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Coronavirus: Warum gerade die Schutzmaske so polarisiert

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Maskenpflicht in OÖ: Die lokale Verschärfung der Coronamaßnahmen könnte zum Muster für das künftige Handeln der Politik werden.

von Raffaela Lindorfer, Julia Pfligl, Ernst Mauritz, Ingrid Teufl, Petra Stacher

„Manchmal muss man Schritte zurückmachen, auch wenn man es nicht wahrhaben will“, sagte Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Dienstag. „Ab Donnerstag gilt deshalb in OÖ wieder die allgemeine Maskenpflicht.“ Die 427 (Stand Dienstagnachmittag) Covid-19-Infizierten und über 3.000 Personen in Quarantäne sind zu viel: Die Bürger müssen u. a. wieder beim Betreten von Läden und in Lokalen auf dem Weg zum Tisch einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das sei derzeit alternativlos: „Das Virus sitzt bei uns am Tisch“, so Stelzer.

Ist jetzt auch wieder mit einer österreichweiten Maskenpflicht im öffentlichen Raum zu rechnen? SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat sich bereits dafür ausgesprochen.

Regional statt landesweit

Im Krisenstab der Bundesregierung winkt man aber ab: Flächendeckende Maßnahmen wie eine österreichweite Maskenpflicht oder einen bundesweiten Lockdown soll es nicht mehr geben. Stattdessen sollen, wo notwendig, regionale Maßnahmen gesetzt werden.

Mit dem flächendeckenden Lockdown im Frühjahr sei es gelungen, das Schlimmste zu verhindern. Jetzt gelte es, einzelne Glutnester zu löschen, um einen größeren Brandeinsatz – sprich: einen flächendeckenden Lockdown – zu vermeiden. Deshalb seien kurzfristig steigende Infektionszahlen auch kein Grund für Hysterie, sondern im Gegenteil sogar positiv: Wenn man Cluster findet, kann man sie eindämmen.

In den kommenden Monaten, wenn nicht Jahren, würden Corona-Maßnahmen Routine werden. Das Virus werde nicht so schnell verschwinden. Im Herbst rechnet man mit einem neuerlichen Aufflammen.

Effizient - und unbequem

Infektiologe Herwig Kollaritsch: „Man muss zwei Dinge unterscheiden: Masken sind unbestritten effizient. Und Masken sind unbestritten unkomfortabel. Wir müssen also einen Mittelweg finden, dass wir die Menschen einerseits aus ihrer Komfortzone herauslocken und ihnen klar machen, dass sie z. B. in einem vollen Supermarkt sinnvoll sind. Andererseits dürfen wir ihre Geduld nicht überstrapazieren.“ – „Man muss es von der jeweiligen Situation abhängig machen“, sagen auch die Hygiene-Fachärzte Astrid Mayr (MedUni Innsbruck) und Ojan Assadian (LKH Neunkirchen). In Oberösterreich sei die allgemeine Maskenpflicht deshalb zu begrüßen, österreichweit sei sie derzeit nicht notwendig.

In Deutschland wiederum polarisiert die Maskenpflicht im Einzelhandel – die Gesundheitsminister von Bund und Ländern sowie viele Experten sind für ihre Beibehaltung, die Wirtschaft drängt auf Lockerung. Wie wirksam Masken sind, zeigt ein Blick nach Jena: Als erste deutsche Stadt hatte Jena am 6.4. die Maskenpflicht erlassen – die meisten anderen Städte erst am 27.4. Die Zahl der neuen Covid-19-Fälle stieg in Jena deutlich langsamer als in anderen Städten – wenige Tage nach der Einführung der Maskenpflicht gab es kaum noch Neuerkrankungen.

Was die Psychologin sagt

„Die Maske ist ein Symbol für Corona“, erklärt Patricia Göttersdorfer vom Berufsverband der österreichischen PsychologInnen (BÖP). „Sie ruft das unangenehme Thema ins Gedächtnis und damit auch die unangenehmen Emotionen.“ Dass dies teilweise mit Heftigkeit ausgetragen wird, überrascht sie nicht. „Durch die Rücknahme von Maßnahmen hatten wir das Gefühl, die Krise sei überstanden.“ Die Realität zeige aber etwas anderes.

Die Freiwilligkeit führe dazu, dass viele, die sich mit einer Maske sicherer fühlen, Diskussionen mit Verweigerern gar nicht (mehr) aussetzen wollen, weiß die Psychologin. Je weniger Maske tragen, umso leichter lässt man sich dann selbst dazu verleiten. „Man will dazugehören und vergleicht sich mit anderen.“ Und wer sie am Kinn trage, suggeriere Lässigkeit: „Schaut, ich hab’ ja eh eine, wenn es jemand verlangt.“

Politisches Statement

In den USA, wo die Zahl der Infizierten rasant ansteigt, wird die Maske zunehmend zu einem politischen Statement: Präsident Trump verwehrt sich dagegen, dafür plädieren immer mehr Hollywoodstars für Solidarität mit den Risikogruppen. „Diese einfache und wirksame Empfehlung wird auf Kosten von Menschenleben politisiert“, echauffierte sich Jennifer Aniston (siehe nachstehenden Artikel).

Masken-Aufruf der Superstars

Orlando Bloom
„Passen wir einfach aufeinander auf, okay?“, schrieb der Star aus „Fluch der Karibik“ unter ein Instagram-Selfie mit selbst genähtem Mund-Nasen-Schutz.

Reese Witherspoon
Kein politisches Statement, sondern ein Zeichen von Solidarität: Auch die Oscarpreisträgerin sprach sich für das Tragen von Atemschutzmasken aus.

Jennifer Aniston
Die „Friends“-Ikone richtete einen Appell an ihre 35 Millionen Instagram-Fans: „Wenn euch Menschenleben am Herzen liegen, dann tragt eine Maske“

Patrick Dempsey
Der Ex-TV-Chirurg („Grey’s Anatomy“) reanimierte für das Masken-Foto seinen Leitspruch aus der Serie: „Ein wunderschöner Tag, um Leben zu retten“

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