffner.

Tradition

In den Voralpen knüpft die Initiative der Agrarschule Hohenlehen jedenfalls an eine lange Tradition an. Stifte und Klöster, aber auch Bauern unterhielten in der Region beachtliche Teichwirtschaften.

Die Zuchtanlage in der LFS Hohenlehen ist jedenfalls nicht für kommerzielle Zwecke ausgelegt. Die neu gefasste Eigenquelle im Hohenlehner Schlossgraben versorgt insgesamt vier Becken mit 190 Kubikmeter Frischwasser. Damit ist die Anlage auf eine maximale Jahresproduktion von 2.000 Kilogramm ausgelegt. Der Besatz besteht aus Bach- und Regenbogenforellen, Saiblingen und Alpenlachs. Im alten Schlossteich halten die Hohenlehner dazu auch noch Störe. Das schon vorhandene Wissen um die Fischerei besserte die zuständige Lehrercrew in Bildungseinrichtungen für Fischereiwirtschaft in Mondsee und im von Wissenschaftern geführten Wasser-Cluster in Lunz am See auf.

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