Austria

Doskozil: Zwischen Wut und Verschwörung

© KURIER/Jürg Christandl

Hans Peter Doskozil reagiert wegen der Commerzialbank sehr emotionell. Sachliches Reinemachen wäre besser.

von Martin Gebhart

Jetzt wird es hemdsärmelig. Hans Peter Doskozil hat am Montag zu einem Rundumschlag ausgeholt, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Der Bundeskanzler, die Ermittler, die Bankenaufsicht, die Staatsanwaltschaft, der Geldadel – kaum jemand, den Burgenlands SPÖ-Landeshauptmann nicht ins Visier nahm. Und natürlich auch die Medien – vor allem den KURIER.

Man hatte den Eindruck, es stehe eine große Weltverschwörung bevor. Dabei ging es doch „nur“ um das Schicksal der Commerzialbank Mattersburg, die Mitte Juli von der Finanzmarktaufsicht FMA geschlossen und kurze Zeit später in die Insolvenz geschickt worden ist. Und da um jene Stunden vor der mitternächtlichen Sperre, in denen manche noch ihr Geld retten wollten. Dazu zählt auch das Regionalmanagement Burgenland RMB, eine Tochtergesellschaft des Landes, auch wenn das Überweisen von rund 1,2 Millionen Euro nicht mehr geklappt haben dürfte. Ermittelt wird in jedem Fall.

Auch wenn eine besondere Emotionalität in Hans Peter Doskozils politischer DNA verankert ist, weil er sich immer als Offensivspieler sieht – in dieser Ausprägung war sie nicht notwendig. Von ihm wird jetzt vielmehr erwartet, dass er mit starker, aber auch ruhiger Hand das Commerzialbank-Desaster bereinigt. Seitenhiebe in Richtung Wien sind da Zeitvergeudung, weil es gilt, vor der eigenen, burgenländischen Haustür zu kehren.

Zu dem Reinemachen gehört aber auch, dass aufgedeckt wird, was in den Stunden vor der Sperre der Bank passiert ist; und wer versucht hat, noch schnell sein Geld in Sicherheit zu bringen, weil er vom drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems von Martin Pucher rechtzeitig erfahren hatte. Gleichgültig, ob eine Rettung des Geldes gelungen ist oder nicht.

Tatsache ist, dass sich derzeit bei den unzähligen Geschädigten zum Schock über die Verluste eine unbändige Wut gesellt hat. Die Wut darüber, dass es sich manche richten konnten. Hans Peter Doskozil weiß das. Und er hat das jetzt sogar noch befeuert, indem er von rund zehn Millionen Euro spricht, die im Vorfeld der Bankensperre abgezogen worden sein sollen. Von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft und deren Ermittlern wird deswegen am Ende des Tages Klarheit darüber erwartet, was im „Kriminalfall Commerzialbank“ (Zitat Doskozil) tatsächlich alles passiert ist. Und wer letztendlich die Verantwortung trägt. Nur so wird auch die betroffene Bevölkerung diesen Schlag aufarbeiten können.

Wobei es keinesfalls nur um eine parteipolitische Frage geht, die da gelöst werden muss, denn das persönliche Netzwerk des ehemaligen Bankvorstandes Martin Pucher hat in alle Richtungen gereicht. Im Burgenland.

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