Austria

Commerzialbank Mattersburg: Die Suche nach den Insidern

Das Regionalmanagement Burgenland versuchte kurz vor Sperre der Commerzialbank,1,2 Millionen € abzuziehen – doch die Bank soll den elektronischen Auftrag nachträglich storniert haben.

von Stefan Jedlicka

Die Nachricht ging in den frühen Morgenstunden des 15. Juli wie ein Lauffeuer durch das Burgenland und durch die österreichische Bankenlandschaft: Kurz vor Mitternacht war der Commerzialbank Mattersburg durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) der weitere Geschäftsbetrieb untersagt worden. Für einige Betroffene des mittlerweile weite Kreise ziehenden Bilanzskandals dürfte die Nachricht an diesem Mittwochmorgen allerdings weniger überraschend gekommen sein als für andere. Wer wusste also schon vorab Bescheid? Und wer versuchte noch vor Inkrafttreten der Sperre, Geld von der Bank abzuziehen?

Dass das Regionalmanagement Burgenland (RMB) zu den „Eingeweihten“ gezählt und kurz vor Mitternacht 1,2 Millionen Euro seines Guthabens bei der Bank abgehoben habe, stellte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) gestern in Abrede. Fakt ist jedoch: Zumindest versucht wurde diese Abhebung definitiv.

Und zwar kurz vor 22 Uhr, wie ein Überweisungsauftrag des RMB belegt, der von den Forensikern des Landeskriminalamtes Burgenland sichergestellt wurde. Demnach veranlasste da das Regionalmanagement, 1,2 Millionen Euro von seinem Konto abziehen. Der Auftrag dürfte jedoch – nach Informationsstand von Montag – am 15. Juli seitens der Commerzialbank storniert worden sein. Nun geht es um die Frage, ob durch Insider-Informationen einzelne Bankkunden bevorzugt wurden. „Der eingesetzte Regierungskommissär hat mit seinem forensischen Team alle Daten der Bank gesichert. Sie werden genau analysiert“, sagt dazu FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. Ob dabei strafrechtlich Relevantes zutage gefördert werde, sei von der zuständigen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zu entscheiden.

„Normaler Geschäftstag“

Illegal wäre eine Abhebung in letzter Sekunde wohl nicht. Die Sperre der Bank trat um 23.25 Uhr in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Fortführung des Geschäftsbetriebs untersagt. „Bis dahin hatte die Bank aber einen ganz normalen Geschäftstag, an dem Überweisungen, Einzahlungen und Abhebungen getätigt wurden“, bestätigt Grubelnik.

Als Landeshauptmann Doskozil am Abend des 14. Juli seitens der FMA eine Bestätigung für die bevorstehende Sperre der Bank erhielt, waren die Schalter schon geschlossen. Danach elektronisch durchgeführte Überweisungen würden erst am nächsten Tag wirksam und hätten bis zu 24 Stunden lang zurückgefordert werden können, erklärt ein Banker gegenüber dem KURIER.

Politische Querelen

Doskozil kündigte Montag als Konsequenz aus dem Skandal an, die Politik „von der Wirtschaft abkoppeln“ zu wollen. Für das Burgenland plant er eine Gesetzesinitiative, die eine Unterstützung politischer Parteien durch Wirtschaftsbetriebe verhindern soll.

Für FPÖ-Obmann Norbert Hofer bleiben im Zusammenhang mit dem Bank-Skandal noch „viele Fragen offen“, wie er am Montag betonte. „Der Landeshauptmann erklärte, er habe von Gerüchten über eine Selbstanzeige des Commerzialbank-Vorstandes Martin Pucher erfahren. Ich frage mich, warum Doskozil diesen Gerüchten nicht nachgegangen ist und dazu niemanden kontaktiert hat“, so Hofer. Die Ankündigung, ein Spendenverbot an politische Parteien umsetzen zu wollen, begrüßte Hofer und ergänzte: „Von einem solchen Spendenverbot müssen auch deren Vorfeldorganisationen umfasst sein.“

Und ÖVP-Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas kritisierte: „Anstatt für Aufklärung zu sorgen, attackiert Doskozil in einem Rundumschlag die Medien, die Opposition und die Bundesregierung.“ Sollte der Landeshauptmann bis zum Sonderlandtag die Fakten zur Aufklärung nicht auf den Tisch legen, sei ein Untersuchungsausschuss „unumgänglich“.

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