Austria

Corona-Ampel: Westösterreich droht verbreitet Rot

In Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg droht jeweils mehreren Bezirken nach der kommenden Sitzung der Ampelkommission am Donnerstag die Rotschaltung. Das hat am Mittwochnachmittag ein Blick auf das aktualisierte Dashboard der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nahegelegt.

Die höchste Warnstufe Rot und damit ein "sehr hohes Risiko" mit unkontrollierten Ausbrüchen und großflächiger Verbreitung bescheinigt die Corona-Ampel derzeit dem Salzburger Tennengau, der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck, dem Bezirk Innsbruck-Land sowie der zweitgrößten oberösterreichischen Stadt Wels.

In den vier betroffenen Bezirken stellte sich die epidemiologische Lage am Mittwoch, 14.00 Uhr, folgendermaßen dar: die Sieben-Tage-Inzidenz - die Anzahl der Neuinfizierten in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner - lag im Tennengau bei 468,7 (Wert am Montag, 19. Oktober: 513,5) , in Innsbruck bei 282,3 (Montag: 243,0), in Innsbruck-Land bei 198,5 (Montag: 188,5) und in Wels bei 226,8 (Montag: 204,1).

Schlechte Zahlen

Nimmt man diese Zahlen als Richtschnur, müssten in Oberösterreich zumindest drei weitere Bezirke auf Rot gesetzt werden: Schärding hält bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 279,2, Grieskirchen bei 247,2 und Ried im Innkreis bei 243,4. In Salzburg gibt es mit dem Pongau und dem Flachgau zwei neue Rot-Kandidaten, die gegenwärtig eine Sieben-Tage-Inzidenz von 271,8 bzw. 237,1 aufweisen.

In Tirol könnten bei der nächsten Ampel-Schaltung drei weitere Bezirke auf Rot springen: Schwaz im Unterland hat eine Sieben-Tage-Inzidenz von 274,2, die Oberländer Bezirke Landeck und Imst scheinen mit einer Inzidenz von 234,4 bzw. 209,8 auf. In Vorarlberg könnte es die Bezirke Feldkirch (226,8), Dornbirn (211,1) und womöglich auch Bregenz (199,4) "erwischen".

In den anderen Bundesländern liegen die Sieben-Tage-Inzidenzen deutlich darunter. Die höchsten Werte in Niederösterreich zeigen die Bezirke Bruck/Leitha (165,7) und Waidhofen/Thaya (154,5). Wien - hier werden die Bezirke nicht separat ausgewiesen - liegt bei 153,5, womit es auch in der Bundeshauptstadt deutlich nach oben geht. Am vergangenen Freitag war eine Sieben-Tage-Inzidenz von 134,5 verzeichnet worden, am Montag kletterte sie auf 146,3.

Im Burgenland wird aktuell in sieben von neun Bezirken eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 registriert. "Ausreißer" nach oben ist Neusiedl/See mit 134,3. In der Steiermark liegt der Bezirk Murtal mit 115,3 an der Spitze, in Kärnten die Landeshauptstadt Klagenfurt mit 105,1.

Bezogen auf ganz Österreich beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz im Moment 121,4. Eine insofern besorgniserregende Entwicklung, als sie am vergangenen Freitag noch unter 100 - bei 94,8 - lag.

Weitere Faktoren

An sich gilt das Überschreiten der 100er-Marke als Parameter, um den betroffenen Bezirk auf Rot zu schalten. Die Corona-Kommission orientiert sich bei ihrer Beurteilung neben der Sieben-Tage-Inzidenz aber auch an der Anzahl der regional durchgeführten Tests, ob und inwieweit sich die Neuinfektionen Clustern zuordnen lassen und damit abgrenzbar sind und an den lokalen Ressourcen im Gesundheitswesen.

In Bayern hat das Erreichen einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 mittlerweile drastische Folgen. Städte und Landkreise mit einer darüber liegenden Inzidenz gelten seit Mittwoch als Dunkelrot, was automatisch weitere Versammlungsverbote und eine auf 21.00 Uhr vorgezogene Sperrstunde in Gaststätten nach sich ziehen soll, wie der bayrische Ministerpräsident Markus Söder in einer Regierungserklärung in München ankündigte.

Ziel der neu eingeführten Warnstufe sei es, einen Lockdown wie im Frühjahr oder wie derzeit im Landkreis Berchtesgadener Land zu vermeiden, erläuterte Söder. Es gehe darum, den Betrieb von Schulen, Kindergärten sowie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen zu erhalten. In der Tourismusregion Berchtesgaden, wo der Wert zuletzt bei 262 lag, sind Schulen, Gaststätten und Hotels geschlossen.

Söder sprach sich gegen Grenzschließungen zur Bekämpfung der Pandemie aus. "Unser Ziel ist, dass die Grenzen offen bleiben", sagte er im Landtag. Um das zu ermöglichen, wolle Bayern mehr Testmöglichkeiten für Berufspendler anbieten.

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