Austria

Erdoğan verliert an Anhängern – auch unter Austrotürken

© via REUTERS/MURAT CETINMUHURDAR/PPO

Die Wirtschaftskrise am Bosporus und seine umstrittene Politik lassen die Zustimmung zum türkischen Präsidenten sinken.

von Bernhard Ichner

„Erdoğan steht politisch und wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Daher sucht er händeringend nach Themen, mit denen er punkten kann“, analysiert Soziologe und Integrationsexperte Kenan Güngör die jüngsten Verbalinjurien des türkischen Präsidenten.

Wenn dieser infolge der israelischen Flagge auf dem Kanzleramt Österreich verfluche, stelle er sich einmal mehr als Schutzpatron der Muslime dar. Das bringe ihm eine Atempause.

Mehr aber auch nicht. Aus punktueller Zustimmung lasse sich nicht unbedingt ein Zustrom ableiten, meint Güngör. Denn Erdoğans Glanz verblasse infolge der Wirtschaftskrise am Bosporus zusehends. In der Türkei, aber auch unter Austrotürken.

28 Prozent Zustimmung

Umfragen zufolge liegt die AKP, die Partei des türkischen Präsidenten, aktuell nur mehr bei 28 Prozent Zustimmung. Und selbst von jenen, die Erdoğan wählen, glauben 70 Prozent nicht mehr an eine positive wirtschaftliche Zukunft. Etliche Entscheidungen wie etwa der Auszug aus der Istanbul-Konvention, Erdoğans Wirtschafts- wie Corona-Politik waren zuletzt selbst bei Kernwählern umstritten.

Diese „emotionale Distanzierung“ lasse auch in Österreich den Anteil der Erdoğan-Fans schrumpfen, sagt Güngör.

Messbar sei der Grad der Zustimmung hierzulande zwar nicht. Nachdem im Vorjahr noch etwa die Hälfte der Austrotürken als AKP-nahe einzustufen waren, dürften es mittlerweile aber eher „um die 40 Prozent“ sein.

Heterogene Gruppe

Die (Austro-)Türken gibt es ohnehin nicht. Die je nach Schätzung 250.000 bis 350.000 in Österreich lebenden Personen mit türkischem Migrationshintergrund sind keine homogene Gruppe.

Weltanschauung und politische Einstellung variieren. Je nach Herkunft aus ländlichen oder urbanen Gebieten unterscheiden sich die Milieus. Wobei ein Gutteil der Gastarbeiter, die in Österreich Fuß fassten, aus Zentralanatolien gekommen war. Der religiös-konservative Bevölkerungsanteil ist dort groß – und damit die Zustimmungsrate zur AKP, wie auch Politologe Cengiz Günay ausführt.

Kurden, Aleviten, Kemalisten oder Linksliberale wählen dagegen eher nicht Erdoğan.

Bis seine Popularität nachzulassen begann, gelang es Erdoğan, sich als Integrationsfigur zu vermarkten. Fans assoziierten ihn anfangs mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in der Türkei. Durch ihn empfänden viele Türkischstämmige, die sich in der Diaspora bestenfalls geduldet fühlen, eine Aufwertung, erläutert Güngör. „Er vermittelt ihnen das Gefühl der Anerkennung und der Zugehörigkeit.“ So entstehe ein „Wir“-Gefühl.

Dazu kommt bei vielen Austrotürken die emotionale Bindung an ein Land, in dem viele noch Familie haben - und das sie nur aus dem Urlaub kennen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Football news:

Fernando Santos: Verdienter Sieg für Deutschland. Portugal war schockiert, als er in der zweiten Halbzeit zwei Tore kassierte
Moutinho über die 2:4-Niederlage: Manchmal konnte man die Überlegenheit Deutschlands nicht verkraften. Portugal wollte nicht so ein Ergebnis
Tottenham ist für Barcelonas Ex-Trainer Valverde Interessant: Tottenham sucht weiter nach einem neuen Cheftrainer. Nach Informationen des Journalisten Fabrizio Romano gehört Ernesto Valverde, der früher den FC Barcelona leitete, zu den Kandidaten. Die Ausarbeitung dieser Variante befindet sich in der Anfangsphase. Für Tottenham sind auch der ehemalige Schalke-Trainer Ralf Rangnick und Erik ten Hag von Ajax Amsterdam Interessant
Sanches über 2:4 gegen Deutschland: Portugal hätte den Rückstand verkürzen können. Natürlich stand es 2:4, aber wir hatten noch Chancen, wie die Deutschen zu punkten. Es war eine Begegnung zweier toller Mannschaften
Spiel in der Todesgruppe: Frankreich fast in den Playoffs, Portugal braucht wenigstens ein Unentschieden
Bastian Schweinsteiger:Nicht nur wegen der 3 Punkte, sondern auch wegen des Deutschland-Spiels hat der ehemalige deutsche Nationalspieler Bastian Schweinsteiger das Länderspiel gegen Portugal (4:2) bei der Euro 2020 gewonnen
Nunu Gomes: Deutschland hat stärker und klüger gespielt als Portugal. Probleme gab es von der ersten Minute