Austria

Comeback einer Fußball-Legende: Die Rückkehr von David Beckham

04/04/2020

Englands ehemaliger Starkicker will nach der Corona-Krise Superstars wie Ronaldo und Messi zu Inter Miami locken.

von Günther Pavlovics

David Beckham ist eine der hellsten Lichtgestalten im Fußballbusiness. Der heute 44-jährige Engländer war ein begabter Rechtsfuß beim damaligen Topklub Manchester United, aber sicher nicht der beste Fußballer seiner Generation. Mit seiner Frau Victoria, einst Teil der Mädchen-Band „Spice Girls“, zeigte er aber vor, wie man vom grünen Rasen auf die glamourösen Laufstege des internationalen Unterhaltungsbusiness dribbeln kann.

Anfang März kehrte Beckham zurück auf die Bühne, die er den Großteil seines Lebens bespielt hat. Beckham ist Besitzer von Inter Miami, des Fußballklubs, der diese Saison in die US-amerikanische Profiliga MLS eingestiegen ist. Miami trat zum ersten Spiel beim Los Angeles Football Club an. 22.121 Zuschauer waren im „Bank-of-California-Stadium“. Eine offene Ecke des Stadions erlaubt einen Blick über die Skyline der Stadt. Doch viele Fans schauten in die VIP-Loge, in der David Beckham thronte, eingerahmt von seiner Frau und der Schauspielerin Liv Tyler.

Sportlich gesehen verlief die Rückkehr auf die große Fußball-Bühne für Beckham und sein Team holprig. Beim Los Angeles FC verlor MiamiRodolfo Pizarro in Washington das erste Tor für Inter, dennoch setzte es bei DC United eine 1:2-Niederlage. Die ersten beiden Spiele wurden also verloren – und vor dem ersten Heimspiel wurde die MLS ausgesetzt. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist in weiter Ferne, zumindest bis 24. April sind die Trainingszentren der Klubs durch den Verband gesperrt.

Sport auf dem Rücksitz

Beckham reagierte aber mit viel Empathie: „Es sind Zeiten wie diese, in denen wir erinnert werden, was im Leben wirklich wichtig ist. In diesem Moment nimmt der Sport auf dem Rücksitz Platz.“ Die Beckhams haben zwar eine 22 Millionen Euro teure Eigentumswohnung in der Innenstadt von Miami gekauft, sind derzeit aber in der Heimat. Bis auf Brooklyn, der älteste Sohn kann aus den USA nicht heimfliegen. Oder will er nicht? Der 21-Jährige erscheint in der Klatschpresse an der Seite von Schauspielerin Nicola Peltz. In New York.

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Aber zurück nach Miami.

Los Angeles Galaxy sollte der Gegner im ersten Heimspiel von Inter sein. Just jener Klub, bei dem vor 13 Jahren das Abenteuer USA für David Beckham begonnen hat und mit dem er in sieben Jahren zwei Meisterschaften gewann. 2007 holte Galaxy den Superstar von Real Madrid als „Designated Player“, als Spieler, der mehr verdienen durfte, ohne das enge Korsett der Gehaltsobergrenze zu sprengen. Beckham verzichtete auf Bargeld, ließ sich aber in den Vertrag schreiben, dass er einen Verein gründen darf und dafür nur einen Bruchteil (knapp 15 Prozent) der Aufnahmegebühr von damals 200 Millionen Dollar zahlen müsse. Die Verantwortlichen der MLS zeigten damals Weitblick, willigten ein, weil sie schon damals die globale Strahlkraft des Fußballers Beckham erkannten und für den Fußball in den USA nutzen wollten.

Schon im Sommer hätte das Kalkül aufgehen können. Miami hat derzeit keinen Topstar, Beckham hat die beiden Plätze für „Designated Player“ freigehalten, wartete auf das Ende der europäischen Topligen. Edison Cavani von Paris und Luis Suárez von Barcelona sollen an einem Wechsel zu Beckham interessiert sein. Superstar Neymar verkündete: „In ein paar Jahren bin ich da, ich habe einen Vertrag mit David.“ Und es dürfte nicht als Witz gemeint gewesen sein, als Beckham bei einem Auftritt mit Komiker Jimmy Fallon sagte, dass er sich vorstellen kann, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi nach Miami locken zu wollen.

Das ist Zukunftsmusik. Die Realität heißt: abwarten. Beckham veröffentlichte Mitte März auf Instagram ein Familien-Fußballspiel mit seinen Söhnen Brooklyn (21), Romeo (17), Cruz (15) und ein paar befreundeten Kindern im Inter-Stadion. Ehefrau Victoria und Tochter Harper (8) standen am Rand des frisch renovierten Spielfelds. „Der Familie zeigen, was wir aufgebaut haben“, schrieb Beckham. Dabei ist das Stadion mit 18.000 Sitzplätzen in Fort Lauderdale, 30 Kilometer von Miami entfernt, noch gar nicht die endgültige Heimstätte von Inter Miami.

2007 hatte die MLS 12 Vereine, Anfang März wurde mit 26 Klubs in die 25. Saison gestartet. 2014 hatte Beckham verkündet, dass er einen Klub in der MLS wolle. Lange hat er danach sondiert, verhandelt, gezockt bis er die Metropole Miami gewählt hat, wo für eine Milliarde Dollar der „Miami Freedom Complex“ gebaut werden soll. Das Projekt hat sich angeblich wegen Arsen-Belastung im Boden verzögert und soll erst in zwei Jahren die stilgerechte Bühne für eine Beckham-Glitzertruppe bieten.

Inter klagte Inter

Club Internacional de Fútbol Miami hießt der Verein offiziell, auch weil vor allem die spanischsprachigen US-Amerikaner das größte Fanpotenzial des Fußballs bilden. Dennoch gibt es noch immer einen Markenstreit mit einem europäischen Klub, der seit 111 Jahren Inter heißt. Inter Miami klinge so ähnlich wie Inter Mailand, weshalb die Italiener klagten. Das berührt Beckham aber kaum. „Es geht nicht um ein Spiel oder eine Saison. Ich will, dass meine Kinder in 20 Jahren sagen können: Mein Vater hat diesen Verein erschaffen.“

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