Austria

Coronavirus: Probleme beim Contact Tracing in Westösterreich

Zuwachs an Fällen kaum mehr abzuarbeiten. In Tirol bündelt man nun die Kapazitäten. Vorarlberg meldete gestern Probleme.

Nachdem am gestrigen Freitag Vorarlberg meldete, dass man die Kontaktnachverfolgung nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten könne, stößt nun auch das Bundesland Salzburg an seine Grenzen bezüglich Contact Tracing. "Die Situation in den Bezirksverwaltungsbehörden ist sehr angespannt", teilte der Sprecher des Landes Salzburg, Franz Wieser, auf Anfrage der APA mit. "Der Zuwachs an Fällen ist kaum mehr abzuarbeiten". In den nächsten zwei Wochen sollen 60 Mitarbeiter der Salzburger Landesregierung den Behörden für die Unterstützung der Nachverfolgung der Fälle zur Verfügung gestellt werden.

Fallzunahmen

Positiv Getestete und Kontaktpersonen der ersten Kategorie hätten Vorrang. Bis ein Bescheid ergeht, könne es aber einige Tage dauern. Im Tennengau zeige sich zwar von den täglichen Fallzunahmen keine so starke Zunahme mehr. Andererseits gebe es im Flachgau "sehr dynamische Entwicklungen". Als besonders problematisch bezeichnete Wieser die Nachverfolgungen von Schul-Infektionen. Wenn ein Lehrer in mehreren Klassen unterrichte und infiziert sei, müsse man schon mal rund 150 Kontaktpersonen erreichen. "Da ist eine Behörde nur mit einem Fall beschäftigt."

Seniorenheime

Die Situation in den Seniorenheimen bezeichnete Wieser aktuell noch als stabil. Diese vulnerablen Bereiche würden zudem bei der Abarbeitung priorisiert. Auffällig sei, dass sich in den vergangenen zwei Wochen die Infektionen über das ganze Bundesland ausgebreitet haben. Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gestaltete sich zuletzt ebenso mühsam: Einige Betroffene weigerten sich, Kontaktpersonen anzugeben oder sich testen zu lassen.

Wieser bat im APA-Gespräch, die Sozialkontakte über die Feiertage zu minimieren. "So ein Zeitfenster bekommen wir bis Weihnachten nicht mehr." Man steuere auf eine "sehr, sehr ernste Situation" zu. "Es kann zur Katastrophe werden", meinte der Sprecher des Landes Salzburg.

Das Bundesland Vorarlberg hatte gestern Probleme gemeldet. Lesen Sie mehr dazu hier:

Situation in Tirol

Die Tiroler Bezirkshauptmannschaften werden sich ab kommender Woche an den Nachmittagen ganz auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie konzentrieren. Bürger-Anliegen, die nichts mit dem Coronavirus zu tun haben, sollen auf den Vormittag beschränkt bleiben. „Die Situation spitzt sich ob der stark ansteigenden Infektionszahlen immer weiter zu“, sagte Landesamtsdirektor Herbert Forster. Die Bezirksbehörden müssten sich auf die rasche Aufklärung von Infektionsketten fokussieren.

Forster sprach von einer „ernsten Situation“. Das aufwendige Contact Tracing, das zeitintensive Abarbeiten von behördlichen Maßnahmen oder auch die Ausstellung von Hunderten Quarantänebescheiden stellten die Tiroler Bezirkshauptmannschaften zunehmend vor große Herausforderungen. Die Bezirkshauptleute hätten sich daher darauf verständigt, ihre Ressourcen an den Nachmittagen zur Bekämpfung der Pandemie zu bündeln - anders sei der Corona-Einsatz nicht mehr leistbar.

Lage in Wien "machbar"

In Wien ist in Sachen Contact Tracing derzeit keine Reduktion wie in Vorarlberg angedacht. „Das ist bei uns noch kein Thema“, versicherte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf APA-Anfrage. Die Lage sei „herausfordernd, aber noch machbar“.

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