Austria

Auf die Kekse, fertig, los! Backen mit Promi-Kids

Ruth Brauer-Kvam bäckt kreativ mit ihrer Tochter Naomi

© Kurier/Jeff Mangione

Geigerin Lidia Baich, Schauspielerin Ruth Brauer-Kvam und Schauspieler Alexander Pschill haben mit ihren Kids gebacken und uns dazu eingeladen.

von Barbara Reiter, Julia Pfligl

Wäre unsere Back-Geschichte ein Studie, hätten wir Folgendes festgestellt: Kekse backen ist offenbar Frauensache, denn kein einziger Mann in den Familien unserer Prominenten will oder kann backen. Tenor Andreas Schager, der Mann von Geigerin Lidia Baich, zieht Teignaschen Teigkneten vor (Seite 98). Dafür springen seine Söhne Lorenz, 18 Monate, und Theodor, 6, der Mama zur Seite und unterstützen sie (noch) beim Lebkuchenbacken. Ob das lange so bleiben wird?

Auch Ruth Brauers Mann Kyrre kommt nicht in Fahrt, wenn es heißt: Auf die Kekse, fertig, los! Das übernimmt Tochter Naomi (6), die ihre Kekse wunderschön verziert. Das Ergebnis ab Seite 100. Spannend auch, wie bei Brauer-Kvams Weihnachten gefeiert wird. Sie ist Jüdin, er Protestant. Die beiden haben ihren eigenen Weg gefunden, ein schönes Weihnachtsfest zu feiern.

Und Alexander Pschill hat uns erzählt, warum er keine Süßspeisen mag. Beim Cookiesbacken mit Lebensgefährtin Kaja und Tochter Nola (4) ist er trotzdem mit dabei. Was seine Aufgabe ist und welches süße Geheimnis die Pschills uns neben ihrem Keks-Rezept verraten haben.

Dean Martin ist dabei

Beim Backen spielt Star-Violinistin Lidia Baich natürlich die Erste Geige. Die Kinder helfen, der Papa isst, das Rezept stammt von Baichs Grazer Großmutter. Schön, wenn die Familie zusammenkommt.

In der Familie von Star-Violinistin Lidia Baich ist Keksebacken ein „absoluter Fixpunkt“ in der Vorweihnachtszeit. Jedes Jahr entstehen in der geräumigen Küche in der Wiener Innenstadtwohnung  vor dem Heiligen Abend Rumkugeln, Vanillekipferln und Lebkuchen – Letztere nach einem alten Familienrezept von Baichs Grazer Großmutter.

„Die Arbeitsteilung bei uns ist klar: Ich backe, meine Kinder helfen, mein Mann isst“, lacht die 38-Jährige, die in St. Petersburg als Tochter eines österreichischen Cellisten und einer russischen Pianistin geboren wurde und seit ihrem vierten Lebensjahr in Österreich lebt.

Bei Proben für ein gemeinsames Konzert lernte Lidia Baich  ihren heutigen Ehemann, Tenor Andreas Schager, kennen, vor eineinhalb Jahren kam ihr Sohn Lorenz zur Welt. Während der strohblonde Bub beim Backen noch faszinierter Zuseher ist und sich hauptsächlich für die glitzernde Weihnachtsdekoration in der Küche interessiert, scheint sein großer Bruder Theodor schon eine gewisse Back-Routine zu haben: Sorgfältig ordnet der Sechsjährige auf dem Esstisch seine Lieblingskeksformen – lauter Tiere – und hilft beim Ausstechen des Lebkuchenteigs, den seine fleißige Mama schon am Vorabend zubereitet hat.

Mit ihr teilt er nicht nur die Freude am Backen, sondern auch die Begeisterung für klassische Musik. Heute tönt aus dem iPad Wagners „Tannhäuser“, ausgesucht von Theodor höchstpersönlich. „Ich hör’ beim Backen ja am liebsten Weihnachtslieder von Frank Sinatra und Dean Martin“, erzählt Baich, während sie die Teigelche, -igel und -füchse in den Ofen schiebt.  Zehn Minuten später duftet es in der ganzen Küche wunderbar würzig nach Lebkuchen.
Das Chaos, das beim Backen mit zwei kleinen Kindern zwangsläufig entsteht, wird da rasch zur Nebensache. „Die Gerüche beim Backen sind immer so herrlich ... Ich glaube, deswegen mache ich das immer so gerne. Und weil es einfach schön ist, wenn die ganze Familie zusammenkommt.“

Auch Theodor kann es kaum erwarten, seine Kekse mit Mandeln und eingelegten roten Kirschen zu schmücken. Als das Blech aus dem Ofen kommt, leuchten seine Augen voller Vorfreude: „Mamaaa, können wir die heute noch essen?“

Kekse und Licht

Auch im Hause der Schauspielerin Ruth Brauer-Kvam wird gebacken, Weihnachtskekse allerdings nur für die freizeit. Denn die Familie hat eigentlich zu dieser Zeit immer einen randvollen Terminkalender. Umso schöner, diese Ausnahme zu erleben.

"Ich bin keine große Keksbäckerin“, stellt Ruth Brauer-Kvam gleich zu Beginn klar. Das liegt nicht an ihren mangelnden Fähigkeiten, sondern am vollen Terminkalender der Künstlerfamilie – Ehemann Kyrre Kvam ist Musiker – in den Wochen vor Weihnachten: „Der Advent ist bei uns immer randvoll mit Vorstellungen und Terminen. Fürs Backen mit Kindern braucht man aber Zeit und Muße – das geht nicht, wenn man danach ins Theater rasen muss“, weiß die 47-Jährige. „Wir freuen uns immer, wenn endlich der 23. da ist und der größte Stress vorbei ist.“

Wenn die viel beschäftigte Schauspielerin – gerade überzeugte sie als Neuzugang in der vierten Staffel der „Vorstadtweiber“ und mit ihrem Programm „Arik“, einer Hommage an ihren Vater Arik Brauer, im Rabenhof – ein paar ruhige Stunden findet, bereitet sie mit ihren Töchtern  Alina, 14, und Naomi, 6, am liebsten simple Butterkekse zu, dieses Mal mit Vanillegeschmack. „Hauptsache, die Kleine hat viel zum Dekorieren. Für sie gibt es nichts Schöneres“, lacht die quirlige Zweifachmama.

Die sechsjährige Naomi scheint die Kreativität ihrer Eltern geerbt zu haben, begeistert verteilt sie geschmolzene Schokolade und bunte Streusel  auf den Keksen. Jeder für sich ein Kunstwerk. „Die beste Bäckerin in der Familie ist meine große Tochter Alina“, erzählt Brauer-Kvam in ihrer gemütlichen Industrie-Küche, die mitten im Wohnzimmer steht. „Mein Mann macht höchstens süße norwegische Brötchen, eine Spezialität aus seiner Heimat.“ Bei Kyrre Kvam und Ruth Brauer prallen Gegensätze aufeinander: Er ist Protestant, sie traditionell jüdisch aufgewachsen. In der Weihnachtszeit werden beide Traditionen vereint: Es gibt einen Christbaum am Heiligen Abend und den achtarmigen Kerzenleuchter, der zum jüdischen Lichterfest Chanukka, das heuer am 22. Dezember beginnt und an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem erinnert, entzündet wird. „Das verbindende Element für mich ist das Licht. Die Symbolik stimmt: Auch in der dunkelsten Zeit gibt es Hoffnung.“

Für Weihnachtsstimmung braucht es keine sieben Sorten Kekse, weiß die Mama von Alina und Naomi: „Wir legen Musik aus den Vierzigerjahren auf, machen Feuer, schauen, dass es warm ist. Es ist einfach schön, wenn die Familie zusammenkommt.“

Backe, Backe, Cookies!

Schauspieler Alexander Pschill mag keine Süßspeisen, seine Frau Kaja und seine Tochter Nola aber umso mehr. Deshalb ist das Keksebacken vor Weihnachten ein Mutter-Tochter-Projekt. Die Rolle von Papa Pschill: Er räumt das Chaos  auf.

Bunt, vollgeramscht, recht klein: So beschreibt Schauspieler Alexander Pschill, 49, die Küche, in der wir heute backen werden. Wahnsinnig gemütlich ist es hier und deshalb auch nachvollziehbar, dass die Küche der Pschills als Treffpunkt gilt.  Die kleine  Nola (4)  freut sich schon sehr aufs Keksebacken mit der Mami. Ohne die geht beim Backen nämlich gar nichts. Das Mutter-Tochter-Duo ist erprobt, backt nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr.  Papa   Alexander sieht dabei, ganz Mann,  vorwiegend zu, hilft aber beim Aufräumen.

„Süßspeisen sind nicht so meins. Vielleicht liegt das  an einer sehr frühen Erinnerung. Mein Vater hat einmal versehentlich einen gesalzenen Kaiserschmarrn serviert.“  Brrrrr! Schon  der Gedanke verursacht Gänsehaut.  Bei Pschills Lebensgefährtin Kaja Dymnicki,  war Backen aber immer eine traditionsreiche Großfamilien-Angelegenheit. Kennengelernt hat das Paar einander bei der Arbeit. Als 2009 in den Kammerspielen  Daniel Glattauers Bestseller  „Gut gegen Nordwind“ fürs Theater adaptiert wurde, zeichnete Kaja für das Bühnenbild mitverantwortlich. „Die Kennenlernphase war mit dem chaotischen Inhalt des Stückes zu vergleichen“, erinnert sich das Paar.  „Danach war alles klar: Wir wollen ein eigenes Theater und so viele Kinder wie möglich.“

In Sachen Nachwuchs ist Kind Nummer zwei schon fast „fertiggebacken“. Kaja und Alexander erwarten in wenigen Wochen ihr zweites Kind. Dieses Mal einen Buben, Name noch unbekannt.  Was das charmante Theater der Pschills betrifft, backt man hier nach kleineren Brötchen im Jahr 2017, nun wieder krachende Semmerln. Die finanziellen Turbulenzen des „Bronski & Grünberg“ gehören dank der Hilfe von Theater-Fans der Vergangenheit an. Ein  Platz künstlerischer Unabhängigkeit bleibt erhalten und geht mittlerweile in seine vierte Saison.

Fast hätten wir beim Plaudern auf unsere Kekse vergessen. Nola und Kaja haben Schoko-Vanille-Cookies gebacken. Der Teig war schnell gemacht – und zwar so, wie es dem Naturell beider Damen entspricht: expressiv! Will heißen, in der Küche geht’s rund, Lärm, Drama und lautes Singen inklusive. Da hat sogar die Opernmusik im Hintergrund keine Chance. Doch die Familie ist sich in Sachen Chaos einig. „Das macht immer Spaß.“ Die Kekse der Pschills sind übrigens ohne Zucker. Vor allem  Nola backt gerne gesund. Sehr vorbildlich! Aufklärender  Nachsatz des Vaters: „Die aber dann  die Mama essen soll.“

Rezepte

Lebkuchen nach Art von Lidia Baich

Zutaten:
1/2 kg Weizen- oder Dinkelmehl
40 dg Roggenmehl fein
20-30 dg Zucker (idealerweise Backzucker) 30 dg Honig (im Wasserbad wärmen,
bis er flüssig ist)
4 Eier  (Zimmertemperatur)
1,5 Päckchen Lebkuchengewürz
1/4 kg Butter
1 Prise frisch geriebene Zitronenschale
1 Teelöffel Zimt, 1 Teelöffel Natron

Mehlsorten miteinander vermischen. Lebkuchengewürz, Zimt, Natron und Zitronenschale beimengen Zucker und Eier  vermischen und dazugeben. Weiche Butter in kleinen Stückchen dazumixen.

Den flüssigen Honig dazugeben. Mit dem Mixer  rühren, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Etwas Weizen oder Dinkelmehl ausstreuen, damit der Teig nicht klebt und diesen zu einer Kugel kneten.

Teig in Frischhaltefolie  über Nacht in den Kühlschrank geben,  da der Teig bei der Verarbeitung sonst klebt. Auswalken, Figuren ausstechen, mit Mandeln, kandierten Früchten oder anderen Nüssen verzieren, mit Eidotter bestreichen. Bei vorgeheizten 180 Grad 15–20 Minuten backen.

Lebkuchen hält  am besten in Metall-Dosen, fürs Aroma eine Scheibe Orange dazugeben, dann wird  er auch nicht zu hart.

Bunter Butterkeks à la Ruth Brauer-Kvam

Zutaten:
75 g Zucker
125 g Butter (weich)
2 Päckchen Vanillezucker
250 g Mehl
1 Ei
1 Prise Salz
bunte Streusel und geschmolzene
Kuvertüre zum Dekorieren

Für die einfachen Vanillekekse alle Zutaten  zu einem glatten Teig verkneten. Die  Teigkugel in Frischhaltefolie wickeln und für  ca. eine Stunde in den Kühlschrank geben.

Das Backrohr auf 200 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen und ein Backblech mit Backpapier auslegen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und mit beliebigen Formen Kekse ausstechen.

Die ausgestochenen Kekse auf das Backblech legen und für ca. 10 Minuten backen, sodass sie hellgelb sind. Kekse herausnehmen und auskühlen lassen.

Währenddessen Kuvertüre bei schwacher Hitze im Wasserbad schmelzen. Die Kekse anschließend zur Hälfte in die abgekühlte Schokolade tunken oder mit einem Pinsel bestreichen. Bunte Streusel oder Perlen darauf verteilen und der Kreativität der Kinder dabei keine Grenzen setzen.

Pschills Schoko-Vanille-Cookies

Zutaten:
135 g glattes Dinkelmehl
120 g Dinkelvollkornmehl
65 g Birkengold Xylit
20-30 g Birkengold Schokolade
zartbitter fein zerhackt
2 EL Vanillepuddingpulver
1 TL gemahlene Vanille
1/2 TL Backpulver
1 Ei, 150 g Butter,
etwas Goldstaub

Die beiden Sorten Dinkelmehl mit dem Ei, dem Birkenzucker, dem Back- und dem Vanillepuddingpulver,
der Vanille und der zerhackten Schokolade in eine Schüssel geben.

Die Butter in einem Topf bei mittlerer Hitze vorsichtig zum Schmelzen bringen. Währenddessen den Backofen auf 170 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die geschmolzene Butter in die Schüssel geben und einen Teig daraus kneten.

Pro Cookie einen Esslöffel Teig nehmen, Bällchen formen,  flach drücken und am Backblech (mit Backpapier) verteilen. Etwas Abstand zwischen den  Cookies lassen, da sie beim Backen aufgehen.

Die Kekse ca. 15–20 Minuten auf mittlerer Schiene backen und weitere 10 Minuten im Ofen abkühlen lassen. Mit  Goldstaub bestäuben, servieren und genießen!