Austria

Brauchen wir eine Impfpflicht in Österreich?

Masern sind in Österreich immer noch nicht ausgerottet - im Gegenteil. Zwei ÖVP-Landeshauptleute treten für eine Impfpflicht ein. Ist das der einzige Ausweg? Diskutieren Sie mit!

Von Italien über Polen bis nach Frankreich: In neun EU-Ländern gibt es sie schon, die Impfpflicht. Deutschland zieht 2020 nach: Dort sollen Eltern in Kindertagesstätten oder Schule nachweisen müssen, dass diese geimpft sind. Auch in Österreich wird der Ruf immer lauter. So treten Ärztekammer und Hauptverband der Sozialversicherungsträger für eine Pflichtimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln ein. Zuletzt sprachen sich die ÖVP-Landeshauptleute Johanna Mikl-Leitner und Steiermarks Landeschef Hermann Schützenhöfer ganz klar für die Impfpflicht aus. 

Die Zahl der Geimpften reicht nach wie vor nicht aus, um Masern in Österreich auszurotten. Und daran wird sich bei der jetzigen Situation nichts ändern. Denn bei den Geburtsjahrgängen 2008 bis 2010 gibt es wieder eklatante Impflücken.

Warum kann man nicht in die nächstgelegene Apotheke gehen und sich impfen lassen?

Köksal Baltaci

Gesundheitsexperte Köksal Baltaci sieht in einem Kommentar die Impfpflicht als allerletzten Ausweg. Denn noch seinen nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die meisten Ungeimpften sein nämlich eher nachlässig oder unwissend als überzeugt. Helfen würde daher für Baltaci etwa eine bessere Verfügbarkeit: „Warum kann man nicht in die nächstgelegene Apotheke gehen und sich impfen lassen?“, fragt er.

Was die Impfung für Masern so wichtig macht? Die Krankheit ist zu einen hoch infektiös Statistisch gesehen steckt ein an Masern Erkrankter rund 18 Personen anstecken. Außerdem Hellin Jankowski und Ulrike Weiser erklären in diesem Text, warum das so ist. 

Dass die Impfung sinnvoll ist, würde wohl kein seriöser Arzt abstreiten. Wie soll nun aber die Durchimpfung erzielt werden? Durch Kampagnen? Finanzielle Sanktionen? Oder doch durch ein Verbot, in die Schule zu gehen. Ursula Köller, Mitglied der Bioethikkommission, hält im Interview mit der „Presse“ letzteres für sinnvoll. Denn: „Es sind ja nicht die sozial Schwachen, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sondern die besser gebildeten Schichten.“Wie sie zu ihrer Ansicht kommen? Köller sagt, die Impfskepsis sei teilweise „noch ein Erbe der Nazi-Zeit".

(sk)

Diskutieren Sie mit: Sind Sie für eine Impfpflicht in Österreich? Wenn ja, wie sollte diese umgesetzt werden? Und wenn nein: Was gibt es für Alternativen?