Austria

Die Nudel boomt: In der Not hortet der Kunde Pasta

Während der weltweite Trend zum Nudelkauf anhält, scheint sich die Nachfrage in Österreich zu normalisieren.

von Johannes Arends

Die erste Woche des zweiten „harten“ Lockdowns liegt hinter uns, anders als im März ist es diesmal aber nur vereinzelt zu sogenannten Hamsterkäufen gekommen. Trotzdem bleibt neben dem inzwischen berühmt-berüchtigten Klopapier ein weiteres Produkt Dauerbrenner in heimischen Supermärkten: Die Pasta.

Einer Prognose des Daten-Portals Statista zufolge werden die Österreicher am Ende des Jahres knapp 176 Millionen Euro für Nudeln ausgegeben haben, das sind um 18 Millionen mehr als im Vorjahr. Das ist vor allem auf den Frühjahres-Lockdown zurückzuführen, damals stieg die Nachfrage in heimischen Supermärkten innerhalb kürzester Zeit dramatisch an, bei Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg) wurden beispielsweise um 80 Prozent mehr Teigwaren gekauft.

Kein Vergleich zum März

Aktuell, im zweiten Lockdown, scheinen Österreichs Nudelhersteller fast wieder auf Normalniveau zu produzieren. Beim burgenländischen Familienbetrieb Wolf sind das etwa zwischen 120 und 130 Tonnen pro Woche. In der härtesten März-Woche musste man hingegen fast 400 Tonnen liefern.

„Da war die Unsicherheit noch groß, ich glaube inzwischen haben viele Menschen aber erkannt, dass die Produktion immer gesichert sein wird“, meint Eigentümer Joachim Wolf. Grundsätzlich begrüße er, dass die Bevölkerung der Pandemie inzwischen gelassener gegenübersteht und Hamsterkäufe vermeidet, trotzdem sei wichtig, „dass wir dem Virus nach wie vor mit Respekt begegnen.“ Trotz der erhöhten Nachfrage werde man in etwa die Umsatzzahlen des Vorjahres erreichen, meint Wolf – denn Lieferungen an die Gastronomie fallen fast gänzlich aus, zudem stehe auch der hauseigene Bäckereibetrieb still.

Unter den beliebtesten Nudelmarken Österreichs finden sich neben den heimischen Unternehmen Wolf und Recheis (Tirol) auch der italienische Weltmarktführer Barilla. Beim Branchenriesen ist jedoch nach wie vor Krisenmodus – und damit Vollbetrieb – angesagt. Noch nie zuvor haben die Italiener so viel Pasta produziert wie in diesem Jahr: Alleine im Hauptwerk in Parma entstehen 1.000 Tonnen pro Tag.

Um der drastisch erhöhten Nachfrage aus dem Ausland nachzukommen, startete Barilla schon im März die sogenannten „Pasta-Züge“: Seitdem werden die Massen an Teigwaren täglich auf Gleisen von der Lombardei ins deutsche Ulm gefahren. Jeder Zug hat dabei etwa 490 Tonnen Nudeln mit an Bord – bei vier Zügen pro Woche. Dazu kommen bei jeder Lieferung noch etwa 60 Tonnen Saucen und 40 Tonnen Pesto.

Pasta-Nation Italien

Den meisten Umsatz weltweit erwirtschaften Nudel-Produkte übrigens in China und Indien. Das liegt aber vor allem an der gewaltigen Bevölkerungszahl, den höchsten Pasta-Verbrauch pro Kopf leisten nämlich nach wie vor die Italiener, wo im Jahr durchschnittlich mehr als 40 Kilo pro Kopf verspeist werden. Zum Vergleich: In Österreich sind es knapp fünf Kilo.

Dieser enorm hohe Wert war aber in den letzten Jahren rückläufig und ist es auch im Krisenjahr 2020. Vielleicht sind im Lockdown aber auch einfach mehr Italiener als sonst dazu übergegangen, ihre Pasta selbst zu machen.

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