Austria

Erstes konkretes Konzept: Bim-Linien bis Niederösterreich verlängern

© Wiener Linien / Helmer/Wiener Linien/Manfred Helmer

Drei Linien könnten künftig ins Wiener Umland führen, sagt SPÖ-Stadträtin Ulli Sima. Und zwar bis nach Schwechat, Groß-Enzersdorf und Perchtoldsdorf. Die Forderung: Niederösterreich soll mitzahlen

von Christoph Schwarz, Stefanie Rachbauer, Martin Gebhart

Manch einer wird sich noch an sie erinnern: die legendäre Bim-Linie 260/360, die – einspurig mit Ausweichen – von Wien über Perchtoldsdorf bis nach Mödling führte. Im Jahr 1967 wurde die Linie eingestellt, Teile der Schienen sind bis heute als Relikte erhalten.

Bald schon könnte die Linie – dann unter neuem Namen – wieder fahren.

Die Stadt plant gleich drei neue Straßenbahn-Verbindungen nach Niederösterreich. Linien, die derzeit knapp an der Stadtgrenze enden, sollen weitergeführt werden, kündigt die zuständige SPÖ-Stadträtin Ulli Sima an. Dem KURIER liegt das Konzept exklusiv vor.

Pendlerströme lenken

Für Stadträtin Ulli Sima sind alle drei Projekte ein zentraler Ansatz, „den Pendlerverkehr noch umweltfreundlicher zu gestalten und so zum Klimaschutz beizutragen“.

Tatsächlich sind die Pendler aus dem niederösterreichischen Umland für einen beträchtlichen Teil des städtischen Verkehrs verantwortlich: An jedem Wochentag pendeln laut Stadt Wien bis zu 260.000 Menschen nach Wien ein.

Und während mehr als zwei Drittel der Wiener ihre Wege mit den Öffis, zu Fuß oder auf dem Rad zurücklegen (und ein Drittel das Auto nimmt), sei es bei den Pendlern genau umgekehrt, sagt Sima. Zwei Drittel kämen mit dem Auto, ein Drittel komme öffentlich. „Das muss sich ändern.“

S-Bahn „ertüchtigen“

Sima schwebt eine Art „Doppelstrategie“ vor – bestehend aus dem Straßenbahn-Ausbau einerseits und einer Aufwertung der S-Bahn (die von den ÖBB betrieben wird) andererseits. „Die S-Bahn muss ertüchtigt werden“, sagt Sima. Es brauche neuere Garnituren und kürzere Intervalle zwischen den Zügen.

Tatsächlich ist die Frage, wie der Pendlerverkehr nach Wien noch umweltfreundlicher organisiert werden kann, seit Längerem ein Streitpunkt zwischen Wien und Niederösterreich.

Im Wiener Umland gibt es schon lange die Bestrebungen, ans Öffi-Netz angeschlossen zu werden. Vor zwei Jahren träumten Städte wie Klosterneuburg, Purkersdorf, Perchtoldsdorf oder auch Mödling davon, eigene U-Bahn-Stationen zu erhalten.

Im Jahr 2018 ließ eine Studie über die Kosten einer derartigen Ausweitung den Traum platzen. Seither wird vor allem über den Ausbau der S-Bahn diskutiert.

Es geht – wie so oft – um die Finanzierung. Auch beim Straßenbahn-Projekt sieht Sima „das Land Niederösterreich, aber auch den Bund gefordert“. Von dem Ausbau profitiere vor allem auch Niederösterreich mit seinen Pendlern: Da sei es klar, dass das Land seinen finanziellen Beitrag zu leisten habe. „Das kostet viel und Wien kann das sicher nicht zahlen“, so Sima.

Die genauen Kosten sind noch unklar – auszugehen ist nach der ersten Grobplanung von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Sima will rasch bei der grünen Verkehrsministerin Leonore Gewessler vorstellig werden. Das Projekt solle kräftig durch die Regionalverkehrsmilliarde mitfinanziert werden, die die türkis-grüne Bundesregierung kürzlich in Aussicht gestellt hat.

Klimamusterstadt

Der Straßenbahn-Ausbau ist Teil des roten Klimapakets, das Sima Anfang des Jahres gemeinsam mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) vorgestellt hat. Es umfasst 50 Projekte, die Wien zur „Klimamusterstadt“ machen sollen.

Das bedeutet: Wien soll langfristig CO2-neutral werden. Einer der wichtigsten Hebel dazu ist der Verkehr. Bis 2030, so das Ziel, soll der Anteil der Pkw-Pendler nach Wien halbiert sein. Zusätzlich zum Öffi-Ausbau setzt man unter anderem auf E-Autos: Rund 2.000 Ladestellen werden bis Ende 2020 für sie errichtet.

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