Austria

Das langsame Verschwinden der Wiener Gstätten [premium]

In einer wachsenden Stadt werden zunehmend bisher sich selbst überlassene und brachliegende Flächen genutzt und bebaut. Damit verschwinden aber auch Freiräume, in denen man der städtischen Ordnung zumindest zeitweise entkommen konnte.

Großmutter Weide. So hatten die Kinder den Hollerstrauch genannt. So wie der sprechende Baum aus dem Disney-Film „Pocahontas“. „Da ist er gestanden“, sagt Eva-Maria Wohlfarter. Wo sie hinzeigt, steht ein Bauzaun. Dahinter eine gerodete Fläche. Von weiter her ist das Geräusch eines Baggers zu hören. Als sie selbst noch ein Kind war, hat sie oft hier gespielt. Gemeinsam mit den anderen Kindern aus der Wohnanlage. Es war ein riesiger Spielplatz. Nur, dass er nicht als Spielplatz gewidmet war. Und es kümmerte sich auch niemand um den Ort, die riesige Brachfläche im Bereich des Bahnhofs Hütteldorf. „Es war meine Gstätten.“

Für sie und die anderen Vorstadtkinder war es ein wildes Stück vom Paradies, wie sie es nennt. Ein Ort, an dem man eben Bäumen einen Namen gab, auf der Böschung fangen spielte, über Schieferplatten den Hang hinunterrutschte und sich in Astlöchern geheime Nachrichten versteckte. Die Böschung hinter dem Haus, in dem sie früher wohnte, die gibt es noch. Aber die große Wildnis dahinter, die verschwindet gerade.

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