Austria

Coronavirus-Tests: Warum der richtige Antikörper entscheidend ist

Die Bewohner von Ischgl sollen bald getestet werden. Damit erhofft man sich auch Erkenntnisse zur Immunität.

von Ingrid Teufl

Ein ganzer Ort als Testlabor – das ist die nächste ungewöhnliche Entwicklung, die das SARS-CoV-2-Virus Österreich beschert. Umgesetzt werden soll diese Maßnahme im Rahmen einer Studie im Tiroler Wintersportort Ischgl.

Und es sind noch weitere Premieren aufzuzählen: Erst diese Woche wurde der erste Antikörpertest zur Anwendung zugelassen, den Virologen der MedUni Innsbruck nun auch noch erstmals in einem größeren Rahmen überprüfen.

Erstmals in der Praxis überprüft

„Wir werden die ersten sein, die diesen Test in der Praxis validieren“, sagt Dorothee von Laer, Virologie-Leiterin der MedUni Innsbruck. Damit erhoffen sich die Forscher, aber auch die Behörden neue Erkenntnisse über die Anzahl der tatsächlich Infizierten. Von Laer hofft, nächste Woche starten zu können.

Dann sollte auch die noch ausstehende Bewilligung der Ethikkommission vorliegen und Bewohner von Ischgl können sich auf freiwilliger Basis Blut vom Arzt im Ort abnehmen lassen. Dieser übermittelt die Proben an die Innsbrucker Virologen.

Noch nicht ausgereift

Der Test basiert darauf, dass Antikörper im Blut nachweisbar sind, die das Immunsystem nach dem Kontakt mit einem Virus ausbildet. Antikörper vom Typ Immunglobin G (IgG) bleiben langfristig im Blut, etwa bei Masern. „Diese Antikörper sind zur Bestimmung der Immunität notwendig“, sagt von Laer.

Hoffnung auf schnelle Verfügbarkeit

Viele Forscher und Firmen arbeiten daran, derartige Tests schnell verfügbar zu machen. Dass sie noch nicht flächendeckend eingesetzt werden, liegt daran, dass sie derzeit noch nicht ausgereift genug sind, um damit in großer Zahl – und vor allem: richtige – Ergebnisse liefern zu können. „Wir wollen nicht jemanden als immun klassifizieren, der es nicht ist und womöglich andere ansteckt“, erklärt von Laer die Zurückhaltung.

Verschiedene Antikörper-Typen

Außerdem gibt es große Unterschiede, nach welchem speziellen Antikörper im Blut eines Menschen gesucht wird. IgA und IgM werden etwa früher ausgebildet, sagen aber nichts über eine mögliche Immunität aus. Bei teilweise angebotenen Tests rät die Virologin daher zur Vorsicht. „Derzeit gibt es keine zuverlässigen genehmigten Schnelltests, die man am Krankenbett oder selbst zu Hause durchführen kann.“

"Sample 2000": Tests auf Virenbestandteile

Virologin von Laer betont auch, dass Antikörpertests „nicht zum Nachweis einer akuten Erkrankung“ geeignet sind. Dafür sei nach wie vor der PCR-Test, der einen Abstrich auf das Virus-Erbgut untersucht, die beste Methode. Diese wird auch bei der von der Regierung angekündigten repräsentativen Testreihe namens „Sample 2000“ angewendet.

Neben den virologischen Tests auf eine akute SARS-CoV-2-Infektion werden auch Daten wie Alter, Gesundheitsverhalten, Bildung und andere erhoben, sagte am Dienstag Wissenschaftsminister Faßmann, der die Studie mitinitiierte. Durchgeführt und ausgewertet wird sie vom Institut SORA und der MedUni Wien.

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