Austria

Drogen im Stiegenhaus: Chipkarten sollen helfen

Im Falle des Wohnhauses, in dem Drogenkranke für Angst bei den Mietern sorgten, zeichnet sich eine Lösung ab: Ein neues Zugangssystem soll hausfremde Personen fernhalten.

Vor wenigen Tagen berichtete "Heute" über verzweifelte Mieter eines Wohnhauses auf der Mariahilfer Straße 91 (Mariahilf). Grund für die Unruhe waren Drogenkranke und Obdachlose, die sich Zugang zum Haus verschafften und hier übernachteten, sogar im Stiegenhaus Spritzen setzten.

Nach dem Hilferuf der Hausverwaltung schaltete "Heute" die mobilen Sozialarbeiter der Stadt Wien ein, die sich den Missständen annahmen. Nun erzählt der Leiter von "sam plus" und stellvertretende Bereichsleiter von "Mobile soziale Arbeit im öffentlichen Raum" der Suchthilfe Wien Martin Tiefenthaler (39) wie der Stand der Dinge ist.

Sozialarbeiter raten zu elektronischen Türkarten

"Nur einen Tag nach einem Erscheinen des 'Heute'-Artikels haben wir erstmals mit der Hausverwaltung Kontakt gehabt. Insgesamt gab es zwei Telefonate und einen Lokalaugenschein vor dem Haus. Wir haben der Hausverwaltung dargelegt, wie wir helfen können", erzählt Martin. Dazu gehört etwa der Rat zu einem neuen Zugangssystem mit Chipkarten. Dieses soll hausfremde Personen fern halten, Zulieferer, wie etwa Zeitungszusteller könnten aber weiterhin hinein, wenn die Hausverwaltung den Zugang freigibt.

zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Zusätzlich schlugen die Sozialarbeiter ein Gitter vor, das in der Nacht den Gang von der Mariahilfer Straße bis zum eigentlichen Zugang zum Haus versperren soll. Etwa Obdachlose, die sich hierher vor Wind und Wetter zum Schlafen zurückziehen. Bei dem Besuch von "sam" wurde hier eine wohnungslose Person angetroffen, die durch die Sozialarbeiter erfolgreich an eine Notunterkunft vermittelt werden konnte.

Im Haus selbst waren die Sozialarbeiter, darunter Anne (29) und Thomas (28) aber nicht. "Das müsste in Begleitung der Hausverwaltung geschehen. Wir haben das Angebot gemacht, in Anspruch genommen wurde es bisher aber nicht", erzählt Martin.

Sozialarbeiter als fixe Ansprechstelle bei ähnlichen Fällen

Bei ihrem Lokalaugenschein vor dem Haus trafen Anne und Thomas aber auch Bewohner, die von den schlimmen Vorgängen im Haus berichteten. Wie auch die Hausverwaltung zeigten sie sich erleichtert, dass sich nun jemand den Problemen annimmt und sie einen Ansprechpartner haben. "Selbstverständlich sind die Bewohner verunsichert, wenn so etwas passiert. Wenn Spritzen im Stiegenhaus liegen, ist das nicht nur eklig, sondern auch potentiell gesundheitsgefährdend", so Martin.

Generell arbeiteten die Sozialarbeiter auf zwei Ebenen: "Zum Einen geht es um das Gemeinwohl und darum, dass sich die Bewohner und Anrainer sicher fühlen können. Andererseits kümmern wir uns auch darum, dass marginalisierte Personengruppen, wie Suchtkranke oder Obdachlose die Unterstützung bekommen, die sie brauchen", erklärt Martin.

Sozialarbeiter entsorgen gebrauchte Spritzen

Daher haben die Mitarbeiter von "sam plus" auch angeboten, Spritzen und andere Hinterlassenschaften ordnungsgemäß zu entfernen, bis das neue Zugangssystem installiert ist. Zudem stellten die Mitarbeiter den Kontakt zur Grätzelpolizei her. "Wenn Sie Kenntnis von einem ähnlichen Fall haben, zögern Sie bitte nicht, uns oder die Polizei zu verständigen", ruft Martin die "Heute"-Leser auf.

Die Sozialarbeiter von "sam plus" sind sieben Tage die Woche im Einsatz. Erreichbar sind die Mitarbeiter unter der Telefonnummer 0676/811853732 oder per E-Mail an [email protected]