Austria

Black-Wings-Krise: Die Leidtragenden sind Fans, Spieler und auch der Trainer

Auch wenn diese Nachricht angesichts der jüngsten Turbulenzen nicht wirklich überraschend kam, hat sie die Wogen in den diversen Black-Wings-Foren hochgehen lassen. Die Trennung von Manager Christian Perthaler, der seit 2001 als Spieler, Kapitän, zweimaliger Meister (2002/03, 2011/12), Sportchef und Sponsorenbetreuer ein großes Kapitel der Klubgeschichte mitgeschrieben hatte, erhitzte viele Gemüter.

Die Leidtragenden sind in erster Linie die Fans, die die Führungskrise bei Oberösterreichs Top-Eishockeyverein mit einem ungläubigen Kopfschütteln verfolgen. Der Shitstorm an die Adresse von Präsident Peter Freunschlag, der sich mit seinen drei „Vizes“ Karl Egger, Peter Zauner und Peter Matausch überworfen hat, sprengt alles bisher Dagewesene. Wir bleiben dabei: Etliches ist nicht druckreif und entbehrlich.

Sind wir wirklich das Problem?

Es gibt nicht wenige, die unter den gegebenen Umständen in der kommenden Saison auf den Erwerb einer Dauerkarte verzichten wollen. Einige haben einen Protestmarsch vorgeschlagen und selbigen gleich in weiser Voraussicht wieder abgeblasen, weil das in Zeiten der Corona-Pandemie schlichtweg unmöglich und nicht erlaubt ist. Sehr vernünftig.

Dann gibt es auch solche (das soll gar nicht verschwiegen werden), die den OÖN wegen ihrer scharfen Berichterstattung den schwarzen Peter in die Schuhe schieben. Wir stiften Unruhe, berichten einseitig - pro Perthaler, pro Vizepräsidenten, anti Freunschlag, heißt es. Wir würdigen die Verdienste eines ehrenamtlichen Funktionärs (Freunschlag) zu wenig. Und: Wir beschädigen die Marke Black Wings.

Nun, im Moment gibt der EHC Liwest Linz in der Außendarstellung keine glückliche Figur ab. Aber glauben Sie wirklich, dass nicht gestritten würde und sich alles in Wohlgefallen auflösen würde, wenn wir die Finger still hielten? Beide Seiten wurden gehört und zitiert. Einiges wurde kommentiert. Sie können sich selbst ein Bild machen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass wir Dinge so transportieren, wie sie sich aus Ihrer Perspektive nicht gestalten, ist es Ihr gutes Recht, das zu bekritteln.

Im Moment haben die Menschen andere Sorgen

Es steht außer Zweifel, dass der Karren total verfahren ist. Die Streitparteien kommunizieren derzeit ausschließlich über die Anwälte, auch Stadt- und Landespolitik haben sich eingeschaltet. So blöd das klingen mag: Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt als jetzt, um diese Angelegenheit - in welcher Form auch immer - zu bereinigen. Wir haben eine Krise, weit über die Black Wings hinaus.

Im Moment haben die Menschen andere Sorgen, größere Sorgen, da geht es um die Gesundheit, um Existenzen von Familien und Unternehmen. Die Corona-Pandemie hält die gesamte Nation in Atem. So brutal es klingt: Derzeit gibt es Wichtigeres als die Black Wings, so ein Streitfall (hier und jetzt) muss keineswegs zum Untergang des Klubs führen.

Es ziehen noch Monate ins Land, bis wieder Eishockey gespielt werden kann. Die Zeit ist nicht reif für hektische, unüberlegte Entscheidungen. Es wird dauern, bis die Black Wings NEU (wie auch immer die dann aussehen werden) stehen.

Im Moment braucht es Geduld in einem Match, das möglicherweise nur die Gerichte entscheiden werden. Denn Peter Freunschlag - so sieht es aus - wird nicht freiwillig, schon gar nicht ohne Gegenleistung seinen Platz räumen.

Die "Aktie Rowe" befindet sich im Sinkflug

Die aktuell Leidtragenden sind die Fans, die sich nichts sehnlicher wünschen als eine konkurrenzfähige, begeisternde Mannschaft und die Rückkehr in den Schoß einer Black-Wings-Familie, in der alle zusammenhalten.

Es kommt nicht von ungefähr, dass der EHC in der Gunst des Publikums seit Jahren ganz weit oben steht. 4865 Fans in der Linz-AG-EisArena - das war oft Programm.

Auch die Spieler sind in keiner beneidenswerten Situation: Selbst jene, die Verträge haben, machen sich so ihre Gedanken, ob sie angesichts der angespannten Wirtschaftslage (das ist generell zu verstehen) und der Schwierigkeiten, die da noch auf Österreich zukommen, weiterhin gut vom Eishockeysport leben können.

Jene, die noch keinen neuen Kontrakt in der Tasche haben, sind noch ärmer dran. Werden die Gagen sinken? Habe ich unter diesen Umständen in Linz überhaupt eine Zukunft?

Grundsätzlich hat Präsident Freunschlag die Ambition, das Gros des bisherigen Kaders zu halten. Wie man aber hört, machen etliche Cracks ihren Verbleib bei den Black Wings von der Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Trainer Tom Rowe abhängig.

Der Vertrag des US-Amerikaners hätte sich bei einem Semifinal-Einzug (die Black Wings standen angesichts einer 3:0-Führung in der Best-of-7-Serie gegen den KAC kurz davor) verlängert. Doch jetzt ist - zumindest vorübergehend - sein größter Fürsprecher von Bord gegangen. Mit der Trennung von Perthaler fällt auch die „Aktie Rowe“. Freunschlag gilt - sagen wir es einmal so - nicht gerade als Fan des 63-Jährigen.

Unter der jetzigen Führung ist eher ein Comeback von Rob Daum, der unbedingt nach Linz zurückkehren möchte, wahrscheinlicher als ein Verbleib von Rowe.

Und was ist mit Christian Perthaler? Der bleibt noch die Ruhe in Person: "Um mich muss man sich keine Sorgen machen. Ich finde schon was." Das kann weiterhin im Eishockey-Geschäft sein, in der Privatwirtschaft oder auch beim Fußball-Bundesligisten LASK.

Aber wer weiß? In den kommenden Wochen und Monaten kann sehr viel passieren. Was auch immer es sein mag, es möge positiv werden. Im Sinne des oberösterreichischen Spitzensports.   

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