Austria

Archäologen fanden am Brucknerplatz eines der größten Stadttore Steyrs

Mit dem Fund von Knochen eines ehemaligen Friedhofs vor der Stadtpfarrkirche hatten manche vor Beginn der Grabungen am Brucknerplatz gerechnet. Allerdings stießen die Archäologen der Firma Archnet rund um Grabungsleiterin Ulrike Zeger auf etwas weitaus Bedeutenderes. Nur Zentimeter unterhalb des Asphalts wurden Reste des Garstnertors freigelegt. Dieses bildete gemeinsam mit dem mehrstöckigen, direkt an die Stadtpfarrkirche angebauten Pfarrtor das sogenannte St. Gilgentor. Bei diesem kreisrunden, im renaissanceähnlichen Stil um 1480 erbauten Tor handelte es sich um eines der größten der mittelalterlichen Stadt Steyr.

Archäologen fanden am Brucknerplatz eines der größten Stadttore Steyrs
Reste des Gilgentors

Das Tor, in dem sich auch die Wohnung des Mautners befunden hatte, war einst Teil der Befestigungsanlage der Stadt. Zu dieser gehörte auch der heute noch bestehende Turm zwischen Schwechaterhof und Pfarrhof, ebenso die kürzlich sanierte, in Richtung Innerberger Stadel führende und auf der anderen Seite bis zum Schloss Lamberg reichende bis zu neun Meter hohe, mit Schießscharten versehene Stadtmauer. Teile des Wehrganges sind noch beim Durchgang zur Mayrstiege zu sehen. Das militärischen Zwecken dienende Tor regelte mittels Brücke über den Stadtgraben den Zutritt zur Stadt. Teile des zugeschütteten Grabens bilden mit dem Mitte des 19. Jahrhunderts unter Bürgermeister Kompaß abgetragenen Garstnertor heute den Brucknerplatz. Damals wurde die Holub-Villa auf dem Graben, teils auf den Fundamentresten des Tors errichtet. Das Brucknerdenkmal befindet sich unmittelbar vor einer Gartenmauer, die laut dem Stadtarchivar und Heimatforscher Friedrich Berndt (1885–1968) auf der Außenmauer des Tors aufgebaut wurde. Der gesamte Stadtgraben selbst wurde in den Jahren 1970/71 auf Kosten von Josef Werndl zugeschüttet, um die Promenade zu erweitern.

Bei den Grabungen könnten unterhalb der Parkplätze weitere Reste des Gilgentors gefunden werden, obwohl das Team dem Vernehmen nach nur 40 Zentimeter tief graben darf. Laut Auskunft von Archäologin Zeger sollen die historischen Mauerreste dokumentiert und danach zugeschüttet werden: "Es ist eine Frage des Konzepts, es sichtbar zu lassen."

Archäologen fanden am Brucknerplatz eines der größten Stadttore Steyrs
Die Karte zeigt den Ausschnitt der ehemaligen Stadtbefestigung mit dem runden Tor, der Brücke über den Stadtgraben und dem Zwinger vor der Stadtpfarrkirche.

Allerdings mehren sich die Stimmen, die eine Bewahrung dieses geschichtlichen Erbes fordern. "Dieses Tor war eines der wichtigsten Tore in der Stadtbefestigungsanlage", sagt Kultur-Stadtrat Gunter Mayrhofer (VP), "es darf auf keinen Fall wieder in Vergessenheit geraten. Wenigstens ein Teil sollte sichtbar bleiben." Weitere Informationen zur Stadtgeschichte könnten über eine Stele mit QR-Code transportiert werden. "Jede Stadt kann sich glücklich schätzen, wenn sie solche Relikte aus vergangenen Zeiten sichtbar machen kann." Er fordert, das Zuschütten sofort zu beenden.

Stadtrat Reinhard Kaufmann (Grüne) schließt sich dem an: "Diese historischen Mauerteile sind eine Chance, hier ein Stück Stadtgeschichte sichtbar zu machen."

Zitiert

„Es wäre ein Frevel, wenn man die Fundamente des Gilgentors einfach wieder zuschüttet. Gerade für die Landesausstellung wäre es von großer Bedeutung und könnte der Ort sein, wo man über die Stadtbefestigung informiert.“ 
Gunter Mayrhofer, Stadtrat (VP)

„Vom Denkmalschutz wurden die Funde bereits begutachtet. Theoretisch kann man eine Glasplatte darüber machen. Es ist eine Frage von Kosten und Nutzen. Ich hoffe, dass die Baustelle so schnell wie möglich fertig wird.“
Gerald Hackl, Bürgermeister (SP)

„Mit unserer Geschichte sollten wir nicht sorglos umgehen und die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Diese Funde müssen ordentlich dokumentiert werden.“
Helmut Zöttl, Vizebürgermeister (FP)

„Mit etwas Flexibilität und Kreativität könnten diese historischen Mauerteile als Attraktion in die Platzgestaltung integriert und ein Stück Stadtgeschichte sichtbar gemacht werden.“
Reinhard Kaufmann, Stadtrat (Grüne)

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