Austria

"Digitales Lernen ersetzt Schule nicht"

Schüler, Lehrer und Eltern haben nun schon zum zweiten Mal die Herausforderung Fernunterricht (Distance Learning) bewältigt. Wie ist es den Beteiligten damit gegangen und welche Probleme, aber auch Chancen haben sich daraus ergeben: Das diskutierten Elke Schramm, Lehrerin an der VS Engerwitzdorf, Schülervertreterin Susanna Öllinger, Daniela Schwabegger aus dem Vorstand der Elternvereine der Pflichtschulen Oberösterreichs und Susanne Wiesinger, Leiterin des Instituts Hartheim und Psychotherapeutin.

Die Schulschließungen und der Übergang in den digitalen Unterricht vor drei Wochen hätten besser geklappt als im Frühjahr. Darin waren sich alle einig. "Im ersten Lockdown gab es einen gewissen Aufholbedarf, weil viele Schulen noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen waren", sagte Schülervertreterin Öllinger. Dieses Mal war man besser vorbereitet, zeigte sich auch Elternvertreterin Schwabegger überzeugt: "Die Aufgaben waren wesentlich klarer."

Belastende Unsicherheit

Man habe die Erfahrungen aus dem Frühjahr reflektiert und einen intensiven Austausch mit den Eltern darüber gehabt, erzählte Pädagogin Schramm. Für sie steht aber auch fest: "Digitaler Unterricht kann das gemeinsame Lernen und die menschliche Interaktion nicht ersetzen." Darin sieht auch Öllinger ein Hauptproblem: "Auch wenn Unterricht über Video gemacht wird, im Endeffekt sitzt man alleine vor dem Computer." Wenn überhaupt, merkte Schwabegger an: "In vielen Familien fehlen ausreichend Endgeräte, und die Internetverbindung ist zu langsam."

Die gesamte Diskussion "Schule am Limit" als Podcast zum Nachhören:

Psychotherapeutin Wiesinger wies auf die Situation jener Kinder hin, die zu Hause in belastenden Umständen leben: "Für sie fehlen derzeit der Ausgleich in der Freizeit und das Aufgefangenwerden in der Schule, wenn es daheim schwierig ist."

Eine zusätzliche Belastung für alle ist die immer wieder herrschende Unsicherheit. "Wenn man nicht weiß, wie lange die Schule noch geschlossen ist, machen sich die Schüler Sorgen über ihren Abschluss. Und das wirkt sich wiederum auf das Lernverhalten aus", sprach Öllinger die Situation der Oberstufenschüler an.

Transparente Beurteilung

Wichtig sei auch, die Leistungsbeurteilung transparent zu gestalten: "Es gibt weniger Schularbeiten, daher ist unklarer, wie beurteilt wird."

Mehr Information wünschte sich auch Schwabegger: "Wie wird das restliche Schuljahr aussehen? Folgt nun Test auf Test und Schularbeit auf Schularbeit? Diese Fragen stellen sich viele Eltern." Antworten darauf könnten auch die Schulen erst kurzfristig geben, so Schramm: "Auch die Informationen an uns kommen immer sehr spät. Es wäre wünschenswert, Neuerungen früher zu erfahren, damit wir uns auch darauf einstellen können."

Es habe aber auch Vorteile gegeben, gab die Lehrerin zu bedenken. Denn Kinder, die mehr Förderung brauchen, hätte man nun gezielt in die Schule geholt: "Für sie war das ein echtes Plus." Freilich eines, das sich Schramm für alle Kinder wünscht: "Unterricht in kleineren Gruppen, selbstbestimmteres Lernen und Förderung der individuellen Fähigkeiten wären auch im normalen Alltag wichtig."

Die Diskussion in voller Länge: 

Die Ungewissheit sei auch für die Kinder belastend, sagte Wiesinger. Wichtig sei daher, sie kindgerecht zu informieren, warum es immer wieder zu Änderungen in den Abläufen kommt. "Wichtig ist auch die Vorbildwirkung der Eltern. Je gelassener man damit umgeht, umso gelassener sind auch die Kinder."

Wenig gelassen sehen Eltern allerdings das Thema Masken für Kinder ab zehn Jahren. Die Elternvertreter hätten sich zwar dagegen ausgesprochen, wurden aber nicht gehört, kritisierte Schwabegger: "Die Maske ist eine Barriere für die Kommunikation, das ist im Unterricht nicht sinnvoll." Eine Einschätzung, die Öllinger für jüngere Kinder teilt, aber: "In der Oberstufe halt ich es für zumutbar. Viele Schüler sagen da auch: Hauptsache Schule, egal mit welchen Einschränkungen."

"Gefühl der Gemeinschaft"

Dass die Schule derzeit mehr Wertschätzung erfährt, bemerkt auch Schramm: "Trotz oder gerade wegen der sozialen Distanz ist das Gefühl von Gemeinschaft und Akzeptanz sehr deutlich zu spüren."

Aufholbedarf hingegen gebe es bei der Digitalisierung – in den Schulen und oft auch zu Hause. Schwabegger betonte die Wichtigkeit, Kinder mit Laptops oder Tablets auszustatten: "Da braucht es eine soziale Staffelung, ähnlich der Schulbuchaktion."

"Digitales Lernen ersetzt Schule nicht"
Einer der Kritikpunkte: Maskenpflicht im Unterricht ab der Unterstufe

Doch nicht nur die Schule als Ort des Lernens, auch die Klassenkameraden und Freunde fehlen den Kindern. Eltern sollten sich entsprechend viel Zeit nehmen und mit den Kinder spielen, rät Wiesinger: "Bei Spielen kann man gut in Kontakt kommen und die soziale Komponente fördern."

Einig waren sich alle vier Gesprächsteilnehmerinnen bei ihrem wichtigsten Wunsch: "Keine weiteren Schulschließungen mehr. Und auch die Oberstufen wieder öffnen." Zwar seien die Schulen eigentlich offen gewesen, aber, so Schwabegger: "Offen im Sinne von Unterricht, nicht im Sinne von Betreuung. Das ist ein Riesenunterschied."

Die Schule sei nicht am Limit, lautete das Fazit am Ende. Aber die Situation ist eine Herausforderung für das System, die man sich nicht als Normalzustand wünscht.

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