Austria

Ein Klärungsversuch: Peter Handkes jugoslawische Krankheit

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Warum sich der Autor in den "Bruderkriegen" auf die Seite der Serben schlug. Und worum es ihm ging.

von Thomas Trenkler

Was ist Peter Handke nicht alles: ein Bewohner des Elfenbeinturms und ein Träumer. Keiner, der mit den Wölfen heult. Einer, der unter dem Wind gehen will. Ein stiller Beobachter, ein Leise-Sprecher, ein Sonderling. Kein Wutbürger, aber ein Wütender. Ein Unbeherrschter, Zorniger. Einer, der nicht mehr in die Zeit passt. Vielleicht einer, der nie in die Zeit gepasst hat. Ein Fragen- und damit Fallensteller. Und immer: ein Erzähler. Ein Erzähler wie Homer, der vom großen Krieg gegen Troja berichtete, ohne dabei gewesen zu sein. Einer, der sich bloß einen Reim auf das machte, was wiederum ihm erzählt worden war.

Eines aber ist Handke sicher nicht: ein politscher Kommentator, ein Kriegsreporter oder gar ein Chronist der Ereignisse. Er sieht und schmeckt und fühlt – auch in ehemaligen Kriegsgebieten. Und darüber schreibt er dann, mitunter betroffen, mitunter verzerrt, mitunter naiv. Und nur darüber. Die Literatur des Peter Handke ist rein subjektiv. Und so schreibt er oft in Ich-Form. Aber auch dieser Icherzähler ist nicht er, sondern eine Ich-Figur, die zwar sehr viel mit Handke gemeinsam hat, aber nie Handke ist.