Austria

"Die Reisewarnungen wirken wie ein Lockdown"

"Es könnte deutlich schlechter sein, gut ist es aber noch lange nicht." So fasst der Linzer Finanzwissenschafter Teodoro Cocca die aktuelle Lage der Weltwirtschaft zusammen und meint damit auch die Lage in Österreich.

Bei einer Online-Veranstaltung der Industriellenvereinigung (IV) Oberösterreich sagt Cocca, dass die aktuelle Belegung der Spitals- und Intensivbetten in Österreich nicht auf eine Notlage hinweise. "Aber die zahlreichen Reisewarnungen der Länder untereinander und die Restriktionen wirken wie ein zweiter Lockdown."

Die Weltwirtschaft habe in den vergangenen Wochen einen Teil des dramatischen Rückgangs wieder aufgeholt und damit das nachvollzogen, was die Aktienmärkte mit deutlichen Kursanstiegen schon früh vorweggenommen hatten. Allerdings sei in den Sommermonaten keine weitere Steigerung zu erkennen gewesen. Und jetzt würden die Märkte etwas schwächeln.

Gebremster Konsum

Auch die Konsumentenstimmung würde nicht auf eine rasche Erholung hindeuten. Was kein Wunder sei. Schließlich sei die Arbeitslosigkeit hoch, viele Menschen befänden sich noch in Kurzarbeit. "Und wenn die Angst vor einem Jobverlust überwiegt, steigt auch der Konsum nicht", sagt Cocca.

Positiv sieht der Finanzwissenschafter, dass sich die Wirtschaft als widerstandsfähig erwiesen hat. Dies nicht zuletzt, weil die Notenbanken die Politik unterstützen und die Märkte den Notenbanken vertrauen, die die Zinsen nach wie vor niedrig halten. "Nicht einmal Italien macht den Märkten Sorgen. Das Land kann sich mit 0,8 Prozent Zinsen auf zehn Jahre finanzieren", sagt Cocca.

Wann zahlen wir die Schulden?

Allerdings müssten die Staaten ihre Schulden auch irgendwann zurückzahlen. "Und diese Herausforderung kommt schon in den nächsten beiden Jahren auf uns zu", sagt der Ökonom Friedrich Schneider. Er halte nichts davon, in den nächsten Jahren die Steuern zu erhöhen. Wenn man viel Geld braucht, müsse man die Mehrwertsteuer erhöhen. Das würde den Konsum massiv bremsen. Langfristig führe nichts daran vorbei, auf die Ausgaben zu schauen, sagt Schneider und nennt das Pensionssystem bzw. ein höheres Pensionsalter als mögliche Stellschraube. Wichtig sei auch, dass Europa mit einer Stimme spreche, um nicht zwischen den USA und China zerrieben zu werden.

Diese beiden Wirtschaftsblöcke würden mit Handelsbarrieren den Zugang zu ihren Märkten blockieren. Dagegen müsse Europa geeint mit einem großen Binnenmarkt vorgehen, sagt Michael Löwy, Bereichsleiter für Internationale Beziehungen in der IV. Die EU habe hier Fehler gemacht und sei zu sehr von Technologien aus dem Ausland abhängig, sagt Löwy. (dm)

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