Austria

Die Unruhe nach der Champions League

Juventus scheitert an Lyon und jetzt herrscht große Skepsis, ob Cristiano Ronaldo in Turin bleiben wird. Auch in Madrid herrscht Unmut, die Königsliga ist verloren.

Nach dem Ausscheiden der Fußball-Großmächte Real Madrid und Juventus Turin in der Champions League hagelt es Kritik. Während die spanischen Medien nach Reals 2:4 gegen Manchester City wenig überraschend Verteidiger Raphael Varane als Sündenbock auserkoren, feuerten italienische Medien nach dem Scheitern von Juventus gegen Lyon gegen Trainer Maurizio Sarri.

"Varane hob das Harakiri-Schwert", titelte die Zeitung "El Mundo" am Samstag, nachdem der französische Weltmeister beim 1:2 gegen City vor beiden Gegentoren eklatant gepatzt hatte. Zwei Geschenke - und ab nach Hause!", schreib die Madrider Fachzeitung "Marca" in großen Lettern. Da half es auch wenig, dass Varane die Schuld für die Niederlage auf sich nahm. "Ich wollte mein Gesicht zeigen, denn diese Niederlage ist meine, und ich muss sie hinnehmen", sagte er unmittelbar nach der Partie.

Real wäre möglicherweise auch ohne diese Schnitzer zum zweiten Mal hintereinander im Achtelfinale gescheitert, denn City war gegen ein wenig königlich aufspielendes Real überlegen. Doch entscheidend waren eben zwei Aktionen des Weltklasse-Innenverteidigers, der zunächst im eigenen Strafraum den Ball an Gabriel Jesus verlor. Der Brasilianer bediente Raheem Sterling, der ohne Probleme auf 1:0 stellte (9.). Und nach Seitenwechsel ging eine Kopfball-Rückgabe von Varane daneben. Gabriel Jesus spritzte wieder erfolgreich dazwischen (68.).

"Fehler werden auf dieser Ebene teuer bezahlt, und ich habe keine Erklärung für diese Fehler", haderte Varana im Anschluss mit sich selbst. Gabriel Jesus Erklärung könnte als Replik verstanden werden: "Es geht um den Glauben, den Glauben an ihre Fehler, denn wir sind alle Menschen. Deshalb presse ich sehr viel."

Jesus wurde von Trainer Josep Guardiola überschwänglich mit Lob bedacht. "Er ist der Mann dieser zwei Spiele, er war entscheidend für uns", sagte Guardiola, "er hat uns über schlechte Momente hinweggeholfen". Der Winkelzug des Spaniers, Phil Foden als Teil seiner "front-three" einzusetzen, ging ebenfalls auf. Der Traum vom ersten CL-Titel lebt für City weiter. "Es ist ein wichtiger erster Schritt. Real zu schlagen ist unglaublich", sagte Trainer Josep Guardiola. "Es ist mir wichtig, dass wir sie zweimal geschlagen haben. Zinedine Zidane hat nie K.o.-Spiele verloren".

Zidane erklärte im Anschluss: "Wir haben gegen ein gutes Team verloren und müssen das akzeptieren. 95 Prozent dessen, was wir in dieser Saison geleistet haben, war ausgezeichnet. Wir sollten sehr stolz auf das sein, was wir erreicht haben."

Für Manchester geht es schon nächsten Samstag beim Finalturnier in Lissabon gegen Olympique Lyon um den Einzug ins Halbfinale, wo der FC Bayern warten könnte. Doch soweit ist es noch nicht. Guardiola wollte noch nicht allzu weit in die Zukunft blicken. "Ich bin mehr als zufrieden. Wir haben es mehr als verdient, in die nächste Runde einzuziehen. Aber um ein großes Team zu sein, müssen wir Titel holen."

Italiens Abo-Meister Juventus muss weiter auf seinen zweiten in der Königsklasse warten. Ein 2:1 im Rückspiel und zwei Tore von Cristiano Ronaldo reichten nach dem 0:1 im ersten Duell gegen Lyon nicht. Italiens Fachpresse zog einfach anmutende Schlüsse: "Sarri raus", titelte die Turiner Zeitung "Tuttosport", während die "Gazetta dello Sport" schrieb: "Sarri ist gescheitert. Juve ist überlegen, aber auf dem Platz konnte man das nicht zeigen: Das ist die große Schuld von Sarri."

Von Clubchef Andrea Agnelli war kein offizielles Bekenntnis zum Trainer zu hören. "Das war ein extrem schwieriges Jahr, die Saisonbilanz ist süßsauer", sagte Agnelli. "Wir nehmen uns jetzt den einen oder anderen Tag, um die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen."

Zuletzt hatte es auch Gerüchte gegeben, dass Ronaldo mit einem Weggang aus Turin liebäugele. "In bin überzeugt, dass er bleibt", entgegnete Agnelli. "Er ist ein Eckpfeiler unserer Mannschaft." Der Portugiese, der in Italien noch einen Vertrag bis 2022 besitzt, hatte vor seinem Wechsel zu Juventus 2018 mit Real Madrid viermal in fünf Jahren die Champions League gewonnen. Nun verpasste er das Corona-Finalturnier der besten acht Teams, das just in seiner Heimat Portugal steigt.

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