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Der Wahlkämpfer Obama ist zurück: "Trump kann uns nicht beschützen"

In Pennsylvania stand Barack Obama erstmals seit langem wieder auf der Bühne - und zeigt, was er kann. Seine Botschaft kommt beim Publikum an.

von Evelyn Peternel

Die Ärmel des blauen Hemdes aufgekrempelt, mit einer schwarzen Maske, auf der VOTE steht: Barack Obama hat bei einer Rally der Demokraten in Pennsylvania die USA daran erinnert, was er wohl unter anderem am besten kann – Reden halten.

Mehr als 30 Minuten stand der ehemalige US-Präsident bei seinem ersten Live-Auftritt für den Wahlkampf seines ehemaligen Vizes Joe Biden auf der Bühne. Dass er sich dafür ausgerechnet Philadelphia, Pennsylvania, ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr. Der Bundesstaat ist einer der umkämpftesten Swing States bei dieser Wahl; Biden führt dort nur knapp vor Donald Trump. "Das ist die wichtigste Wahl unseres Lebens", ruft Obama darum den ausgewählten Zusehern zu - die sitzen, anders als bei den eng gedrängten Trump-Auftritten, in Autos vor der Bühne und hören Obama nur über Livestream im Autoradio.

"Das ist keine Realityshow"

Dabei schleudert Obama mit einer Leichtfertigkeit Sätze ins Publikum, setzt Pointen hintereinander, spart nicht mit Humor. Über all dem schwebt aber immer die massive, teil pathetisch vorgetragene Kritik an seinem Nachfolger: "Das hier ist keine Realityshow. Das ist die Realität“, sagte er mit beißendem Hinweis auf Trumps frühere TV-Karriere. Trump nehme seinen Job nicht ernst, und der Rest des Landes müsse  mit den Konsequenzen daraus leben. "So wie Trump sich benimmt, würden wir bei keinem High-School-Teacher, keinem Coach, keinem Kollegen tolerieren. Auch in der Familie würden wir es nicht tolerieren, außer vom verrückten Onkel.“

Als er beim Kernpunkt der Kritik ankommt, beim Missmanagement Trumps der Coronapandemie, merkt man Obama sogar den Zorn an. "Tweets vor dem Fernseher absenden, nützt nichts“, sagt Obama. Und: "Er kann uns nicht beschützen. Er kann sich ja nicht mal selbst schützen“ – eine Anspielung auf Trumps Maskenverweigerung, die ihm möglicherweise die Corona-Infektionen eingebracht hat. „Wenn er die ganze Zeit seinen Job gemacht hätte, dann wäre es nie so schlimm geworden.“

Erster Auftritt seit Langem

Es ist ein durchaus bemerkenswerter Auftritt, den Obama da hinlegt. Auch weil, er sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt - wie üblich bei ehemaligen US-Präsidenten - mit öffentlicher Kritik an seinem Nachfolger immer zurückgehalten hat. Erst seit Mai, als der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam und Menschen im ganzen Land gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straßen gingen, kehrte er zurück auf die politische Bühne. Da allerdings meist, ohne seinen Nachfolger direkt zu adressieren.

Jetzt ist das anders. Inkompetent sei Trump, unfähig, der Würde des Amtes gerecht zu werden, sagt Obama, und er wird diese Sätze wohl bei den kommenden Auftritten wiederholen. 13 Tage sind es noch bis zur Wahl, und bis dahin sind einige Obama-Rallys geplant.

Hupende Autos

Ob er seinem "Freund Joe" helfen wird, die nötigen Stimmen zusammenzubekommen? Beobachter meinen, seine Auftritte würden jedenfalls mehr Menschen an die Urne locken; und das ist auch Obamas Hauptanliegen. "Wählen ist die Macht, eine Regierung zu wählen, die sich um uns kümmert", sagt er.

Wer diese Regierung stellen soll, ist freilich auch klar. Joe Biden werde das Land als Präsident mit Anstand und Empathie führen, sagt Obama. "Ihr könnt wieder zur Arbeit gehen ohne euch Gedanken darüber machen zu müssen, dass der Präsident Verschwörungstheorien auf Twitter verbreitet“, sagt er noch dazu - und die Autos hupen.

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