Austria

Baujuwelen, Bausünden: Architektur der „Swinging Sixities“ mit Retro-Chic

© Peter Haas / CC BY-SA 3.0

04/11/2021

Georg Lipperts Bau für Hoffmann-La Roche – heute das Hotel Daniel beim Oberen Belvedere.

von Werner Rosenberger

Retro ist schick. Ein Beispiel für die Architektur der „Swinging Sixities“ ist das 2011 eröffnete Hotel Daniel Vienna.

Es entstand aus dem von Georg Lippert (1908-1992) in den 1960ern geplanten Hoffmann-La Roche-Bürogebäude beim Oberen Belvedere.

Die Fassade im Curtain-Wall-Stil blieb original erhalten, ein Glücksfall für das denkmalgeschützte Baujuwel.

Glasvorhang

Für die Hotel-Adaption von Lipperts Stahlbetonskelettkonstruktion mit Aluminiumfassade am Landstraßer Gürtel 5 erhielt das Atelier Heiss den Staatspreis Architektur 2014. Am Dach ist ein Segelboot in Originalgröße gestrandet – mit dem Bug nach vorne überhängend: Erwin Wurms Skulptur „Misconceivable“ weist hin auf das „Missverständliche / Undenkbare“ zwischen verrückten Realitäten und irritierten Sehgewohnheiten.

Schon bei der (bereits abgerissenen) Zentrale der Bundesländer-Versicherung am Donaukanal gegenüber vom Schwedenplatz orientierte er sich 1960 am Zeitgeist aus den USA: Es war der erste Wiener Bau mit klimatisierten Großraumbüros und einer vom konstruktiven Gerüst unabhängigen, wie ein Glasvorhang vor die Fassade gehängten „Curtain Wall“ in der Nachfolge des emigrierten Bauhaus-Direktors Ludwig Mies van der Rohe.

Der Clemens-Holzmeister-Schüler Lippert plante u. a. 1956 den „Opernringhof“ an der Stelle des 1863 von Theophil Hansen errichteten und im Krieg zerstörten „Heinrichshofes“ gegenüber der Staatsoper; außerdem 1972 das umstrittene Winterthur-Haus zwischen Karlskirche und Wien Museum.

An der Stelle des leicht und transparent wirkenden Hotels Daniel an der Ecke Jacquingasse stand schon im alten Wien ein Baujuwel: das dreistöckige Palais des Kunstsammlers und Denkmalpflegers Karl Graf Lanckoroński (1848-1933), erbaut 1894/’95 von den Theaterarchitekten Fellner und Helmer.

Es hatte Ansehen und Bedeutung eines Museums, beherbergte die große Kunstsammlung des Grafen und war ein Treffpunkt für Adel und Künstler wie Hans Makart, Victor Tilgner, Auguste Rodin, Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke.

Lanckoroński setzte sich für den Stadtbild- und Ensemble-Schutz ein; u. a. für die Rettung des Stephansdom-„Riesentors“ und den Schutz des Karlsplatzes – und bemerkte sarkastisch: „Wie die Oper der trefflichste ist – außer den Hofmuseen – das Burgtheater der misslungenste dieser Prunkbauten. Schon gleich nach Eröffnung dieses Hauses wurden gewichtige Stimmen laut, die es das Mausoleum der alten Burgtheaterkunst nannten.“

„Faniteum“

Das Palais, im Zweiten Weltkrieg nur beschädigt, wurde danach durch Brandstiftung zerstört. Geblieben ist von Lanckoroński ein geplantes Sommerhaus im toskanischen Stil am Hanschweg 1 in Ober St. Veit, aus dem nach dem Tod im Kindbett seiner Frau Franziska, „Fanny“ genannt, ein Mausoleum werden sollte und das „Faniteum“ wurde: heute das Kloster St. Josef der Unbeschuhten Karmelitinnen mit schöner Kapelle.

www.wikiwand.com/de/

Palais_Lanckoroński

Eine Skurrilität steht in der Pötzleinsdorfer Straße 27 in Wien Währing. „Ein Schandfleck, aber leider kein Abbruchhaus“, beklagen Anrainer.  Ende der 70er-Jahre erbaut, wurde das Beton gewordene Monstrum durch die Pleite des Bauherren nie fertig  und trotzt nun – leer  stehend –  den Jahrzehnten. 

Bewohnt wird die schon lange verwahrloste Immobilie nicht, ist vor Ort zu erfahren. Hin und wieder habe die Eigentümerin – die Witwe des seinerzeitigen Bauherren – den Garten hinten auf dem Grundstück gepflegt, das offenbar vom Konkurs nicht betroffen war, und mit den Nachbarn gestritten. Sagen die Nachbarn.

Abtragen mit der Abrissbirne ließe sich das Haus aus Massivbeton ohnedies nicht.

Bestenfalls sprengen. Was sich auch verbietet. Denn das würde die direkt anschließenden schön herausgeputzten alten und geschichtsträchtigen Villen, Baujahr 1861 und 1875, beschädigen. 

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