Austria

Der "pannonische Teufelsgeiger" wird heute 90 Jahre

"Musik ist für mich das, was aus dem Bauch und vom Herzen kommt. Trend ist mir wurscht", umschreibt Toni Stricker sein Credo. Heute wird der "pannonische Teufelsgeiger", wie der Wiener gern genannt wird, 90 Jahre.

In eine musikalische Familie hineingeboren – mit Wiener Wurzeln mütterlicherseits und burgenländischen väterlicherseits – wuchs Toni Stricker mit Wiener Tänzen und kroatischen Liedern auf. Zur Geige fand er als Sechsjähriger. Ab 1953 spielte er in der Jazzband Vera Auer, wo er mit Joe Zawinul, Hans Salomon oder Attila Zoller auftrat und später in Fatty George’s legendärem "Saloon". Er komponierte für Hans Moser, Paul Hörbiger, Helmut Qualtinger, Andre Heller, Erika Pluhar und Shirley Bassey.

1974 legte er sein Amt als Konzertmeister im Theater an der Wien nieder, 1976 auch jenes als Auftragsmusiker und übersiedelte ins Burgenland, wo er in Sauerbrunn – nahe dem Geburtshaus seines Vaters – seine Wahlheimat fand. Hier entwickelte er seine "Instrumentalen Chansons", wie er seine Werke nennt, die von Landschaften, Menschen und Gefühlen erzählen. Für seine "Pannonischen Balladen und Wiener Tänze" erhielt er 1981 den Deutschen Schallplattenpreis.

Mit Andre Heller produzierte er seine LPs "Brot und Wein" und "Ernte". Stricker: "Andre Heller hat mich damals dazu ermutigt und gesagt: ‚Wenn es keinen Markt gibt, das ist das Beste – weil dann kann man sich einen schaffen und muss nicht einem Trend nachhatschen.‘"

Auch für die TV-Serie "Ringstraßenpalais" und den Film "Meine Schwester Maria" schrieb er die Musik. Viele seiner Werke entstanden in seinem Zweitdomizil in Südfrankreich, wo er bis 2010 je ein halbes Jahr verbrachte.

Zu seinem 80er erhielt Toni Stricker den Amadeus Award für sein Lebenswerk. Mit 85 Jahren verabschiedete er sich von der Bühne. Wie er zu dem wurde, der er ist, beschreibt er in seinem Buch "Mein Weg nach Pannonien" (2014, Seifert Verlag). Die Ö1-Reihe "Spielräume" gratulierte dem Jubilar gestern, der Beitrag ist sieben Tage nachzuhören: oe1.orf.at (kasch)

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