Austria

Bei Gerald Fleischhacker daheim ist die Kirsche rosa

ROMY-nominiert: Gerald Fleischhacker ist nicht "am Sand", so sein neues Programm 

© Kurier/Jeff Mangione

Der ROMY-nominierte Kabarettist Gerald Fleischhacker und Kollege Guido Tartarotti reden gescheit übers Blödeln

Der Kabarettist (neues Programm: „Am Sand“) und Moderator Gerald Fleischhacker und KURIER-Kolumnist Guido Tartarotti arbeiten seit zehn Jahren zusammen – etwa beim satirischen Jahresrückblick „Ein Jahr im Rückspiegel“ oder der ORFIII-Comedy „Die Tafelrunde“. Aus Anlass von Fleischhackers ROMY-Nominierung trafen sie einander zu einem Gespräch über den heiligen Ernst des Blödelns.

KURIER: Wie geht es dir derzeit? Du hast Familie, bist aber auch viel im Fernseh-Einsatz, etwa in der „Kabarett-WG“ oder in der „Tafelrunde“?

Gerald Fleischhacker: Wir sind alle fast immer daheim. Ich verlasse manchmal das Haus, um aufzuzeichnen. Beim Heimkommen lass ich die Schuhe draußen, wasche mich – und dann ist wieder Cocooning angesagt. Wir kochen viel selber, haben Semmeln gebacken und spielen viel. Aber es ist auch zach ...

Michael Niavarani sagte einmal sinngemäß, ein ernsthaftes Gespräch ohne Pointe sei kein ernsthaftes Gespräch. Stimmt das für dich?

Nein. Weil ernsthafte Gespräche gehen natürlich ohne Wuchtel. Aber es gibt sehr wenige Gespräche, die wirklich ernsthaft sind.

Fällt es dir schwer, Gespräche ohne Wuchtel zu führen?

Die Tendenz, im heiklen Moment abzubiegen, ist schon da. Ich hör öfter: Jetzt musst wieder einen blöden Witz machen. Ist das bei dir anders?

Bei mir ist es auch so – je heikler die Lage, umso eher greife ich zu einem Witz. Mir hilft das aber auch, mich selber nicht zu ernst zu nehmen. Kennst du das?

Ich nehm mich selber generell nicht ernst. Aber ich bin ja auch noch jung (lacht). Im Angesicht der Kinder denk ich mir dann manchmal, ich muss so tun, als ob ich erwachsen wär. Diskussionen mit dir stell ich mir anstrengend vor, weil man sich denken könnte: Ha! Das schreibt er sicher dann im KURIER.

Ich schreib’ nur nette Dinge über andere in meine Kolumnen … Ich bin ja auf der Bühne ganz anders als privat. Im echten Leben bin ich eher scheu und melancholisch und oft wortkarg. Wie ist das bei dir?

Du kennst mich. Bin ich nicht. Glaub ich zumindest. Wenn ich vom Handy aufschau, bin ich sehr leutselig. Ich red’ auch gern mit den Leuten nach der Vorstellung. Da bist du anders. Aber weil du vorhin den Nia erwähnt hast: Er hat noch was Wichtiges gesagt. A Schmäh muss aussi. Das bin ich schon. Ich kann’s mir schwer verbeißen, wenn mir einer einfällt.

Hast du deswegen schon Nachteile in deiner Laufbahn gehabt?

Ich war mal vor Jahren, als ich noch beim ORF war, bei Radio Wien, zu so einem Führungskräfte-Assessment geladen. Die haben dann gesagt: „Herr Fleischhacker, Sie sind überraschend strukturiert für einen Kreativen. Haben Potenzial für eine Führungsposition. Aber wir haben den Eindruck, Sie nehmen das alles nicht ernst ...“ Aber das war jetzt kein Nachteil, glaub ich (lacht).

Bist du eigentlich immer im Pointen-Such-Modus? Fallen dir die Gags für die Bühne im Alltag ein? Oder musst du dich dafür extra hinsetzen?

Beides. Für unsere „Tafelrunde“ auf ORFIII setz’ ich mich hin und schreib’. Für meine Programme gibt’s Situationen, die ich mir notiere. Generell glaub’ ich, dass Leut wie wir schon aufmerksam durchs Leben gehen. Ich schreib am Handy Notizen. Aber du bist ja auch immer aufmerksam. Jetzt nicht auf Druck. Wo is’ der Schmäh? Aber wo ist eine Situation skurril. Oder?

Ich nehme Pointen am liebsten aus dem echten Leben – ich nehm das, was das Leben anbietet, und spinne es dann weiter. Ich mag Witz, der nah am richtigen Leben ist.

Ja. Je ehrlicher, desto gut. Merkt man eh bei den eigenen Programmen. Oder Stücken, wie man jetzt sagt. Je authentischer die Geschichten sind, desto besser kommen sie an. „Am Sand“ ist das gradeste, was ich je gemacht hab und bisher, klopf, klopf, läuft’s super. Da ist sehr viel von mir und uns drinnen.

Achtung, jetzt wird’s philosophisch: Ich habe die These, dass die Komödie auch nur eine Tragödie ist, die den Notausgang gefunden hat. Ich finde auch, die besten Witze und Pointen sind ganz nah am Abgrund gebaut. Wie siehst du das? Wie ernst muss das Blödeln sein?

Jössas. Nein, find’ ich nicht. Es kommt auf die Situation an. Es kann der banale Scherz oder saloppe Witz zur rechten Zeit genauso wichtig und richtig sein, wie der ernsthafte Scherz am vermeintlichen Abgrund der Existenz. Natürlich wohnt in jeder Komödie, in jedem Scherz auch das Gegenteil. Die Fallhöhe. Der unerwartete Abbieger. Der muss nicht immer todernst sein, find’ ich. Was aber stimmt: Als Kabarettist muss man sein Publikum ernst nehmen.

Du bist jemand, der oft mit relativ wenig Vorbereitung auf die Bühne geht – im Unterschied zu mir, der sich gerne detailgenau vorbereitet. Hast du Freude am Improvisieren?

Das is urgemein, und würde ich so nicht sagen (lacht). Ich geh nicht unvorbereitet auf eine Bühne. Was schon stimmt: Ich bin jemand, der auf den letzten Drücker gut schreiben und Text lernen kann. Ich weiß oft in der Früh nicht, was ich genau am Abend spiel’, aber wenn ich auf die Bühne geh’, hab ich schon eine Idee, was ich mach’. Und ja, Improvisieren kann ich gut. Das ist sicher für mich angenehm. Für Kollegen oft bissi schwierig.

Konntest du das immer schon? Oder ist das die Radio-Erfahrung?

Das weiß ich net, ob ich das immer schon „können“ hab. Mündlich war ich immer besser in der Schule. Aber ja: Radioschule, würd ich sagen.

Warst du als Kind schon ein Entertainer? Klassenkasperl? Witzerzähler?

Ich war bis 15 ein Streber. Dann schon eher Klassenkasperl, aber nicht dramatisch ausgeprägt. Ich hab’ nicht, wie an deiner Schule „Die Hektiker“, Sachen auf der Bühne gemacht.

Also der Wunsch, auf die Bühne zu gehen, kam erst nach der Radiolaufbahn?

Nein, zeitgleich eigentlich. Ich hab da ja ständig auch off air moderiert, Discos à la Ö3-Disco gespielt, Konzerte gegeben mit Band und so. Das Kabarettspielen kam mit der Zeit als Vorstellung: Wow, das wäre cool. Die Dorfer-Programme waren so was Besonderes. Weil anders damals, mit Band und so.

Möchtest du einmal Musikkabarett machen?

Nein. Dazu fehlen mir das Talent, Fleiß und Können. Aber Dorfer war damals einfach anders. Das war ein Aha-Erlebnis. Aber ich find es faszinierend, wenn der Christof Spörk mit der Steirischen spielt oder das Musikkabarett von Radeschnig.

Erzählst du mir zum Abschluss noch deinen Lieblingswitz?

Haha! Aktuell der Dadaistische der 5-Jährigen. Sie: Papa! Was ist rosa und sitzt in einem Rollstuhl? Ich: Keine Ahnung. Sie: Eine Kirsche! Dann lacht sie bis zum Geht-nicht-Mehr. Ich: Schatz, aber eine Kirsche ist rot. Sie: Egal, ist mein Witz!

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