Austria

Endlich Prater: "Ich hatte Tagada-Entzug"

Mit Freitag hat der Wiener Wurstelprater wieder geöffnet. Am ersten Tag zog es vor allem Jubilare und hartgesottene Fans in den Vergnügungspark

von Katharina Zach

Und einmal geht’s noch. „Das ist eure letzte Runde“, brüllt der Mann an der Kassa ins Mikrofon. Die Musik dröhnt und die fünf Jugendlichen im Tagada geben noch einmal alles, lehnen sich in die Kurven, springen in die Luft. Dazwischen wird das Handy gezückt. Ein Selfie muss sein - auch im Karussell.

Nach zwei Monaten Corona-bedingter Zwangspause haben am Freitag um 11 Uhr die ersten Fahrgeschäfte im Prater wieder geöffnet. Viel los ist gegen Mittag aber noch nicht.

Einige Attraktionen sind noch geschlossen, nur vereinzelt flanieren Grüppchen durch den Vergnügungspark. Große Erwartungen haben die Verkäufer in den Gastro-Standeln und die Mitarbeiter der Fahrgeschäfte nicht. "Am Wochende vielleicht, Montag ist Feiertag", hofft Adem Oruci vom Schokotraum auf die nächsten Tage. Nachsatz: "Wenn es nicht regnet."

Immerhin habe man endlich aufsperren dürfen. Erst seit Kurzem dreht sich das Riesenrad wieder. 70 Jahre lang musste es nie abgeschaltet werden. Bis Corona kam. Daher ist die Inbetriebnahme auch ein symbolischer Akt: Die Welt und Wien drehen sich wieder.

Apropos drehen. Das ist auch Alex’ Wunsch am Eröffnungstag. „Die letzten Monate waren schlimm. Ich hatte Tagada-Entzug“, erzählt er als er mit strahlenden Augen das Karussell verlässt. 22 Fahrten am Stück? Für ihn kein Problem. Normalerweise kommt Alex jeden Tag in den Prater, zuletzt konnte er nur an den geschlossenen Attraktionen vorbeispazieren und träumen.

Ein paar Ecken weiter sind Eva, ihr kleiner Sohn Noah, Freundin Sarah sowie deren beiden Töchtern aus Kärnten die ersten Autodrom-Kunden des Tages. Sie nutzten die Gunst der Stunde: „Wir würden nicht damit fahren, wenn viel los wäre“, erzählen die Frauen. Die Familien genießen den Ausflug, für sie ist es "wieder gewonnene Normalität".

Sorgen um die Sicherheit machen sich die Gäste nicht. Schilder mahnen zum Abstandhalten, bei den Fahrgeschäften gibt es Desinfektionsspender, die Mitarbeiter tragen Maske.

Auf die verzichten Wolfgang, Karin, Hubert und Herma aus Seitenstetten (NÖ), als sie in den Wagen der Geisterbahn steigen. Sie seien extra hergefahren, erzählt Karin, um den 80er von Hubert nachzuholen. "Wir wollten was besonderes", sagt Karin. Die Niederösterreicher sind nicht die Einzigen, die Geburstagsüberraschungen einlösten.

Nur ein paar Schritte weiter laufen am Vormittag bei der Virtual-Reality-Bahn "Dr. Achibald" noch die letzten Vorbereitungen. Erste neugierige Besucher müssen vertröstet werden. Mit 30 Lkw haben Schausteller Patrick Greiner und sein Team das Fahrgeschäft von Deutschland in den Prater gebracht.

Nun thront es bunt gegenüber des Parkhauses. Greiner hofft auf eine gute Saison, denn er wird länger in Wien bleiben als geplant. Im September hätte es mit "Dr. Archibald", dem heurigen Prater-Highlight, nach München zum Oktoberfest gehen soll. Nun bleibt er bis Jänner.

Während der Betrieb eher zäh anläuft, sind die Praterfamilien erleichtert, dass es nun losgeht. Bereits am Donnerstag sind die Fahrgeschäfte sechs Stunden lange probegelaufen.

„Es fällt ein Fels vom Herzen“, sagt Katja Kolnhofer vom Geisterschloss und dem Superautodrom. Auch Prater-Chef Stefan Sittler-Koidl ist glücklich. Obwohl die Arbeit für ihn erst anfängt - etwa bei der Planung diverser Events. Das erste ist Freitagabend, um 21 Uhr gibt es ein Feuerwerk hinter dem Riesenrad "CO2-freundlich und fast lautlos", beruhigt Sittler-Koidl.

Nun muss nur noch das Wetter mitspielen, damit es noch viele Runden Tagada gibt.

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