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Deutsche Exporte nach Großbritannien brachen im Jänner ein

© APA - Austria Presse Agentur

Rückgang um rund 30 Prozent - Gesamtjahr 2020 minus 15,5 Prozent - Gründe: Neue Zollregeln nach Brexit und Logistikprobleme - Experten: Weitere Rückgänge erwartbar, aber nicht wie im Jänner.

Die deutschen Exporte nach Großbritannien sind im Jänner nach Inkrafttreten des Brexit-Handelsabkommens um rund 30 Prozent eingebrochen. Experten gehen aber nicht davon aus, dass in den nächsten Monaten ähnlich starke Rückgänge zu verzeichnen sein werden. Allerdings stellen viele Unternehmen wegen des britischen EU-Austritts ihre Lieferketten um. Das wird den Handel mit der Insel weiter bremsen.

Grund für den Einbruch zu Jahresbeginn seien "die Auswirkungen des vollzogenen Brexits", teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Bereits 2020 waren die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich um 15,5 Prozent auf 66,9 Milliarden Euro abgestürzt, vor allem wegen der Coronapandemie. Das war das größte Minus seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009. "Seit dem Jahr 2016 - dem Jahr des Brexit-Referendums - haben die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich stetig abgenommen", so die Statistiker. 2015 hatten die deutschen Exporte dorthin noch 89 Milliarden Euro betragen.

Der Präsident des deutschen Großhandelsverbands BGA, Anton Börner, verwies mit Blick auf die Jänner-Zahlen auf neue Zollregeln, zusätzliche Bürokratie und Logistikprobleme. "Angesichts der mangelnden Vorbereitung von britischer Seite hätte es jedoch sogar noch schlimmer kommen können." Der Trend werde sich nicht so schnell ändern. "Viele Unternehmen haben ihre Lieferketten aufgrund des Brexits umstrukturiert." Die neuen Abläufe sollten sich in den kommenden Wochen und Monaten aber einspielen.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, der gebürtige Österreicher Gabriel Felbermayr, sagte, der Einbruch im Jänner dürfte in dieser Größenordnung ein Ausreißer sein. Die Wirtschaftsleistung in Großbritannien sei 2020 wegen der Pandemie vermutlich doppelt so stark eingebrochen wie in Deutschland. "Das wirkt sich zusätzlich zum Brexit stark auf die Nachfrage nach deutschen Produkten aus. Mittelfristig erwarten wir nicht, dass sich ein Exporteinbruch in dieser Größenordnung verstetigt." Es werde auf beiden Seiten ein eingespieltes Grenzabfertigungssystem entstehen, das grundsätzlich einen relativ reibungslosen Warenverkehr ermögliche - wenn auch zu höheren bürokratischen Kosten als bisher.

Großbritannien ist vergangenes Jahr aus der Europäischen Union ausgetreten. Seit Anfang 2021 gilt vorläufig das erst an Weihnachten ausgehandelte Handels- und Kooperationsabkommen, das für Unternehmen zahlreiche Änderungen bringt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass deutsche Unternehmen künftig rund zehn Millionen Zollanmeldungen pro Jahr einreichen müssen. Das allein dürfte etwa 400 Millionen Euro kosten.

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