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Die Gewalt-Epidemie in den USA [premium]

Noch nie haben so viele US-Amerikaner so viele Waffen gekauft wie in den vergangenen Monaten, die Zahl der Erschossenen geht durch die Decke. Woran liegt das?

Als Joe Biden im April ans Rednerpult trat, um neuerlich Tote zu beklagen, machte der US-Präsident die „Epidemie“ dafür verantwortlich. Das Coronavirus meinte er nicht. Sondern die Schusswaffengewalt, die die USA seit Beginn der Coronakrise so sehr heimsucht wie seit Dekaden nicht mehr.

Biden nannte den Ausbruch der Gewalt eine „Peinlichkeit“. Damals, im April, hatte ein 19-Jähriger im Verteilzentrum eines Paketdiensts in Indianapolis acht Menschen erschossen, sie waren seine Ex-Kollegen. Danach tötete er sich selber.

Waffen in den USA

Sechseinhalb Prozent der erwachsenen US-Amerikaner – rund 17 Millionen Personen – haben im Jahr 2020 Waffen gekauft. Das zeigen Daten der Northeastern University und des Harvard Injury Control Research Center. 2019 waren es 5,3 Prozent gewesen.

Insgesamt dürften in den USA 400 Millionen Waffen im Umlauf sein – inklusive rund vier Millionen sogenannter „Assault Rifles“, das sind leichte halbautomatische Gewehre.

Meist sind es Fälle wie diese, die auf der Oberfläche der Öffentlichkeit aufschlagen. Mass shootings nennt man sie auf Englisch. Dafür gibt es keine passende Übersetzung ins Deutsche. „Massenschießerei“ klingt nach einem Schusswechsel zwischen mehreren Menschen, was meistens nicht zutrifft; oft schießt ein Täter auf mehrere Personen. „Massenerschießungen“ oder „Massaker“ klingt nach geplanten, groß angelegten Aktionen, auch das trifft es nicht oder: zumindest nicht immer. Der Begriff mass shootings wird auch verwendet, um auf das schiere Ausmaß der Gewalt hinzuweisen: Das „Gun Violence Archive“, die Datenbank der gleichnamigen US-amerikanischen NGO, führt allein für das vergangene Wochenende mehr als 120 Menschen, die durch Schusswaffen ihr Leben verloren; mehr als 8000 Menschen sind in den USA von Jänner bis Mai 2021 auf diese Weise ums Leben gekommen.

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