Austria

Die Österreicher haben 13,6 Millionen Kilo zugenommen

© Kurier/Juerg Christandl

Brisant: Jeder Dritte hat im Lockdown teilweise stark zugelegt. Einige haben aber auch auf ihre Gesundheit geachtet.

von Uwe Mauch, Jürg Christandl

Keine Frage. Die Gymnastik im Garten, vor ihrem Haus im nö. Enzesfeld macht auch den beiden Vorturnern der Naturfreunde viel mehr Spaß. Und doch wollen Peter Staribacher und Inge Lauermann ihre wöchentlichen Zoom-Aktiv-Treffen nach dem zweiten Lockdown nicht missen.

„Immerhin konnten wir dadurch unsere Leute mehr oder weniger bei der Stange halten“, erklärt Staribacher. Der 56-jährige Aktivposten im südlichen Niederösterreich ist Mitarbeiter in einem Metall verarbeitenden Betrieb und langjähriger Leiter einer Langsamlauf- sowie einer eigenen Männer-Gymnastik-Gruppe.

„Das ist dramatisch“

Die regelmäßigen Teilnehmer an den virtuellen Trainings sind nachweislich leichter durch den streckenweise sehr frustrierenden Pandemie-Marathon gekommen als andere. Das belegt auch die neue Studie der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich, kurz Askö.

Der Auswertung zufolge hat jeder dritte Österreicher in den vergangenen Monaten Gewicht zugelegt, im Schnitt sogar um sechs Kilo. „Das ist dramatisch“, betont Hermann Krist, der Präsident der Askö. „Wenn wir das zusammenrechnen, kommen wir auf insgesamt 13,6 Millionen Kilo.“

Der Zusammenhang zwischen der subjektiv wahrgenommenen Stressbelastung und der Gewichtszunahme ist dabei laut Krist „mehr als nur augenscheinlich“.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Eine kleinere Gruppe zwar (13 Prozent der 1.000 repräsentativ Befragten) hat einiges abgenommen – im Schnitt 7,7 Kilo. Der große Rest der Bevölkerung, immerhin jeder Zweite, konnte sein Gewicht de facto halten.

„Gezeigt hat sich in unserer Studie auch die besondere Bedeutung der lokalen Sportvereine“, betont Funktionär Krist. Zwei von drei Befragten gaben zu Protokoll, dass die Sportvereine zum sozialen Zusammenhalt entscheidend beitragen. Vor allem ältere Menschen betonen, dass ihnen das gemeinsame Sporteln, das Vereinsleben, die Geselligkeit als Kitt einer auseinanderdriftenden Gesellschaft zunehmend fehlt.

Viele der 65.700 Ehrenamtlichen der Askö mussten im Corona-Jahr Kurse absagen und ihre Teilnehmer vertrösten. Nicht so Peter Staribacher und Inge Lauermann. Um das soziale Moment zu fördern, haben sich die beiden aktiven Enzesfelder zusätzlich etwas einfallen lassen: „Abgesehen von den zwei virtuellen Einheiten pro Woche haben wir jeweils freitags ebenso virtuell ein isotonisches Getränk gemeinsam mit anderen konsumiert.“

Peter Staribacher ist ein Motivator, wie er im Buche steht. Mit viel Feingefühl gelingt es ihm seit mehr als zehn Jahren, eine Gruppe von zwanzig Männern für den Fit-Sport zu begeistern. Im Lockdown hat er in dem kleinen Vorraum vor seinem Schlafzimmer eine Videokamera sowie eine kleine Discokugel installiert, mit der seine Frau und er die Gruppen immer wieder aufs Neue zum Mitmachen animieren konnten.

„Wir wollten ihnen in jeder Einheit etwas Neues bieten“, verraten sie heute mit einem Lächeln.

„Die Bedeutung von Sport und Bewegung ist durch die Pandemie deutlich gestiegen“, liest Askö-Präsident Krist weiters aus den aktuellen Studiendaten heraus. „Da hat sich zu unserer Umfrage vor einem Jahr so gut wie nichts geändert. Viele Leute fühlten sich daheim eingesperrt. Das Rausgehen an die frische Luft war für viele extrem wichtig.“

Eine Frage des Status

Die Mehrzahl der Männer, die zu Peter Staribacher in die Gruppe kommen, sind gut ausgebildet und haben einen gut bezahlten Beruf. Auch da stimmen die Beobachtungen mit den über viele Jahre gesammelten Daten des Sportverbands überein: Es zeigt sich bereits seit Jahren, dass das Bewegungsverhalten vom sozialen Status abhängig ist.

Auch in Enzesfeld und Umgebung liegt auf der Hand: Je höher Haushaltseinkommen und Bildung einer Person, umso größer die Bereitschaft und auch die Ressourcen, um in die eigene Fitness Zeit und Geld zu investieren.

Der harte Lockdown geht zu Ende, der Frühling ruft förmlich nach Bewegung. Die beiden Vorturner freuen sich: „Endlich geht’s bei uns wieder draußen los.“

Wer hätte dies vor etwas mehr als einem Jahr so vorausgesagt? Nach dem Homeoffice und -schooling wurde der Home-Sport in Österreich gelebte Praxis. Egal ob Yoga- oder Tanz-, Fitness-, Kraftsport- oder Fußball-Fan:  Viele verlegten ihren Aktionsradius in die eigenen vier Wände.

Ein Drittel der von der Askö Befragten gab an, zu Hause online zu trainieren. Somit drängt sich die Frage auf, ob die neuen Angebote auch weiterhin bestehen werden. Dazu gibt es vom Sportwissenschafter Günter Schagerl eine klare Ansage: „Niemand wird freiwillig zu Hause trainieren, wenn er sich im Freien bei schönem Wetter bewegen kann. Der Möglichkeit, bei Bedarf jederzeit wieder auf Online-Aktivität umzustellen, werden wir uns aber ganz sicher nicht berauben.“

Anderes gibt Schagerl mehr zu denken: „Die  Askö-Studie zeigt auch, dass acht von zehn Österreichern quer durch alle Alters- und Berufsgruppen der Meinung sind, dass die von Gesundheitsexperten bis zu Profisportlern seit Jahrzehnten geforderte tägliche Bewegungseinheit für die Kinder dringend notwendig wäre.“

Schagerl kennt diese Diskussion seit Anbeginn, er hat sie mitangestoßen.  Wieder einmal liegt der Ball bei einem Bildungsminister. Den Hinweis, dass die Schulen über zu wenige Turnsäle verfügen, lässt er nicht gelten: „Es gibt heute genügend erprobte Alternativen.“

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