Austria

Der Ball ruht, aber Lionel Messi schießt scharf

Die Posse um den Gehaltsverzicht der Barcelona-Stars zeigt, wie sehr es zwischen Mannschaft und Chefetage kracht. Während Weltfußballer Messi seine Zurückhaltung abgelegt hat, klopft Vereinslegende Xavi immer lauter an.

Barcelona. Ein Klub wie der FC Barcelona steht nicht still, nur weil gerade kein Fußball gespielt wird. Der Verein ist ein eigenes Universum, zwei Sportzeitungen in der Stadt berichten täglich vom Geschehen rund um das Camp Nou, in den Lokalradios verbreiten Insider pausenlos neueste Gerüchte. Auch während Covid-19 wütet, läuft diese Maschinerie weiter.

Vor allem im schon länger schwelenden Krach zwischen der Mannschaft und den Vereinsbossen sind dieser Tage neue Kapitel hinzugekommen. Erst gab es Medienberichte, wonach Lionel Messi und Co. selbst in diesen Krisenzeiten keine Gehaltskürzungen hinnehmen würden. Dann wurde bekannt gegeben, dass die Barça-Stars auf 70 Prozent ihres Gehalts verzichten. Zum Vergleich: Beim FC Bayern wurden die Profis für 20 Prozent bejubelt.

Messi höchstpersönlich verkündete diese Maßnahme, stellte zusätzliche finanzielle Hilfe für Vereinsmitarbeiter in Aussicht und nützte die Gelegenheit auch, um der Klubspitze um Präsident Josep Maria Bartomeu etwas auszurichten. Diese sei für die falschen Berichte über gierige Stars verantwortlich, schrieb der 32-jährige Kapitän. „Es überrascht uns, dass es innerhalb des Klubs welche gab, die versucht haben, uns ins Rampenlicht zu stellen und Druck auf uns auszuüben, damit wir etwas tun, was wir ohnehin tun wollten.“

Messi stellt sich im Konflikt mit der Chefetage an die Spitze. Zuletzt hatte es schon Reibereien mit Sportchef Eric Abidal, seinem ehemaligen Mitspieler, gegeben. Dass der Barça-Kader schlecht geplant ist und viel zu klein ausfiel, ist unbestritten. Als Anfang 2020 Erfolgserlebnisse ausblieben und Abidal öffentlich den vollen Einsatz der Spieler anzweifelte, platzte Messi der Kragen. Der sonst zurückhaltende Weltfußballer forderte den Sportchef auf, Namen zu nennen und nicht das ganze Team zu verunglimpfen. Trainer Ernesto Valverde kostete der sportliche Durchhänger jedenfalls den Job.

Xavis Sinneswandel

Doch auch mit Nachfolger Quique Setién läuft es nicht. Der 61-Jährige hatte einen ausgezeichneten Ruf und wurde wohl auch von Messi abgenickt – es heißt, keine Personalentscheidung falle ohne dessen Zustimmung. Nun steht Setién massiv unter Druck. Barcelona scheiterte im Cup-Viertelfinale an Bilbao, schaffte im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Napoli nur ein 1:1 (das Rückspiel steht aus) und kassierte im Clásico bei Real Madrid eine 0:2-Niederlage, die die Tabellenführung in der Liga gekostet hat. Gerüchten zufolge hat Setién die Kabine nicht mehr hinter sich. Außerdem musste er sich für Co-Trainer Eder Sarabia entschuldigen, der sich in Madrid an der Seitenlinie danebenbenommen hatte.

In diese explosive Gemengelage hinein hat sich nun Vereinslegende Xavi zu Wort gemeldet. Barcelonas 40-jähriger Rekordspieler weilt in Katar und trainiert dort Al Sadd, ein erster Schritt in seiner Trainerkarriere, die ihn irgendwann zurück ins Camp Nou führen soll. Als Valverde im Jänner entlassen wurde, hielt Xavi den Zeitpunkt noch für zu früh. Nun ist das anders. „Es ist klar, dass ich nach Barcelona zurückkehren möchte, ich bin sehr aufgeregt“, erklärte er. Ein Neustart nach Corona mit der Klubikone dürfte in Barcelona dieser Tage viel Gefallen finden.  (joe)

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