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Die sieben Todsünden von Bitcoin

A representation of virtual currency Bitcoin is seen in front of a stock graph

Der wilde Kursritt verdeckt den Blick auf die dunkle Seite der digitalen „Münze“. Ein kritischer Blick auf einen Hype.

von Anita Staudacher

Alle rätseln, ob die Kursrallye (samt kurzzeitiger Rückschläge) der ältesten und bekanntesten Kryptowährung Bitcoin noch länger anhalten wird – oder die Blase platzt. Im Banne des digitalen Goldrausches wird gerne auf die Schattenseiten dieses Internet-Phänomens vergessen. Habgier ist dabei nur eine von sieben „Todsünden“:

1. Spekulationswahn

Der Bitcoin ist in erster Linie ein riesiges Spekulationsobjekt mit Kursausschlägen wie es sie sonst kaum gibt. Angeheizt wird das Preiskarussell durch künstliche Verknappung der Pseudo-Münze auf maximal 21 Millionen Stück und Prognosen, wonach der Kurs über 100.000 oder sogar 1 Million Dollar klettern könnte. Längst wetten professionelle Spekulanten über Bitcoin-Terminkontrakte, so genannte Futures, auf steigende oder fallende Kurse. Zuletzt vor allem auf steigende, denn im März lag der Kurs noch bei 5.000 Dollar, aktuell bei rund 35.000 Dollar. Welchen Wert der Bitcoin nach baldigem Erreichen der 21-Millionen-Grenze haben wir, ist völlig unklar. Auch eine strenge Regulierung bzw. ein Verbot ist keineswegs auszuschließen.

2. Klimasünde

Kryptowährungen heizen durch ihren enormen Energieverbrauch den Klimawandel an. Sie werden nicht einfach geprägt wie normale Münzen, sondern digital „geschürft“, indem Nutzer in aller Welt ihre Computer zu einem Netzwerk zusammenschließen. Pro Sekunde werden so Billionen komplexer Rechenaufgaben gelöst, um Daten zu verschlüsseln und zu sichern (Blockchain-Technologie). Für private Nutzer lohnt sich der Aufwand nicht mehr, den Job erledigen Profis mit Hochleistungscomputern, die Unmengen an Strom fressen.

Daher werden die meisten „Coins“ in China oder Länder wie Paraguay geschürft, wo die Stromerzeugung billig ist. Rund zwei Drittel aller „Krypto-Miner“ befinden sich in China. Auch der Bitcoin-Handel benötigt Unmengen an Strom. Laut Deutscher Bundesbank verbraucht eine Transaktion im Bitcoin-Netzwerk rund 427 Kilowattstunden. Damit kommt ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt einen Monat lang aus.

3. Kriminellen-„Währung“

Bitcoin hat sich als „Kriminellen“-Währung etabliert. Die Coins werden für den Handel mit Drogen, Waffen und anderen verbotenen Produkten - neuerdings sogar für Covid-Impfstoffe – im „Darknet“ verwendet. Rund um Kryptowährungen ist eine riesige Geldwäsche-Industrie entstanden, die über „Over the Counter“ (OTC)-Marktplätze an der Börse vorbei agiert. Das Analyseunternehmen Chainalysis beobachtete 2019 globale Geldwäscheaktivitäten in Bitcoin im Wert von 2,8 Mrd. Dollar.

4. Steuerhinterziehung

Mit dem nicht angreifbaren Geld lässt sich bequem Vermögen verschleiern. Zwar müssen die Gewinne aus Krypto-Assets ähnlich wie Wertpapiere versteuert werden, es gibt aber ein riesiges Vollzugsdefizit im globalen Bitcoin-Business. Steuerfahnder können gegen illegale virtuelle Zahlungsströme – oft über Steueroasen – wenig ausrichten, weil sie schlicht nichts davon wissen. Wird Kryptogeld aus Straftaten sichergestellt, so können Behörden es oft nur schwer in Euro umwechseln, weil die in virtuellen Geldbörsen – Wallets – hinterlegten Münzen in der Regel mit einem Passwort geschützt sind. Wer dieses nicht weiß, Pech gehabt.

5. Ungleichheit

Laut Bloomberg besitzen nur rund 1.000 Personen 40 Prozent des gesamten Bitcoin-Bestandes. Das Schürfen der Kryptowährung bringt derzeit rund eine Million Dollar pro Stunde ein. Zwei Drittel der Krypto-Minen sind in China bzw. werden von Chinesen betrieben. Die USA und Russland folgen mit 7,2 bzw. 6,9 Prozent. Europa ist abgeschlagen. China hat auch die meisten Blockchain-Patente.

6. Kontrollverlust

Anders als klassische Währungen werden Kryptowährungen (noch) nicht von einer staatlichen Aufsicht entsprechend reguliert oder kontrolliert. Auch Buchungen müssen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden. Es handelt sich viel mehr um ein privat organisiertes, digitales Tauschmittel. Dieses reguliert sich über eine Art zentrales Kontoregister, in dem alle jemals getätigten Transaktionen verzeichnet sind, von selbst. Aufgrund der Blockchain-Technologie gilt die digitale Münze zwar als fälschungssicher. Das Problem: Irrtümliche oder fehlerhafte Transaktionen können nicht mehr rückabgewickelt werden. Auch können die Transaktionen gehackt werden. Immer wieder gibt es Angriffe auf Handelsplätze.

7. Pseudo-Zahlungsmittel

Ursprünglich als echte Währungsalternative zu Dollar oder Euro erdacht, ist Bitcoin weit weg von diesem Anspruch. Als Zahlungsmittel für die breite Masse im Alltag ist er unbedeutend – im Vorjahr wurden gerade einmal 600 Mio. Bitcoin-Zahlungen abgewickelt - und wegen der hohen Kursschwankungen auch ungeeignet. Es gibt wohl kaum einen Konsumenten, der heute 3.000 Bitcoin für ein Schnitzel bezahlen wird und morgen 10.000. Im Übrigen sind die Transaktionen mühsam und dauern lange.

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